Vulkankaninchen

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Vulkankaninchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Romerolagus
Art: Vulkankaninchen
Wissenschaftlicher Name
Romerolagus diazi
(Ferrari-Pérez, 1893)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Das Vulkankaninchen (Romerolagus diazi) zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung Romerolagus. Im Englischen wird die Art Volcano Rabbit genannt. Ein weiteres Gattungssynonym ist Lagomys (Herrera, 1897). Merriam beschrieb die Art im Jahre 1896 unter dem Synonym nelsoni (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung

Innerhalb der Familie der Hasen ist das Vulkankaninchen eine der kleinsten Arten. Nur das Zwergkaninchen (Brachylagus idahoensis) ist noch ein wenig kleiner. Sowohl die Hinter- als auch Vorderfüße sind kurz, die Ohren sind kurz und rundlich. Der Schwanz ist kurz und ragt kaum aus dem Fell heraus (Cerventes, Lorenzo & Hoffmann, 1990).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Männchen der Vulkankaninchen erreichen eine Gesamtlänge von 234 bis 292 (268,3) mm, eine Schwanzlänge von 12 bis 20 (16) mm, eine Hinterfußlänge von 40 bis 55 (47,5) mm, eine Ohrlänge von 41 bis 44 (42,5) mm, eine Jochbeinbreite von 25 mm, eine Hirnschädelbreite von 22,8 mm und ein Gewicht von 386,6 bis 479,1 (417,4) g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 240 bis 321 (285,1) mm, eine Schwanzlänge von 18 bis 31 (23,7) mm, eine Hinterfußlänge von 42 bis 55 (51,3) mm, eine Ohrlänge von 40 bis 45 (43,1) mm, eine Jochbeinbreite von 28,5 bis 30,9 (29,7) mm, eine Hirnschädelbreite von 23,2 bis 24,3 (23,8) mm und ein Gewicht von 462,1 bis 602,5 (535,9) g. Das Fell ist ziemlich kurz und dicht. Dorsal und lateral ist das Fell gelblich, gemischt mit einer schwärzlichen Färbung. Die Haarspitzen sind ebenfalls schwärzlich. Die Oberflächen der Füße sind distal hellbraun, ventral dunkelbraun gefärbt. Der Schwanz ist wie das dorsale Fell getönt. Seitlich der Nase sowie im Bereich der Orbitalregion zeigt sich eine hellbraune Färbung. Die Basis der Ohren ist bräunlich. Das Gebiss besteht aus 28 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c0/0, p3/2, m3/3. Die Weibchen der Vulkankaninchen verfügen über 3 Paar Zitzen. Ein Paar liegt pektoral (Brust), ein Paar abdominal (Bauch) und ein Paar inguinal (Leiste) (Cerventes, Lorenzo & Hoffmann, 1990).

Lebensweise

Vulkankaninchen besiedeln Erdbauten, deren Eingänge für gewöhnlich an geschützter Stelle an der Basis von Grasbüscheln liegen. Die Ein- und Ausgänge sind 10,8 cm hoch und 9,3 cm breit. Die Tunnel sind 10,9 cm hoch und 11,1 cm breit. Sie sind bis zu 500 cm lang und reichen bis in Tiefen von gut 40 cm. Als Bauten dienen nicht selten die Bauten anderer Tiere wie Pappogeomys merriami, Felsenziesel (Spermophilus variegatus), Neunbinden-Gürteltiere (Dasypus novemcinctus) oder Silberdachse (Taxidea taxus) (Cerventes, Lorenzo & Hoffmann, 1990). Vulkankaninchen leben in kleinen Gruppen mit 2 bis 5 Individuen. Die Tiere sind tagaktiv und halten sich in der Nacht in ihren Erdbauten auf. Insbesondere die Weibchen sind territorial und verhalten sich zu beiden Geschlechtern sehr aggressiv. Dies konnte vor allem in Gefangenschaft beobachtet werden (Cerventes, Lorenzo & Hoffmann, 1990).

Verbreitung und Lebensraum

Das Vulkankaninchen ist im zentralen Mexiko im Bereich des transvulkanischen Gürtels endemisch. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die Region der Vulkane Popocatepetl, Iztaccihuatl, El Pelado und Tlaloc. Die Vorkommen umfassen ein Gebiet von etwa 386 km². Die Art lebt in großer Höhe von 2.800 bis 4.250 m über NN. Die aktuelle Populationsgröße ist unbekannt. 1994 betrug diese etwa 12.000 Individuen. Der Lebensraum der Art ist insbesondere durch Tussockgras (Gräser mit horstartigem Wuchs) und Kiefern geprägt (Fa & Bell, 1990; Cerventes, Lorenzo & Hoffmann, 1990; Velazquez et al., 1993, 1994). Zu den typischen größeren Pflanzen im Lebensraum der Tiere gehören Montezuma-Kiefer (Pinus montezumae), Pinus teocote, Pinus patula und Pinus pseudostrobus. Unter den kleinwüchsigen Pflanzen sind Süßgräser (Poaceae) wie Muhlenbergia macroura, Festuca rosei, Wald-Schwingel (Festuca amplissima) und Stipa ichu sowie Wegerichgewächse (Plantaginaceae) wie Penstemon stenophyllus, Storchschnabelgewächse (Geraniaceae) wie Storchschnäbel (Geranium potentillae), Lippenblütler (Lamiaceae) wie Ziesten (Stachys agraria), Hülsenfrüchtler (Fabaceae) wie Lupinen (Lupinus montanus), Korbblütler (Asteraceae) wie Greiskräuter (Senecio salignus), Ruhrkräuter (Gnaphalium conoideum) und Zweizähne (Bidens diversifolia), Wegerichgewächse (Plantaginaceae) wie Plantago patagonica und Rosengewächse (Rosaceae) wie Frauenmantel (Alchemilla sebaldiaefolia). Nicht direkt zuzuordnen sind Pflanzen, die zu den Gattungen der Dahlien (Dahlia), der Mannstreu (Eryngium), der Verbenen (Verbena), der Helmkräuter (Scutellaria), der Kratzdisteln (Cirsium) und der Felsenblümchen (Draba) gehören (Cerventes, Lorenzo & Hoffmann, 1990).

Biozönose

Prädator: der Kojote (Canis latrans)
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Prädator: der Kojote (Canis latrans)

Zu den natürlichen Feinden der Vulkankaninchen zählen das Langschwanzwiesel (Mustela frenata), Kojoten (Canis latrans) und Rotluchse (Lynx rufus). Aber auch Schlangen (Serpentes) wie die Dunkle Mexikanische Klapperschlange (Crotalus triseriatus) und Greifvögel (Falconiformes) wie der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) stellen den Tieren nach (Cerventes, Lorenzo & Hoffmann, 1990).

Ernährung

Vulkankaninchen ernähren sich hauptsächlich von Gräsern. Hier sind insbesondere Festuca amplissima, Festuca rosei, Stipa ichu, Muhlenbergia macroura, Alchemilla sebaldiaefolia, Cunita tritifolium, museniopsis arguta und Epicampes sp. zu nennen. Gefressen werden insbesondere grüne Pflanzenteile. Die Kotbällchen weisen einen Durchmesser von 5 bis 9 mm auf (Cerventes, Lorenzo & Hoffmann, 1990).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Vulkankaninchen erstreckt sich über das Frühjahr und den frühen Sommer. Die Hoden eines geschlechtsreifen Männchens erreichen eine Länge von 14 bis 22 (17,5) mm und eine Breite von 8 bis 13,5 (9,7) mm. Nach einer Tragezeit von 38 bis 40 Tagen bringt ein Weibchen 1 bis 3 (2,1) Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen erreichen eine Körperlänge von 83 bis 106 (93,8) mm, eine Schwanzlänge von 7 bis 10 (8) mm, eine Hinterfußlänge von 16 bis 18 (17) mm, eine Ohrlänge von 8 bis 10,5 (9,3) mm und ein Gewicht von 22,6 bis 25 (24,1) g. Die Jungtiere verfügen bei der Geburt bereits über ein Fell, die Augen sind jedoch noch geschlossen. Das Fell ist dunkelgrau gefärbt. Die Augen öffnen sich 4 bis 8 Tage nach der Geburt (Cerventes, Lorenzo & Hoffmann, 1990).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Vulkankaninchen gehören heute zu den stark gefährdeten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie EN, Endangered geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) führt das Vulkankaninchen in Anhang I des Abkommens. In Mexiko steht die Art unter strengem Schutz, eine Bejagung ist verboten. Die Schutzbestimmungen werden jedoch nur mangelhaft umgesetzt. Die Hauptgefahr geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Flächen gehen zugunsten von Land- und Viehwirtschaft verloren. Der Straßenbau sorgt für eine zusätzlichen Fragmentierung der Lebensräume (Cerventes, Lorenzo & Hoffmann, 1990; IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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