Wahlberg-Scharbe

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Wahlberg-Scharbe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Gattung: Kormorane (Phalacrocorax)
Art: Wahlberg-Scharbe
Wissenschaftlicher Name
Phalacrocorax coronatus
(Wahlberg, 1855)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Die Wahlberg-Scharbe (Phalacrocorax coronatus), auch unter dem Synonym Microcarbo coronatus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae) zur Gattung der Kormorane (Phalacrocorax). Im Englischen wird die Wahlberg-Scharbe crowned cormorant genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Dieser Taxon wird von einigen Autoren als Subspezies von Phalacrocorax africanus im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Wahlberg-Scharbe ist ein kleiner Kormoran und erreicht eine Körperlänge von etwa 50,0 bis 55,0 Zentimeter. Das Gefieder der adulten Vögel weist eine schwarze Färbung auf. Des Weiteren zeigt sich auf dem Kopf ein kleiner Kamm. Die Gesichtshaut am Schnabelansatz und im Bereich der Augen ist von einer roten Tönung. Das Obergefieder der Jugendlichen ist überwiegend dunkelbraun gezeichnet, während die Unterseite eine helle braune Färbung aufweist. Der Kamm fehlt bei den Jugendlichen gänzlich. Markantes Merkmal ist ihr bis zu fünf Zentimeter langer Schnabel, der über eine hakenförmige Spitze verfügt. Der Hals ist insgesamt lang und ausgesprochen dünn. Zwischen den Zehen hat die Wahlberg-Scharbe Schwimmhäute, die sie zu einer hervorragenden Taucherin machen. Schwimmt die Wahlberg-Scharbe an der Wasseroberfläche, so sind in der Regel nur ihr Hals und Kopf zu sehen. Der Körper befindet sich knapp unter der Wasseroberfläche. Das Gefieder saugt sich bei Kontakt mit Wasser voll und hält den Körper unter Wasser. Die Wahlberg-Scharbe verfügt über keine Bürzeldrüse, mit der andere Wasservögel ihr Gefieder einfetten und mehr oder weniger wasserdicht machen. Nach einem Tauchgang kann man die Wahlberg-Scharben an Land mit ausgebreiteten Flügeln beobachten. Meist wedeln sie dabei mit ihren Flügeln, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen.

Lebensweise

Cape Agulhas - Südafrika
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Cape Agulhas - Südafrika

Die Wahlberg-Scharbe ist in den Gewässern des kalten Benguela-Stroms im südlichen Afrika endemisch. Sie ist ausschließlich eine Küstenart und wird etwa 10 Kilometer landeinwärts gefunden. Die Verbreitung erstreckt sich von Cape Agulhas nördlich bis zur Küste von Swakopmund des südlichen Afrikas. Die Population besteht aus 2.500 bis 2.900 Brutpaaren. Die Art brütet in kleinen Gruppen mit weniger als 150 Individuen pro Kolonie. Wenn die Jugendlichen flügge und selbständig sind, verlassen sie die Brutkolonie und legen dabei Entfernungen bis zu 277 Kilometer zurück. Die adulten Vögeln bewegen sich zwischen den Brutstätten, die über 500 Kilometer voneinander entfernt liegen. Die Art ernährt sich von langsam schwimmenden Fischen und von wirbellosen Tieren, die sie in den flachen Küstengewässern und unter Seetang findet. Das Nest wird in der Regel auf einer erhöhten Position wie Felsen, Bäume oder von Menschen geschaffene Strukturen angelegt. Es kommt auch vor, dass das Nest auf dem Boden errichtet wird. Das Nest besteht meist aus Seetang, Zweigen, Knochen und wird meist mit Federn ausgepolstert. Die Nester werden häufig von der Dominikanermöwe (Larus dominicanus) und von dem Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) geplündert. Eine weitere Bedrohung sind menschliche Störungen, Ölverschmutzung, kommerzielle Fischerei, einschließlich der Verstrickung im Meeresmüll und in den Fanggeräten.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Wahlberg-Scharbe nur in Namibia, Südafrika verbreitet. Die jüngste Schätzung der Population ergab 8.700 Individuen (du Toit et al. 2002) und ist somit stabil. Die Wahlberg-Scharbe bevorzugt Flussmündungen, flache Küstengewässer, intertidale felsige Küsten, supratidale Klippen und felsige Inseln sowie an den Küsten vorgelagerte Süßwasserseen.

Ernährung

Cape Agulhas - Südafrika
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Cape Agulhas - Südafrika

Die Art ernährt sich von langsam schwimmenden Fischen und von wirbellosen Tieren, die sie in den flachen Küstengewässern und unter Seetang findet. Die Fische weisen dabei eine Länge von rund zehn Zentimeter auf. Längere Fische könnten die Wahlberg-Scharben nicht fressen, da ein Fisch immer im Ganzen verschlungen wird. Pro Tag brauchen diese Vögel etwa 250 bis 300 Gramm an Nahrung. Auf Beutezug gehen sie unter Wasser. Auch wenn sie meist in flachen Küstengewässern fischen, so sind sie doch ausgezeichnete Taucher, die durchschnittlich in Tiefen von zehn Metern jagen können. Es wurden aber auch schon Tauchtiefen von deutlich unter 20 Metern registriert. Dabei können sie über eine Minute unter Wasser verbleiben. Die durchschnittliche Tauchzeit liegt bei rund 30 bis 45 Sekunden. Bei ihren Tauchgängen setzen sie ihre kräftigen Füße als Antrieb ein und nutzen ihren Schwanz zum Steuern.

Fortpflanzung

Wahlberg-Scharben erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei bis drei Jahren. Die Brutzeit beginnt je nach Verbreitungsgebiet im März oder April und zieht sich meist bis in den Juni hin. Die Wahlberg-Scharben brüten in gemischten Seevögel-Kolonien. In der Regel legen die Wahlberg-Scharben ihre Nester auf einer erhöhten Position wie Felsen, Bäume oder von Menschen geschaffene Strukturen an. Es kommt auch vor, dass sie ihre Nester auf dem Boden errichten. Das Nest besteht meist aus Seetang, Zweigen, Knochen und wird meist mit Federn ausgepolstert. Die Nester werden häufig von der Dominikanermöwe (Larus dominicanus) und von dem Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) geplündert. Das Weibchen legt in der Regel zwei bis vier Eier. Die Eier werden über einen Zeitraum von rund 24 Tagen bebrütet. Bei Gelegeverlust sind Nachgelege durchaus die Regel. Als Nesthocker verbleiben die Küken für 47 bis 50 Tage im Nest und werden von den Eltern gefüttert. Die Flugfähigkeit wird zwar mit 60 Tagen erreicht, die Jungvögel verbleiben aber noch einige Wochen bei den Eltern. Ihr Gefieder ist überwiegend bräunlich und an der Unterseite hellbraun. Nach der ersten Mauser weisen die Jungvögel das gleiche Gefieder wie die adulten Vögel auf.

Gefährdung und Schutz

Cape Agulhas - Südafrika
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Cape Agulhas - Südafrika

Laut der Roten Liste der IUCN wird die Art wegen seiner geringen Population als gering gefährdet eingestuft und gilt bis jetzt als einigermaßen stabil. Allerdings könnte die Art in nächster Zeit einen Rückgang aufgrund menschlicher Störungen und Meeresverschmutzung verzeichnen. Sollte dies der Fall sein, müßte die Art möglicherweise in eine höhere Gefahren-Kategorie gelistet werden. Die Art bewohnt die Westküste von Südafrika. Die Brutplätze befinden sich in 48 Ortschaften von Walvis Bay in Namibia bis Cape Agulhas in Südafrika. In den Jahren von 1977 bis 1984 schätzte man etwa 2.665 Brutpaare. Die jüngste Schätzung ergab jetzt 8.700 Brutpaare. Auf 10 gut überwachten Inseln vor Südafrika ist die Population zunehmend stabil. Allerdings ist bekannt, dass die Vögel sich zwischen den Brutstätten hin- und herbewegen, und aufgrund dessen besteht die Möglichkeit einer doppelten Zählung. Die Wahlberg-Scharbe brütet in gemischten Seevögel-Kolonien und fischt in flachen Küstengewässern und in Flussmündungen. Sie ernährt sich vorwiegend von benthischen Fischen, Garnelen und von Asseln. Die Art ist für menschliche Störungen sehr empfindlich und ist zudem auch eine große Gefahr für diese Art. Infolge defekter Fischernetze, die an den Stränden bzw. an den Küsten manchmal angeschwemmt oder zurückgelassen werden, verheddern sich die Vögel in diesen Netzen und somit besteht eine hohe Sterblichkeitsrate. Von einer kürzlich großen Ölverschmutzung waren einige Kolonien betroffen. Die Kolonien auf Mercury, Ichaboe, Lüderitz Bay und Possession Islands sind teilweise geschützt, während die Kolonien auf Bird Island, West Coast National Park/Saldanha Bay Islands, Dassen Island und Robben Island vollständig geschützte Sperrgebiete sind.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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