Wanzen

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Wanzen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung: Wanzen
Wissenschaftlicher Name
Heteroptera
Latreille, 1810

Wanzen (Heteroptera) sind eine Unterordnung innerhalb der Schnabelkerfe (Hemiptera), die den Geflügelten Insekten (Pterygota) zugerechnet wird.

Wanzen (Verschiedenflügler, heteros = verschieden, pteron = Flügel) sind eine sehr artenreiche Unterordnung innerhalb der Insekten (Insecta). Man geht heute von rund 40.000 Arten aus, davon sind in Mitteleuropa etwa 800 bis 900 Arten anzutreffen. Die Tiere haben einen schlechten Ruf. Dieser Ruf begründet sich im wesentlichen jedoch auf nur eine einzige Art - die Bettwanze (Cimex lectularius). Neben der Artenvielfalt ist insbesondere auch die Formenvielfalt und die höchstunterschiedliche Lebensweise vieler Arten bemerkenswert. Im folgenden Artikel wird detailliert auf die Unterordnung der Wanzen eingegangen.

Inhaltsverzeichnis

Verwandtschaftsverhältnisse

Aufgrund morphologischer und anatomischer Merkmale lässt sich bei den Wanzen auf eine nähere Verwandtschaft mit Pflanzenläusen (Sternorrhyncha) und Scheidenschnäblern (Coleorrhyncha) ableiten.
Nahe Verwandte der Wanzen: Bohnenblattlaus (Aphis fabae)
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Nahe Verwandte der Wanzen: Bohnenblattlaus (Aphis fabae)
Diese Gruppen weisen vor allem im anatomischen Bauplan weitestgehend Übereinstimmungen auf. Dies trifft insbesondere auf die Mundwerkzeuge zu, die sich im Laufe der Evolution zu einem stechsaugendem Apparat umgewandelt haben. In der Literatur rechnet man auch die Zikaden (Auchenorrhyncha) zur engeren Verwandtschaft der Wanzen, jedoch haben monophyletische Untersuchungen kein Verwandtschaftsverhältnis ergeben. Als monophyletisch bezeichnet man eine gemeinsame Stammform einer Gruppe, in diesem Fall der Zikaden.

Innerhalb der Wanzen erfolgt in der Vergangenheit eine Einteilung nach ökologischen Gesichtspunkten. Man unterschied ursprünglich zwischen landlebende, im und auf dem Wasser lebende Wanzen. Diese Dreiteilung ist im wesentlichen überholt und nur noch in älterer Literatur zu finden. Heute teilt man die Wanzen in sieben Unterordnungen ein. Die Systematik der Wanzen kann jedoch keineswegs als fix angesehen werden, da sie sich noch in Revision befindet. Die heutige Einteilung erfolgt nach der Gestalt der Fühler. Man kann diese sieben Unterordnungen grob in zwei größere Gruppen einteilen. Zum einen die Gymnocerata, bei denen die Fühler frei und von oben sichtbar angebracht sind. Die Zweite Gruppe wird als Cryptocerata bezeichnet. Bei dieser Gruppe sind die Fühler verborgen und demnach nicht sichtbar.

Beschreibung

Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber)
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Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber)

Ähnlich den Schmetterlingen (Lepidoptera) und Libellen (Odonata) zeigt sich beim Körper der Wanzen eine mehr oder weniger deutlich sichtbare Dreiteilung. Im vorderen Bereich liegt der Kopf (Caput), daran schließt sich der Brustbereich mit Prothorax, Mesothorax und Metathorax an. Der Hinterleib (Abdomen) teilt sich in mehrere Abdominalsegmente.

Caput

Im Bereich des Kopfes liegen die Fühler, die Komplexaugen, die wesentlich kleineren Ocellen (Einzelaugen) sowie der Rüssel, der sich aus den Fresswerkzeugen gebildet hat. Die Fühler bestehen bei vielen Arten aus vier bis fünf Gliedern und sitzen auf einem kleinen Fühlerhöcker. Interessant ist der Aufbau des Rüssels. Er besteht in wesentlichen aus einer drei- bis viergliedrigen Röhre, die sich aus dem Labium gebildet hat. Auf der Oberseite mündet die Röhre in eine Längsrinne, die von der Oberlippe (Labrum) überlagert ist. Die Unterlippe ist beweglich gelagert und nach unten hin abknickend und stellt das Führungsrohr für die beiden Paare der feinen Stechborsten dar. Die äußeren Stechborsten bilden die Mandibeln. Die Mandibeln umgeben die beiden miteinander verfalzten Borsten der ersten Maxillen. Sie umgrenzen sowohl den Nahrungskanal als auch den etwas kleineren Speichelkanal. Der Speichelkanal ist jedoch nur bei auf dem Land lebenden Arten vorhanden. Die insgesamt vier Stechborsten weisen im basalen Teil eine Verankerung im Kopfinnern auf. Über protraktorisch und retraktorisch wirkende Muskeln sind die Borsten in ihrer Längsachse verschiebbar. Daher können die Mandibeln deutlich tiefer in eine Nahrungsquelle eindringen.

Gemeine Zierwanze (Adelphocoris lineolatus)
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Gemeine Zierwanze (Adelphocoris lineolatus)
Thorax und Abdomen

Die drei Beinpaare liegen jeweils im Prothorax, Mesothorax und Metathorax. Der Prothorax wird dorsal durch ein Halsschild (Pronotum) abgedeckt. Die Ausprägung des Pronotum ist je nach Art höchst unterschiedlich ausgeprägt. Ähnliches gilt für das Schildchen (Scutellum), das sich am Rückenteil des Mesothorax befindet. Bei vielen Arten ist das Scutellum durch die Vorderflügel flankiert. Die untere Teile des Thorax teilt sich ebenfalls in drei Segmente: das Prosternum, das Mesosternum und das Metasternum. Korrespondierend dazu heißen die seitlichen Teile des Thorax Propleurum, Mesopleurum und Metapleurum. Die Öffnung der Duftdrüse liegt lateral im Bereich des Metapleurum. Diese Duftdrüsen liegen in den ersten Entwicklungsstadien noch im Bereich des Hinterleibrückens. Die Flügel sitzen auf dem Meso- und Metathorax. Die Vorderflügel sitzen dabei gelenkig verbunden am Mesothorax. Die Beine teilen sich in Hüfte (Coxa), Schenkelring (Trochanter), Schenkel (Femur), der Schiene (Tibia) dem Fuß (Tarsus) und den daran anschließenden Krallen. Das Abdomen besteht aus elf Segmenten, die je nach Art unterschiedlich ausgestaltet sein können. Die Oberseite dieser Segmente werden als Tergite bezeichnet, die ventralen Teile heißen Sternite. Die einzelnen Tergite sind untereinander und mit den einzelnen Sterniten über sogenannte Intersegmentalhäutchen beweglich miteinander verbunden. Bei den Männchen trägt das neunte Segment den Penis sowie die Parameren (Genitalhaken). Bei den Weibchen befinden sich die äußeren Begattungsorgane zwischen dem achten und neunten Segment. Die Atemöffnungen, die auch als Stigmen bezeichnet werden, liegen ventral im Bereich des Abdomens.

Lebensweise

Die meisten Wanzen leben entweder zoophag (räuberisch), polyphag als Allesfresser oder phytophag von Pflanzensäften. Die phytophagen Arten kann man noch in monophag und oligophag unterteilen. Beide Begriffe beschreiben die Nahrungsbreite. In Ihrem Lebensraum sind Wanzen je nach Art auf Pflanzen, auf dem Boden oder auch im oder am Wasser anzutreffen. Die Bewegung durch den Lebensraum erfolgt laufend, schwimmend, springend wie beispielsweise Springwanzen (Saldidae), oder auch fliegend. Im Wasser lebende Arten kommen sowohl in Fließgewässern, in stehenden Gewässern als auch auf dem offenen Meer vor. An Land lebende Wanzen kommen an Blumen, Moosen, Flechten, Blättern und ähnlichem vor. Je nach Art und Lebensraum erfolgt die Überwinterung als Imago, als Larve oder als Ei.

Verbreitung

Wanzen kommen weltweit in allen tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen der Erde vor. Dabei wird eine Vielzahl an höchst unterschiedlichen Lebensräumen bewohnt. Die mit Abstand meisten Arten kommen in tropischen Regionen der Erde vor. Die Artenvielfalt nimmt in gemäßigten Regionen deutlich ab. Besiedelt wird sowohl das Land als auch das Wasser. Einige wenige Arten leben sogar auf dem offenen Meer. Zu diesen Vertretern gehören beispielsweise einige Arten aus der Gattung Halobates. Bevorzugt werden zumeist xerothermophile (trockene) Lebensräume, nicht wenige Arten kommen jedoch auch in hygrophile (feuchte), halophile (salzige) tyrphophile (moorige) oder auch psammophile (sandige) Lebensräume vor. Wanzen sind im allgemeinen keine Lebensraumgeneralisten. Sie bewohnen meist Lebensräume mit bestimmten Lebensraumparametern und können in andersartigen Lebensräumen nicht existieren. Ihr Vorhandensein innerhalb eines Ökosystems kann also als Indikator für ein stabiles und funktionierendes System sein.

Verteidigung, Abwehrverhalten

Wanzen verfügen im allgemeinen über spezielle Organe, die als Abwehrdrüsen ihre Funktion erfüllen. Die Drüsen liegen bei den meisten Arten im ventralen Teil des Metathorax. Über paarige rundliche oder ovale Austrittsöffnungen gelangen die übelriechenden oder giftigen Sekrete nach draußen. Meist werden die Sekrete gezielt auf einen Angreifer gespritzt. Die Austrittsöffnungen sind je nach Art weniger oder mehr leicht zu erkennen. Bei einigen Arten sind sie mit bloßem Auge jedoch nicht zu erkennen, da sie in Gelenkgruben im Bereich der Hinterhüften liegen. Einige Arten aus der Familie der Raubwanzen (Reduviidae) verfügen jedoch über keine Abwehrdrüsen. Bei den Larven sind die Abwehrdrüsen meist noch nicht voll entwickelt und liegen noch unter mehreren Tergiten im Bereich des Abdomens verborgen. Die mehr oder weniger intensiv riechenden Sekrete bestehen überwiegend aus toxisch wirkenden Aldehyden. Das Gift hat in der Regel eine paralysierende (lähmende) Wirkung. Tritt das Gift in die Tracheen eines Angreifers ein, tritt der Tod besonders schnell ein. Wanzen sind gegenüber ihrem eigenen Sekret keineswegs immun. Sie selbst würden an dem Gift sterben, wenn es in ihre Tracheen eindringen würde. Die außen liegende Körperdecke, die sogenannte Cuticula, ist jedoch sehr wiederstandsfähig und das Gift kann kaum eindringen. Schwachpunkte sind einzig und allein die Tracheen. Je nach Art wird das Gift mehr oder weniger weit und gezielt gespritzt. Die höchste Wirkung wird für gewöhnlich bei Weiten von bis zu 20 oder 30 Zentimeter erzielt. Der zum Verspritzen nötige Druck wird durch Kontraktion des Hinterleibes erzielt. Über Muskeln im eigentlichen Sinne verfügen Wanzen nicht. Eine weitere Verteidigungsmaßnahme ist das Austeilen von Stichen. Diese Stiche werden durch die Stechborsten erreicht. Diese Strategie kommt beispielsweise bei den Wasserwanzen (Nepomorpha) zum Tragen.

Prädatoren

Parasit: Raupenfliege (Cylindromyia bicolor)
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Parasit: Raupenfliege (Cylindromyia bicolor)

Trotz des giftigen Sekretes, das Wanzen absondern, stehen sie auf der Speisekarte zahlreicher Fleischfresser. Diese scheinen mehr oder weniger immun gegen das Gift zu sein. Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere einige Vögel (Aves), Lurche (Amphibia), Reptilien (Reptilia) oder Kleinsäuger. Aber auch innerhalb der Wanzen gibt es Arten, die andere Wanzenarten fressen. Ansonsten stehen Wanzen auch auf der Speisekarte zahlreicher Insekten (Insecta). Dazu gehören beispielsweise Raubfliegen (Asilidae) wie die Kleine Raubfliege (Tolmerus pyragra). Andere Insektenarten, dazu gehören zum Beispiel Raupenfliegen (Tachinidae), leben parasitär. Das Weibchen der Raupenfliege (Cylindromyia bicolor) legt ihre unreifen Eier meist einzeln in die Nähe von Wirtstieren. Die Eier weisen eine spindelförmige, leicht langgestreckte Form auf. In der Regel kommt es hierbei zu einer Superparasitierung, das heißt, ein Wirtstier wird nur von einem Parasiten befallen. Dies ist zwar die Regel, ein Wirtstier kann aber auch von mehreren Parasiten befallen sein. Der Tod tritt für das Wirtstier dann noch schneller ein. Meist parasitieren die Larven an adulten Wanzen, gelegentlich auch an Nymphen in einem späten Entwicklungsstadium. Nachdem die Larven geschlüpft sind, dringen sie meist in den Abdomen ihres Wirtstieres ein. Infolgedessen stirbt das Wirtstier nach einiger Zeit. Eine reife Larve verlässt den Körper und begibt sich zu Verpuppung in den Erdboden.

Ernährung

Die meisten Wanzenarten ernähren sich polyphag, meist jedoch phytophag von Pflanzensäften. Es gibt jedoch auch Arten, die sich räuberisch (zoophag) von Insekten (Insecta) und anderen Gliederfüßern (Arthropoda) ernähren. Die im tropischen Afrika beheimatete Zweifleck-Raubwanze (Platymeris biguttata) ernährt sich als Lauerjäger von anderen Insekten. Ein ähnliches Verhalten legt auch die einheimische Flügellose Sichelwanze (Nabis apterus) oder die Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber) an den Tag.
lebt räuberisch: Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber)
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lebt räuberisch: Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber)
Ein sich näherndes Beutetier wird angesprungen und mit einem Stich getötet. Dabei macht sie auch vor Artgenossen nicht halt. Die meisten Arten leben jedoch nur von Pflanzensäften, einige auch von Früchten. Einige Arten fressen auch die Pflanzensäfte von giftigen Pflanzen. Die Ritterwanze (Lygaeus equestris) und ihre Larven ernähren sich von toxischen Gewächsen wie die Weiße Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) und das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis). Mit ihren Mundwerkzeugen nimmt die Ritterwanze die flüssige Nahrung der Pflanzen zu sich, indem sie den Saft aus den Früchten oder den reifen und unreifen Samen der Pflanzen saugt. Die beim Saugen aufgenommenen Giftstoffe der Früchte und der Pflanzensamen machen die Ritterwanze für Fleischfresser ungenießbar. Im und auf dem Wasser lebende Wanzen sind meist Fleischfresser. Schwimmwanzen (Ilyocoris cimicoides) ernähren sich räuberisch und machen insbesondere Jagd auf Wasserflöhe, Larven anderer Insekten und andere kleine wirbellose Tiere. Ausgewachsene Schwimmwanzen fressen auch Kaulquappen und machen gelegentlich auch Jagd auf kleine Fische. Sie töten ihre Beute mit einem Stich ihres Rüssels. Die Bettwanze (Cimex lectularius) gilt als Blutsauger, die sowohl beim Menschen als auch bei Säugetieren (Mammalia) und Vögeln (Aves) Blut saugt. Die Larven aller Wanzenarten ernähren sich im Grunde ähnlich wie die Imagines, jedoch ist ihr Anteil an tierischer Nahrung in der Regel deutlich höher.

Fortpflanzung

Paarung

abweichende Kopulationshaltung: Ameisensichelwanze (Himacerus mirmicoides)
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abweichende Kopulationshaltung: Ameisensichelwanze (Himacerus mirmicoides)

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Bauweise der Wanzen, ergibt sich bei der Population eine zum Teil abweichende Kopulationshaltung. Bei der Ameisensichelwanze (Himacerus mirmicoides) umklammert das Männchen ein Weibchen mit den Beinen regelrecht und führt sein Begattungsorgan ein. Andere Wanzen wie die Rotbeinige Baumwanze (Pentatoma rufipes) oder die Gemeine Stinkwanze (Palomena prasina), beide aus der Familie der Baumwanzen (Penatomidae), berühren sich nur an den Hinterleibern und schauen dabei jeweils in eine andere Richtung (ähnlich wie bei den Schmetterlingen). Bei Rindenwanzen (Aradidae) sitzt das Männchen in Bauch-zu-Bauch-Lage zum Weibchen. Der Kopulation geht in der Regel ein Werbeverhalten voraus. Nicht so bei der berüchtigten Bettwanze (Cimex lectularius), bei der das Männchen das Weibchen regelrecht überfallt und begattet. Bei dem Männchen sitzen die Begattungsorgane ventral zwischen dem vierten und fünften Abdominalsegment. Die Samenflüssigkeit gelangt über das männliche Begattungsorgan zunächst in einen Samenvorratsbehälter (Receptaculum seminis) des Weibchen. Hier werden die Samen zunächst zwischengespeichert.

Eiablage

Je nach Art erfolgt die Ablage der Eier über einen speziellen Legeapparat, dem sogenannten Ovipositor. Mit dem Legeapparat werden die Eier einzeln in Pflanzenteile oder auch in die Erde eingestochen. Andere Arten, bei denen ein Ovipositor fehlt oder nur rudimentär vorhanden ist, erfolgt die Eiablage lose in entsprechendes Substrat. In diesen Fällen erfolgt die Eiablage schubweise in kleineren Gruppen von 20 oder auch mehr Eiern. Bei einigen Arten, insbesondere bei einigen Randwanzen (Coreidae) erfolgt die Eiablage des Weibchens auf die Flügel des Männchens. Eine Brutpflege wird bei den meisten Arten nicht betrieben. Eine der wenigen Ausnahmen bildet jedoch die Fleckige Brutwanze (Elasmucha grisea). Sie betreibt eine aufopfernde Brutpflege und schützt ihr Gelege, das durchaus 30 bis 40 Eier umfassen kann. Die Fleckige Brutwanze trägt die Larven meist auf dem Rücken umher.

Entwicklung

Im Laufe der Ontogenese durchlaufen die Larven der Wanzen in der Regel fünf Entwicklungsstadien. Der Übergang von einem Stadium zum anderen wird von einer Häutung begleitet. Da die Haut der Larven aus Chitin besteht, kann sie nicht mitwachsen. Es erfolgt also in regelmäßigen Abständen eine Häutung. Die Häutung wird dabei durch bestimmte Hormone, insbesondere von Ecdyson, ausgelöst und gesteuert. Mit jeder Häutung gleichen sich die Larven dem Aussehen der Imagines an. Im Laufe der Entwicklung von der Larve bis zum Imago wird bei den Wanzen keine vollständige Metamorphose vollzogen. Ein Puppenstadium fehlt in der Entwicklung vollständig. Wanzen gehören also zusammen mit Libellen (Odonata), Fransenflüglern (Thysanoptera), Schaben (Blattodea), Fangschrecken (Mantodea), Tarsenspinnern (Embioptera) und ähnlichem zu den Hemimetabole Insekten (Insecta). Hautflügler (Hymenoptera), Zweiflügler (Diptera), Flöhe (Siphonaptera), Netzflügler (Neuroptera) und einige andere Ordnungen gehören beispielsweise zur Gruppe der Holometabole Insekten (Insecta). Vertreter dieser Ordnungen machen in Ihrer Entwicklung eine vollständige Metamorphose durch (Larve-Puppe-Imago). Am Ende der larvalen Entwicklung steht die Imaginalhäutung, mit der Wanzen auch die Geschlechtsreife erreicht haben. Die zeitlichen Abstände zwischen zwei Entwicklungsstadien hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen sind dies natürlich die klimatischen Lebensbedingungen, zum anderen aber auch das Nahrungsangebot, die Tageslänge und ähnliches.

Wanzen können je nach Art als Imago oder als Larve überwintern. Bei den meisten Arten ist jedoch die larvale Entwicklung mit Beginn der kalten Jahreszeit abgeschlossen. Die Überwinterung erfolgt an geschützten Stellen wie beispielsweise unter Baumrinde, in der Bodenvegetation oder an ähnlichen Stellen. Es gibt jedoch auch Arten, bei denen die Eier oder die Larven überwintern. Dazu gehören insbesondere einige Arten der Weichwanzen (Miridae), bei denen die Eier überwintern. Wie Wanzen im Winter den Frost überstehen, ist abschließend noch nicht erforscht. Es ist aber davon auszugehen, dass im Blut befindliches Glyzerin und Trehalose die Eisbildung verhindern.

Systematik der Wanzen

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Heiko Bellmann: Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, 2006, Kosmos Verlag ISBN 3440107469
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X

Weblinks

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