Washingtoner Artenschutzübereinkommen

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Die Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (kurz: CITES) ist ein internationales Abkommen und gleichzeitig eine internationale Organisation mit dem Ziel, den internationalen Handel mit wildlebenden Tier- und Pflanzenarten zu kontrollieren, um das Überleben dieser Arten sicherzustellen. Damit unterliegen alle im Bestand gefährdeten oder vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenrten gesetzlichen Schutzbestimmungen und dürfen nicht ohne Weiteres gehandelt oder in Besitz genommen werden. Dies gilt nicht nur für den kommerziellen Handel, sondern auch für die Weitergabe geschützter Arten unter Privatpersonen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nach dem Ort seiner Erstunterzeichnung in Washington, D.C. am 3. März 1973 wird der Konventionstext der CITES auch Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) genannt. Das Übereinkommen wurde seitdem am 22. Juni 1979 in Bonn und am 30. April 1983 in Gaborone (Botsuana) überarbeitet und gilt mittlerweile für und in 172 Staaten der Erde. Es wurde von Deutschland am 29.5.1975 unterzeichnet und trat hier am 20.6.1976 in Kraft (Quellen: www.cites.org, www.wisia.de).

Für die Europäische Gemeinschaft (EG) bestehen wegen des Binnenmarktes verschärfte Richtlinien zur Durchsetzung des Abkommens. Diese speziellen Richtlinien sind seit dem 1.1.1984 zusätzlich in der Artenschutzverordnung der EG geregelt.

Inhalt

Das Übereinkommen regelt unter anderem den Handel mit allen geschützten Tier- und Pflanzenarten. Die Ein- und Ausfuhr der gelisteten Arten unterliegt einer strengen Kontrolle. Auch der Handel mit präparierten Tieren und Pflanzen ("ausgestopft", getrocknet) sowie Teilen davon (Samen, Wurzeln, Rhizome, Blüten, einzelne Körperteile, Eier, Feten, etc.) wird untersagt. Das Übereinkommen gilt ebenso für Produkte geschützter Tiere wie z. B. Elfenbein, Kaviar, Schildpatt, Schildkrötenpanzer, Tigerfelle, Elefantenfüße, Herbarbelege (getrocknete Pflanzen), als Lebensmittel oder Medikament sowie auch Bilder oder Schmuck, die Produkte aus geschützten Tieren oder Pflanzen enthalten.

WA-Anhänge

Das Abkommen enthält drei Anhänge:

  • Anhang I: Er listet die unmittelbar bedrohten Tier- und Pflanzenarten auf und verbietet die Ein- und Ausfuhr dieser Arten.
  • Anhang II: Hier sind alle international schutzbedürftigen Arten aufgeführt; deren Handel ist, sehr stark eingeschränkt, mit den entsprechenden Aus- und Einfuhrgenehmigungen möglich.
  • Anhang III: Dieser enthält alle Tier- und Pflanzenarten, für die in einzelnen Ländern besondere Bestimmungen gelten.

Umsetzung

Innerhalb der EU wird das Washingtoner Artenschutzabkommen mithilfe der EG-Artenschutz-Verordnung umsetzt. Grundsätzlich sind Handel und Besitz von artengeschützten Tieren und Pflanzen, bzw. mit Teilen davon und Produkten daraus verboten. Unter gewissen Voraussetzungen sind Handel und Besitz erlaubt, nämlich dann, wenn diese Tiere oder Pflanzen(teile) aus legaler Zucht/Vermehrung im eigenen Land, bzw. innerhalb der Europäischen Gemeinschaft (EG) stammen. Dazu ist es erforderlich, daß der Züchter seine geschützten Elterntiere oder Pflanzen zum Einen als legale Nachzuchten erworben hat und zum Anderen schon vor der erneuten Zucht/Vermehrung bei seiner örtlich zuständigen Artenschutzbehörde angemeldet hat. Sobald er selbst wieder Nachzuchten von diesen Elterntieren oder Pflanzen hat, ist er verpflichtet, diese Nachzuchten in einem Zuchtbuch chronologisch einzutragen und sie behördlich anzumelden.

EG-Bescheinigung
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EG-Bescheinigung
Seine Artenschutzbehörde stellt ihm nun für jedes nachgezüchtete Exemplar eine sogenannte EG-Bescheinigung aus. Nur mit dieser Bescheinigung ist der Züchter berechtigt, die von ihm vermehrten geschützten Tiere oder Pflanzen an neue Besitzer weiterzugeben. Auch den Verkauf meldet er an seine Behörde und gleichzeitig werden die Tiere oder Pflanzen unter Nennung der Käuferdaten abgemeldet. Der neue Besitzer ist verpflichtet, die Nachzuchten umgehend bei seiner zuständigen Artenschutzbehörde anzumelden (Adresse bei der Gemeindeverwaltung erfragen). Dazu legt er die mit dem Tier oder der Pflanze mitgegebene EG-Bescheinigung vor.

Gibt der Züchter ein geschütztes Tier oder eine Pflanze ohne diese Papiere an den Käufer weiter, bzw. erwirbt und hält ein Käufer ein solches Tier oder eine Pflanze ohne gültige Papiere, ist das strafbar und wird mit empfindlichen Geldstrafen oder sogar Gefängnisstrafe geahndet.

Das gilt genauso für "gefundene" Tiere oder Pflanzen. Auch Fundtiere/-pflanzen müssen bei der Behörde angemeldet werden. Die Artenschutzbehörde entscheidet dann darüber, ob der/die Findling/e beschlagnahmt und eingezogen oder beschlagnahmt und beim Finder untergestellt werden. Die Behörde kann aber auch den Fund und den Besitz dulden, das Tier/die Pflanze auf den Namen des Finders anmelden und dort belassen. In der Regel darf mit Fundtieren oder -pflanzen nicht legal weiter gezüchtet werden, d. h. eine Vermehrung muß durch Geschlechtertrennung unterbunden werden, bzw. Eier dürfen nicht ausgebrütet werden.

Für alle geschützten Tierarten, die laut EG-Artenschutzverordnung in Anhang A gelistet sind, schreibt die EG-Verordnung eine Kennzeichnung vor. Je nach Tierart muß diese Kennzeichnung unterschiedlich ausgeführt werden. In den meisten Fällen wird dem Tier von einem befähigten Tierarzt ein elektronischer Chip unter die Haut oder in die Muskulatur injeziert. Dieser Chip enthält eine spezifische Nummer, die mit einem passenden Lesegerät ausgelesen werden kann und in einen "Pass" eingetragen wird. Dieser Pass muß an der EG-Bescheinigung fixiert werden.

Fotodokumentation
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Fotodokumentation
Für geschützte Tierarten, denen von ihrer Physiologie oder Größe her kein Chip eingesetzt werden kann (z. B. bei Landschildkröten oder kleineren Papageien), muß eine andere Art der Kennzeichnung erfolgen. In dem Fall ist schon der Züchter verpflichtet, eine sogenannte Fotodokumentation anzulegen. Dazu wird die Nachzucht in bestimmten Zeitabständen auf bestimmte Weise, die exakt vorgeschrieben ist, fotografiert. Auch diese Fotos werden in eine Art "Pass" eingetragen und an der EG-Bescheinigung fixiert. Der Käufer dieses Tieres ist verpflichtet, die Fotodokumentation in bestimmten Zeitabständen zu aktualisieren und die neuen Bilder unaufgefordert bei seiner Artenschutzbehörde vorzulegen. Da die einzelnen Behörden für eine Aktualisierung oft unterschiedliche Zeitabstände fordern, erfragt man am besten rechtzeitig den Rhytmus bei seiner örtlich zuständigen Artenschutzbehörde.

Verstößt der Tierbesitzer gegen diese Bestimmungen, kann die Artenschutzbehörde die Beschlagnahme durch den Zoll als ausführende Behörde veranlassen. Auch Beschlagnahmungen bei Verstoß gegen das Einfuhrverbot oder bei illegalem Handel erfolgen in der Regel durch den Zoll (in Deutschland: Bundeszollverwaltung). Hauptbeschlagnahmegut sind bei Pflanzen u. a. Kakteen und Orchideen, bei Tieren z. B. Schnecken, Muscheln, Korallen, Reptilien, Papageienartige sowie Bekleidung und Schmuck aus Produkten geschützter Tiere, z. B. Reptilienleder, Ringe oder Armreifen mit Elfenbeineinlagen.

Vollzug

Der Vollzug des Übereinkommens erfolgt in Deutschland in der Regel durch das Bundesamt für Naturschutz (BFN; http://www.bfn.de), in Österreich durch das Umweltministerium (genaue Bezeichnung derzeit "Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft") und in der Schweiz durch das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW).

Anhang

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