Wüstenheuschrecke

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Wüstenheuschrecke

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Ordnung: Geradflügler (Orthoptera)
Unterordnung: Kurzfühlerschrecken (Caelifera)
Familie: Feldheuschrecken (Acrididae)
Unterfamilie: Großschrecken (Cyrtacanthacridinae)
Gattung: Schistocerca
Art: Wüstenheuschrecke
Wissenschaftlicher Name
Schistocerca gregaria
Forsskål, 1775

Die Wüstenheuschrecke (Schistocerca gregaria) zählt innerhalb der Familie der Feldheuschrecken (Acrididae) zur Gattung Schistocerca. Im Englischen wird die Wüstenheuschrecke desert locust genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das adulte Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 6,0 bis 7,5 Zentimeter, während das adulte Weibchen eine Körperlänge von etwa 7,0 bis 9,0 Zentimeter erreicht. Das Gewicht der Erwachsenen beträgt etwa 2,0 Gramm. Im Allgemeinen weist die Wüstenheuschrecke eine sandfarbene Tönung mit dunkelbrauner Musterung auf. Tritt sie in riesige Schwärme auf, dann ist die Farbe leuchtend gelb, orangefarben oder schwarz. Die Wüstenheuschrecke hat sehr lange Hinterbeine und ist insgesamt kräftig gebaut. Das hintere Paar Flügel ist doppelt so lang als das erste Paar Flügel. Das Flugverhalten ist ausgezeichnet, große Strecken können mühelos zurückgelegt werden. Sie erreicht dabei Geschwindigkeiten von 16 km/h. Des Weiteren weist die Wüstenheuschrecke kräftig ausgebildete Mundwerkzeuge auf, die vor allem für die Pflanzennahrung optimal geeignet sind. Wüstenheuschrecken leben normalerweise einzelgängerisch. Die Phase als Einzelgänger wird auch als solitäre Phase bezeichnet. Allerdings kann es auch zu großen Wanderphasen, der sogenannten gregären Phase, kommen. Während der gregären Phase schließen sich die Tiere in zum Teil riesigen Schwärmen zusammen und fressen ganze Landstriche kahl.

Lebensweise

Wüstenheuschrecke
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Wüstenheuschrecke

Die Wüstenheuschrecke bedroht seit Jahrhunderten die landwirtschaftliche Produktion in Afrika, im Nahen Osten und in Asien. Der Lebensunterhalt von mindestens einem Zehntel der Weltbevölkerung wird von dieser gefräßigen Wüstenheuschrecke beeinträchtigt. Die Wüstenheuschrecke zählt potentiell zum gefährlichsten Schädling der Heuschrecken, weil sie die Fähigkeit besitzt, in Schwärmen schnell fliegend über große Distanzen in die Getreide- oder Reisfelder einzufallen. Die Wüstenheuschrecke produziert zwei bis fünf Generationen pro Jahr. Der letzt große Wüstenheuschrecken-Schwarm verursachte in den Jahren von 2004 bis 2005 einen erheblichen Ernetverlust in Westafrika und hatte einen negativen Einfluß auf die Ernährungsversorgung und Ernährungssicherheit in der Region. Jedoch kann man nicht allein der Wüstenheuschrecke für die Hungersnöte verantwortlich machen, sie kann aber ein wichtiger Faktor sein. Im Juli, wenn die schweren Sommerregen beginnen, dann ziehen die Schwärme aus Nordafrika in die Sahelzone im südlichen Mauretanien sowie nordöstlich bis nach Senegal und westlich bis nach Mali, um sich dort zu vermehren.

Die Wüstenheuschrecke verändert das Verhalten, wenn sich die Zahl ihrer Artgenossen erhöht. Normalerweise lebt die Wüstenheuschrecke einzeln. In Gesellschaft kann die Wüstenheuschrecke riesige Schwärme bilden. Diese Veränderung scheint durch ein Hormon hervorgerufen zu werden. Das Hormon Serotonin ist ein Neurotransmitter. Es steigt mit zunehmenden sozialen Kontakten und trägt wesentlich zur Bildung von großen Schwärmen bei. Die Wüstenheuschrecke hat auch natürliche Feinde wie zum Beispiel Reiher, Störche, Eidechsen, Ratten und Affen. Aber der Verbrauch reicht an die Geschwindigkeit des reproduktiven Zyklus der Wüstenheuschrecke nicht heran. Die Weibchen sind sehr fruchtbar und in ein paar Monaten hat sich die Wüstenheuschrecke mit drei oder vier Generationen zu einem riesigen Schwarm, bestehend aus Zehntausenden oder einer Million Individuen erhöht. Auch Fliegen, Wespen, Käfer und Spinnen, die sich von den Eiern oder von den Larven ernähren, können die Population nicht reduzieren.

Verbreitung

Wüstenheuschrecke - Nymphe
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Wüstenheuschrecke - Nymphe

Die Wüstenheuschrecke kann einen Gürtel bis zu 16 Millionen Quadratkilometer abdecken. Dieser erstreckt sich von Mauretanien durch die Wüste Sahara in Nordafrika, über die arabische Halbinsel und bis in den Nordwesten Indiens. Unter optimalen ökologischen und klimatischen Bedingungen können mehrere aufeinanderfolgende Generationen auftreten, wodurch sich riesige Schwärme bilden, die weit nördlich von Spanien bis Russland, vom Süden bis nach Nigeria und Kenia und so weit östlich von Indien bis Südwestasien reichen. Es können 60 Länder in einem Umkreis von 32 Millionen Quadratkilometern oder etwa 20 Prozent der Erdoberfläche beeinflusst werden. Die Wüstenheuschrecke verzehrt das Äquivalent von ihrem eigenen Gewicht an einem Tag und fliegt mit dem Wind in der Nacht. Dabei legt sie rund 100 Kilometer pro Tag zurück. Der größte bekannte Schwarm bedeckte eine Fläche von etwa 1.036 Quadratkilometer, bestehend aus rund 40 Milliarden Wüstenheuschrecken.

Ernährung

Die Wüstenheuschrecke verbraucht entsprechend der Körpermasse pro Tag etwa 2,0 Gramm grüne Vegetation, dazu zählen unter anderem Blätter, Blüten, Rinde, Stengel, Früchte und Samen. Fast alle Kultur-Pflanzen und auch Nicht-Kultur-Pflanzen sind gefährdet, darunter Hirse, Reis, Mais, Sorghumhirse, Zuckerrohr, Gerste, Baumwolle, Obstbäume, Dattelpalmen, Gemüse, Weideland Gräser, Akazien, Pinien und Bananen. Die verdaute Nahrung wird als giftiger Kot ausgeschieden.

Fortpflanzung

Wüstenheuschrecken erreichen die Geschlechtsreife nach rund vier bis fünf Wochen. Das Weibchen legt über ihren Hinterleib Eipakete in den Erdboden ab. Die Eier sind von ovaler Form und weisen eine Abmessung von 8 x 3 Millimeter auf. Die Eipakete umfassen zwischen 50 und 150 Eier. Alle zwei Monate kann eine neue Generation von Wüstenheuschrecken reproduziert werden. Nach etwa 20 bis 25 Tagen schlüpfen die Larven, die eine Schlupflänge von bis zu 10 mm aufweisen. Die Larven häuten sich alle vier bis fünf Tage. Insgesamt kommt es zu fünf Häutungen. Nach der fünften und letzten Häutung sind die Wüstenheuschrecke ausgewachsen und geschlechtsreif. Die Lebensdauer der adulten Tiere beträgt rund zehn Wochen.

Galerie

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Insekten (ohne Schmetterlinge). Erkennen und Bestimmen. 2002 by Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe FALKEN/Mosaik, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, 81673 München / 5 4 3 2 1. ISBN 3-576-11476-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
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