Waldwinkelspinne

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Waldwinkelspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Agelenoidea
Familie: Trichterspinnen (Agelenidae)
Gattung: Winkelspinnen (Tegenaria)
Art: Waldwinkelspinne
Wissenschaftlicher Name
Tegenaria silvestris
(Koch, 1872)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:021291]

Die Waldwinkelspinne (Tegenaria silvestris) gehört innerhalb der Familie der Trichterspinnen (Agelenidae) zur Gattung der Winkelspinnen (Tegenaria).

Inhaltsverzeichnis

Systematik nach Norman I. Platnick

Nachdem der frühere wissenschaftliche Name der Waldwinkelspinne Tegenaria silvestris im Jahre 2005 in Malthonica silvestris von Guseinov, Marusik & Koponen geändert wurde, benannte man die hier beschriebene Art von Tegenaria silvestris in Malthonica silvestris um. Erst im Jahre 2007 wurde der wissenschaftliche Name Malthonica silvestris wieder in Tegenaria silvestris von Bolzern geändert. <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Waldwinkelspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 5 bis 6 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 6 bis 9 Millimeter. Sie ist eine der kleinsten Arten der Gattung der Winkelspinnen (Tegenaria). Die Waldwinkelspinne ist eine langbeinige, schlanke Art, bei der der Vorderkörper im Augenbereich wesentlich schmäler ist als im mittleren und hinteren Bereich. Die beiden Augenreihen sind ziemlich gerade und die Augen untereinander weitgehend gleich groß. Das Männchen und das Weibchen ähneln sich in Färbung und Zeichnung. Die Grundfarbe ist graubraun. Der Rückenschild ist graubraun mit je einem breiten, dunklen, welligen Band rechts und links der Mittellinie. Der Hinterleib ist dunkelgrau mit einer schmalen hellgelblichen Mittellinie, die von gelblichen Flecken, die dem Hinterende zu immer kleiner werden, flankiert wird. Der Brustschild weist ein nach hinten verengendes, zweimal eingeschnürtes, helles Mittelband auf, das von je drei hellen, fast gleich großen Punkten flankiert wird. Manchmal ist die Mitte des Hinterleibrückens, fast wie bei der Rostroten Winkelspinne (Tegenaria ferruginea), etwas rötlich gefärbt. Die Beine sind deutlich hell-dunkel geringelt. Die reifen Tiere sind nahezu während des ganzen Jahres anzutreffen.

Lebensweise

Die Waldwinkelspinne spannt ihr großes, dichtes Trichternetz unmittelbar über dem Boden, beispielsweise zwischen Baumwurzeln, Totholz und in Baumhöhlen, aus. Von diesem dichten Gespinst aus verlaufen nach oben mehrere Fangfäden, in denen sich die Beute verheddern soll. Die Waldwinkelspinne lebt in Gesellschaft mit der Spinnenart Lepthypantes pallidus sowie mit der Erd-Wolfspinne (Trochosa terricola) und der Waldtrichterspinne (Histopona torpida) sowie mit der Wolfspinne (Pardosa lugubris).

Verbreitung

Die Waldwinkelspinne lebt vorwiegend in Wäldern unter oder zwischen Steinen, am Boden liegenden Holzstückchen und Baumwurzeln. Daneben kommt sie auch regelmäßig im Eingangsbereich von feuchten Höhlen vor. Normalerweise hält sich die Waldwinkelspinne nicht im Siedlungsbereich auf. Vor allem trifft man sie im Bergland, gebietsweise ziemlich häufig an. Die Waldwinkelspinne ist in Europa weit verbreitet, fehlt allerdings im Norden. In Deutschland kommt sie vor allem im Mittel- und in Süddeutschland vor, wo sie häufig anzutreffen ist. Im Norden ist die Waldwinkelspinne nur spärlich zu finden.

Ernährung

Als Lauerjägerin wartet die Waldwinkelspinne auf ihre Beute und fängt sie dann mit einer raschen Bewegung. Gefangene Beutetiere werden mit einem Giftbiss getötet. Das verabreichte Gift enthält Enzyme und Eiweiße, die die Beutetiere vorverdauen. Die erstaunliche Fähigkeit der Spinne, selbst mehrere Monate ohne Nahrung zu überleben, liegt primär in ihrer relativ geringen Stoffwechselaktivität begründet. Im Herbst speichert sie vor allem Fette, daneben auch Kohlenhydrate und Proteine, die dann in den nahrungslosen Wintermonaten abgebaut werden. Bereits nach 50 Tagen Hunger sind die Kohlenhydrate um 61 Prozent, Fette um 47 Prozent und Proteine um 9 Prozent ihres Ausgangswertes reduziert.

Fortpflanzung

Die Paarung läuft ähnlich ab wie bei der Labyrinthspinne (Agelena labyrinthica). Das Männchen packt allerdings nicht das Weibchen und zerrt das Weibchen an eine andere Stelle, sondern nähert sich ihm unter heftigen Bewegungen der Taster und des Hinterleibes und führt dann in der bei der Labyrinthspinne (Agelena labyrinthica) beschriebenen Weise den ersten Taster ein. Bereits nach zwei bis drei Minuten findet der erste Tasterwechsel statt. Das Männchen steigt dabei über das Weibchen hinweg auf die andere Körperseite. In den Pausen der insgesamt mehrere Stunden dauernden Paarung sitzen die Partner friedlich nebeneinander, ohne dass es zu Angriffen durch das Weibchen kommt. Wenige Wochen nach einer erfolgreichen Paarung legt das Weibchen in einem Gespinst aus Seide ihre Eier ab. Meist sind es 40 oder 50 Eier. Das Gespinst wird aus einem gelblichen Faden ihrer Spinndrüsen gewoben. Das Gespinst wird an einer nicht einsehbaren Stelle abgelegt und befestigt. Die Eier haben eine gelbliche Färbung. Die Jungspinnen entsteigen dem Gespinst noch vor der Überwinterung. Die frühen Nymphenstadien häuten sich im Abstand von wenigen Tagen, spätere Stadien benötigen Intervalle von mehreren Wochen. Natürlich sind die Häutungsintervalle stark von der jeweiligen Ernährung abhängig. Bei gutem Nahrungsangebot häuten sich die Jungspinnen jeweils dann, wenn sich ihr Gewicht etwa verdoppelt hat.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 23. Juni 2008

Waldwinkelspinne
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Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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