Waldkiefer

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Waldkiefer
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Systematik
Unterreich: Gefäßpflanzen (Tracheobionta)
Abteilung: Nadelholzgewächse (Coniferophyta)
Klasse: Nadelhölzer (Pinopsida)
Ordnung: Kiefernartige (Pinales)
Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)
Gattung: Kiefern (Pinus)
Art: Waldkiefer
Wissenschaftlicher Name
(Pinus sylvestris)
Linnaeus, 1753

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Waldkiefer (Pinus sylvestris), auch Gemeine Kiefer genannt, ist ein Nadelgehölz aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) und zählt zur Gattung der Kiefern (Pinus). Im Englischen wird sie Scots pine oder Scotch pine und im deutschen Volksmund auch Föhre genannt. Erstmals beschrieben wurde sie im Jahre 1753 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné.

Für das Jahr 2007 wurde die Waldkiefer zum Baum des Jahres gekürt.

Inhaltsverzeichnis

Botanik

Pflanzenbeschreibung

Die Waldkiefer wächst in aller Regel als Baum, kann aber auch als Strauch im Garten kultiviert werden, muss dann aber regelmäßig zurückgeschnitten werden. In Wäldern stehend erreicht sie oftmals eine Höhe zwischen 20 und 30 Meter, in Extremfällen sogar bis über 40 Meter. Dabei kann der Stammdurchmesser bis 120 Zentimeter betragen. Die Form des Stammes und der Krone kann regional sehr unterscheiden, oft aber wirkt die Krone zylindrisch und der Stamm ist leicht verdreht, die Krone ist in jedem Fall relativ lichtdurchlässig. Die Rinde und die Borke sind rötlich graubraun, die Borke ist sehr rissig und geschuppt. Die Nadeln des Baumes stehen zu zweit in kurzen Trieben in Büscheln, sie sind jeweils vier bis sieben Zentimeter lang, blaugrün, zugespitzt und oftmals verdreht. Sowohl auf der Oberseite, als auch auf der Unterseite weisen die Nadeln weiße Streifen auf. Sie haben eine Lebensdauer von zwei bis drei und im Gebirge bis zu sechs Jahren. Die Fortpflanzungsreife tritt je nach Standort mit fünfzehn bis vierzig Jahren ein. Während der Blütezeit zwischen Mai und Juni erscheinen eingeschlechtliche Zapfenblüten. Da die Waldkiefer einhäusig ist, gibt es an einem Baum männliche und weibliche Blüten. Die männlichen Blüten stehen am Grund diesjähriger Triebe, ihre Blütenachse ist langgestreckt und trägt drei schuppenförmige Blättchen sowie schraubenlinienartig angeordnete Staubblätter mit Pollensäcken an der Unterseite in denen sich die Pollen (der Blütenstaub) befinden. Die weiblichen Blüten stehen aufrecht und befinden sich an der Spitze junger Triebe, sie sind rötlich gefärbt. Anstatt Staubblätter findet man bei ihnen Fruchtschuppen, auch Fruchtblätter genannt, welche an der Oberseite über Samenanlagen verfügen. Die Blüten, sowohl die weiblichen, als auch die männlichen, messen fünf bis sechs Zentimeter und sind eiförmig bis kugelrund geformt. Bei der Waldkiefer findet eine Befruchtung durch den Wind statt.
Waldkiefer: Habitus
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Waldkiefer: Habitus

Aus den befruchteten Zapfenblüten entwickeln sich bis zum November des zweiten Jahres verholzte, dunklbraune bis beinahe schwarze, kurz gestielte, drei bis acht Zentimeter lange Früchte, die sogenannten Zapfen. Aus ihnen fliegt im März und April des dritten Jahres des Samen aus, die leeren Zapfen fallen später ab. Der Samen keimt nach etwa zwei Wochen. Die Waldkiefer verfügt über Pfahl- und Senkerwurzeln, welche durchschnittlich in eine Tiefe von rund zwei Metern reichen.

Die Waldkiefer erreicht ein Alter von über 500 bis 600 Jahren, im Regelfall wird sie 150 bis 300 Jahre alt.

Ökologie

Vorkommen

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Waldkiefer erstreckt sich von Spanien über ganz Europa, von Nordafrika ostwärts über ganz Kleinasien bis nach Ostasien und nach Norden hin bis nach Sibirien und in die borealen Nadelwälder Skandinaviens. Sie kommt im Hochgebirge der Alpen bis in Höhen von 2.000 Meter vor. In sehr trockenen und heißen Wäldern Südeuropas und in den warmen Gegenden des asiatischen Verbreitungsgebietes ist sie gelegentlich seltener anzutreffen als im restlichen Gebiet und wird von anderen Nadelgehölzen wie der Libanon-Zeder (Cedrus libani) abgelöst, was jedoch nicht heißen muss, dass sie mit den dort gegebenen Lebensbedinungen nicht klar kommt. Die Waldkiefer ist sehr lichtbedürftig und hat kaum Ansprüche an die Bodenzusammensetzung hinsichtlich Nährstoffe und Wasserversorgung, sie
Ansicht von Blüte und Nadeln
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Ansicht von Blüte und Nadeln
bevorzugt trockene bis mäßig feuchte, sandige Böden, benötigt aber dennoch regelmäßig Wasser. Auch in Feuchtgebieten wie Mooren ist die Waldkiefer gelegentlich aufzufinden. Von Natur aus bildet die Waldkiefer häufig Reinbestände, ist jedoch auch aufgrund früherer künstlicher Pflanzungen noch in Monokulturen zu finden. Sie kommt in unseren klimatischen Bedinungen häufig mit anderen Nadelbäumen (Coniferophyta) und Birken (Betula), aber auch mit anderen Bäumen vor.

Waldbauliche Eigenschaften, Probleme, Holz

Aufgrund der hohen Anpassungsfähigkeit, wenn diese auch nicht so stark ausgeprägt ist, wie bei der Eberesche (Sorbus aucuparia) oder anderen Bäumen, wird die Waldkiefer dennoch zurecht als Pionierbaum bezeichnet. Das heißt, sie ist eine der ersten Baumarten, die neue, noch zukünftige Waldflächen besiedeln und, wie nun bereits mehrmals erwähnt, sehr anpassungsfähig, was die Erstbesiedlung erst ermöglicht. Somit sorgen sie, wenn sie nicht als Reinkulturen ohne andere Bäume, insbesondere Laubbäume, stehen, für humösen und fruchtbareren Boden für anspruchsvollere Bäume. Viele Pionierbäume werden von den nachfolgenden Bäumen nach und nach verdrängt, weil ihnen die anderen Bäume mit der Zeit als Nährstoff- und Lichtkonkurrenten den "garaus machen", bei der Waldkiefer ist dies in der Regel nicht so, sie ist groß genug, um sich bei den meisten Bäumen durchzusetzen und kommt auch mit den wenigen verbleibenden Nährstoffen noch relativ gut zurecht. In sehr lichten und auf natürliche Art und Weise entstandene Kiefern-Monokulturen finden sich als Unterholzbewuchs beispielsweise Gemeine Haseln (Corylus avellana) oder Birken (Betula), in größeren Nadelholz-Mischwäldern findet sich die Waldkiefer häufig unter Fichten (Picea abies) wieder. Wegen der Toleranz gegenüber des Standortes wurde die Waldkiefer in den letzten Jahrhunderten, vor allem im 20. Jahrhundert, in weiten Teilen Nord-, Süd- und

Waldkiefer in einem Forst ; Ansicht der Krone
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Waldkiefer in einem Forst ; Ansicht der Krone

Ostdeutschlands großflächig angepflanzt, im Westen weniger. Größere Bestände sind hier unter anderem aus dem Siegeland oder aus den flachen Ebenen des nördlicheren Westfalens bekannt, dies macht sich bei einer Autobahnfahrt von Norden nach Süden schnell bemerkbar. Solche Reinkulturen sind zwar in gewissem Maße für die Waldkiefer "natürlich", aber nicht in solchen Ausmaßen und vor allem nicht hier in Mitteleuropa. Monokulturen sind anfällig für Insektenkalamitäten und Borkenkäferbefall, Pilzbefall, wie beispielsweise durch den Kiefernblasenrost und aufgrund der lichteren und somit gut luftdurchströmten Kronenschicht auch anfällig für Waldbrände, wie es in den Kiefernwäldern Floridas im Westen der Vereinigten Staaten (hier sind andere Arten vertreten) immer wieder klar wird. Auch können Bäume und andere Pflanzen, die wenig Säure im Boden vertragen, sich kaum mehr durchsetzen, da der Säuregrad (pH-Wert) durch die schlecht zersetzbaren Nadeln und eventuell saurem Regen des öfteren bis auf 4 (auf einer Skala von 0 bis 14, wobei 7 den Neutralpunkt darstellt) absinken kann. Eine stabile Kompination wird durch das Nach- und Zwischenpflanzen von Eichen, Buchen Eberesche erzeugt, wobei ohne menschliche Eingriffe die Kiefern durch die Buchen verträngt werden.
Das Holz ist weich, reich an Harzen, leicht und hat einen breiten, gelblich bis rötlichweiß gefärbten Splint. Der Kern des Holzes weist eine rotbraune Färbung auf. Kiefernholz ist dauerhaft und "schwindet" nur geringfügig. Verwendung findet es unter anderem für Zaunpfähle, Balken, Dachlatten, beim Fensterbau, als Rammpfähle sowie als Bau- und Möbelholz.

Alte Borke der Waldkiefer
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Alte Borke der Waldkiefer

Medizinische Anwendung

Inhaltsstoffe, verwendete Pflanzenteile

Zu den verwendeten Pflanzenteilen zählen besonders die Nadeln sowie Harze und Öle aus Nadeln und Holz. Die wirksamen Inhaltsstoffe sind verschiedene ätherische Öle (Oleum Pini, Oleum Terebinthinae, Terebinthinae und andere) die sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind sich aber im harzigen Geschmack und Geruch einen.

Anwendung

Man kann die ätherischen Öle beispielsweise als (Franz-)Branntwein erhalten. Dieser gilt als erfrischendes, durchblutungsförderndes und juckreizstillendes Hausmittel. Branntwein wird sowohl von Sportlern alsauch von bettliegerischen Personen und vielen Anderen gern verwendet und kommt bei Gelenkschmerzen zum Einsatz. Ätherische Öle und Harze aus der Kiefer werden zu Einreibungen verarbeitet und bei Erkältungskrankheiten durch Einreiben des Rückens und der Brust oder in Form von Tropfen als Inhalation verwendet. Gegen Rheuma, Gicht, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie stumpfe Verletzungen salbt man sich mit Salben, die Kiefernnadelöl enthalten, ein, dies stillt die Schmerzen zumindest ein wenig. Auch Hustenbonbons oder sogar Marmeladen werden aus jungen Nadeln hergstellt. Das Terpentin (Harz) und Terpentinöl hat einen festen Platz als Hausmittel erobert. Sowohl für die Human- alsauch für die Tiermedizin bereitet man auch daraus die verschiedensten Salben, zum Beispiel für Schrunden und Hautrisse sowie zur Unterstützung des Abheilens von Furunkeln und Erweichen von Geschwulsten. Inhalations-Präberate sind in jeder Apotheke erhältlich.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • W. Stichmann, U. Stichmann-Marny: Der Kosmos Pflanzenführer, Franckh Kosmos, ISBN 3-440-07364-5
  • W. Eisenreich, A. Handel und U. Zimmer: BLV-Handbuch Tiere und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
  • Wissen für Kinder: Wunderbare Pflanzenwelt, 2004 by Helmut Lingen GmbH und Co. KG, 50679 Köln, ohne ISBN-Nummer
  • Wald.de
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