Waldbison

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Waldbison

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Gattung: Bisons (Bison)
Art: Amerikanischer Bison (Bison bison)
Unterart: Waldbison
Wissenschaftlicher Name
Bison bison athabascae
Rhoads, 1897

Der Waldbison (Bison bison athabascae) ist eine von zwei Unterarten des Amerikanischen Bison (Bison bison) und zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Bisons (Bison). Im Englischen wird dieser Bison Wood Bison genannt. Die zweite Unterart ist der Präriebison (Bison bison bison).

Inhaltsverzeichnis

Evolution, fossile Funde

Die frühesten fossilen Funde des Bison stammen aus dem frühen Pleistozän und weisen somit ein Alter von ein bis zwei Millionen Jahren auf. Die ältesten Funde stammen aus den nördlichen Indien und dem nördlichen China. Im Laufe der Zeit breiteten sich die Bison bis nach Europa und im späten Pleistozän über eine Landbrücke bis nach Nordamerika aus. Aus dem späten Pleistozän stammen auch die ältesten in Nordamerika gefundenen Fossilien.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der ausgesprochen kompakt und kräftig gebaute Waldbison erreicht eine Körperlänge von 220 bis 380 Zentimeter (Weibchen 220 bis 318 Zentimeter), eine Schwanzlänge von 3 bis 9 Zentimeter, ein Schulterhöhe von 152 bis 186 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 1.000 Kilogramm. Weibchen bleiben allerdings etwa 10 Prozent kleiner und deutlich leichter als die Männchen. Ihr Gewicht beträgt nur rund 320 bis 545 Kg. Ansonsten weisen die Geschlechter keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Das Rekordgewicht eines Bullen wurde mit 1.724 Kilogramm ermittelt. Insgesamt bleibt der Präriebison (Bison bison bison) kleiner und leichter als der Waldbison. Der Körperbau ist besonders im vorderen Bereich sehr massig und wirkt hinten eher klein und schmächtig. Der sehr große und niedrig angeordnete Kopf mit seinem langen Bart und der Nacken- und Schultermähne verstärken diesen Eindruck. Die Hörner wirken im Verhältnis zur Kopfgröße eher klein und zeigen nach innen.

Waldbisons verfügen über ein dichtes braunes Fell, dass an einigen Körperstellen bis zu 30 Zentimeter lang sein kann. Zweimal im Jahr kommt es zu einem Fellwechsel. Das Winterfell wird im zeitigen Frühjahr abgeworfen, das Sommerfell wird im Spätherbst gewechselt. Das Fell an den Flanken weist eine Länge von etwa 2,5 Zentimeter auf, das Fell am Hinterteil und den Hüften etwa 5 bis 9 Zentimeter, im Bereich der Schultern 6,5 bis 16 Zentimeter, der Bart sogar bis zu 30 Zentimeter. Das Winterfell ist insgesamt dichter und länger. Im Winter kann der Waldbison so leicht Temperaturen von -30 Grad Celsius ertragen. Auch die Hufe sind kräftig ausgeprägt und weisen einen Durchmesser von 12 bis 13 Zentimeter auf. Das Gebiss der Waldbisons besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel 0/3, 0/1, 3/3, 3/3. Die Kühe verfügen zum Säugen des Nachwuchses über vier Zitzen. Die Milch verfügt über 8,9 Prozent Nichtkörperfett, 6,3 Prozent Proteine, 2,9 Prozent Milchzucker (Laktose), 6,3 Prozent Fett und 0,3 Prozent Calcium. Das kräftige Herz der Waldbisons sorgt im Ruhezustand mit 89 Schlägen pro Minute für die Versorgung des Körpers mit Blut und Sauerstoff. Die Körpertemperatur beträgt durchschnittlich 38,7 Grad Celsius.

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Lebensweise

Waldbisons leben außerhalb der Paarungszeit in kleinen geselligen Herden, die aus mehreren Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Männliche Jungtiere bleiben bis zu einem Alter von zwei bis drei Jahren in den Herden. Danach schließen sie sich für gewöhnlich Junggesellenherden an, die durchaus bis zu 30 Individuen umfassen können. Weibliche Jungtiere verbleiben in ihrer Geburtsherde. Ältere Bullen, meist ab einem Alter von sieben Jahren, leben einzelgängerisch und treffen nur während der Paarungszeit auf die Herden mit Weibchen. Während dieser Zeit kommt es unter den Bullen zu heftigen Rivalenkämpfen. Trotz ihrer imposanten Größe können Bison auf der Flucht kurzfristig Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen. Die durchschnittlichen Schrittgeschwindigkeit beträgt je nach Lebensraum jedoch nur zwischen 3 und 6 km/h. Waldbison sind ausgesprochen tagaktiv und ruhen während der Nacht.

Verbreitung

Waldbison kommen im Gegensatz zur Nominatform nur in einem begrenzten Gebiet in den Northwest Territories in Kanada vor. Historisch kamen die Tiere auch in weiten Teilen Alaskas vor. Hier wurden sie im 20. Jahrhundert jedoch ausgerottet. Die meisten Tiere leben heute in geschützten Nationalparks, insbesondere im Mackenzie Distrikt. Hier sind sie vor Jägern und Wilderern mehr oder weniger in Sicherheit. Waldreiche Habitate zählen zu den natürlichen Lebensräumen. Bison gelten als relativ sesshaft. Pro Tag legen Waldbison zwischen drei und fünf Kilometer auf der Nahrungssuche zurück. Nur im Winter kann es zu weiteren Wanderungen in Tallagen oder wärmeren Gegenden kommen. In ihrem natürlichen Lebenraum leben Waldbison in Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenz mit Paarhufern (Artiodactyla). Dazu gehören beispielsweise der Kanada-Wapiti (Cervus elaphus canadensis) und der Elch (Alces alces).

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Prädatoren

Ausgewachsene Waldbisons haben keine natürlichen Feinde. Dies trifft vor allem auf die stattlichen Bullen zu. Jungtiere sowie kranke und schwache Tiere fallen gelegentlich einem Rudel Wölfe (Canis lupus) zum Opfer. Im Winter deckt das Fleisch der Bison rund 65 Prozent des Nahrungsaufkommens der Wölfe.

Ernährung

Waldbison sind Wiederkäuer, die ausschließlich von Gräsern und Kräutern sowie von Flechten und ähnlichem leben. In der kalten Jahreszeit nehmen sie zusätzlich Blätter und Rinde zu sich. Weit oben auf der Speisekarte stehen Seggen (Carex) und ähnliche Gewächse.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird je nach Ernährungszustand mit zwei bis vier Jahren erreicht. Beide Geschlechter erreichen die physische Geschlechtsreife in etwa zeitgleich. Jedoch kommen die Männchen meist erst im Alter von sechs Jahren zu ihrer ersten Paarung, da sie zu diesem Zeitpunkt ausgewachsen sind und in den Rivalenkämpfen bestehen können. Die Paarung wird im Sommer vollzogen. Dies ist in den meisten Regionen von Juni bis Juli der Fall. Während der Paarungszeit kommt es zwischen den Bullen zu heftigen Kämpfen, bei denen sie mit ihren Köpfen hart zusammenstoßen. Die Hörner werden dabei als Waffen eingesetzt. Nur die stärksten Bullen kommen bei den Weibchen zum Zuge. Nach einer Tragezeit von gut 285 bis 300 Tagen bringt ein Weibchen im April oder Mai des Folgejahres lediglich ein Kalb zur Welt. Die Geburt erfolgt abseits der Gruppe an geschützter Stelle. Das Jungtier hat ein Geburtsgewicht von 15 bis 25 Kilogramm und folgt bereits kurz nach der Geburt der Mutter. Das Fell des Jungtieres weist eine dunkelbraune Färbung auf. Bereits im Alter von zwei bis drei Monaten beginnt bei den Jungtieren das erste Winterfell zu wachsen. Die Säugezeit erstreckt sich über sieben bis acht Monate. Zu diesen Zeitpunkt wiegt ein Jungtier zwischen 135 und 180 Kilogramm, mit einem Jahr bereits 225 bis 315 Kilogramm. Waldbisons können ein Alter von 12 bis 15 Jahren erreichen. In Gefangenschaft auch bis 25 bis 30 Jahre.

Gefährdung und Schutz

Um das Jahr 1900 galt der Waldbison fast als ausgerottet. Von etwa 170.000 Tiere blieben nur rund 250 Individuen am Leben. Nachdem die Tiere unter Schutz gestellt wurden, erholte sich der Waldbison bis heute auf rund 9.000. Die Bestände gelten als weitestgehend gesichert. Daher gilt die Unterart als nicht mehr als akut gefährdet. Die Hauptbedrohung geht heute von verschiedenen Krankheiten aus, die binnen kurzer Zeit große Teile der Populationen auslöschen können. Dazu gehört neben der Rinderbrucellose vor allem die Tuberkulose. Die Rinderbrucellose wird durch das Bakterium Brucella abortus ausgelöst.

Anhang

Literatur und Quellen

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