Wasserjagdspinne

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Wasserjagdspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Lycosoidea
Familie: Kammspinnen (Ctenidae)
Gattung: Ancylometes
Art: Wasserjagdspinne
Wissenschaftlicher Name
Ancylometes bogotensis
(Keyserling, 1877)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:019507]

Die Wasserjagdspinne (Ancylometes bogotensis) gehört innerhalb der Familie der Kammspinnen (Ctenidae) zur Gattung Ancylometes. Im Englischen wird die Wasserjagdspinne giant fishing spider genannt.

Inhaltsverzeichnis

Systematik

Die Wasserjagdspinne zeigt eine große Ähnlichkeit mit den Arten aus den Gattungen Thalassius und Dolomedes, da die Wasserjagdspinne auch eine mediane tarsale Klaue aufweist, keine Haftpolster oder Scopula besitzt, ferner ein kleines Wohngespinst (Kinderzimmer) für die Spiderlinge webt und schließlich in einer ähnlichen wasserreichen Umgebung und unter ähnlichen Bedingungen lebt und eine ähnliche Verhaltensweise zeigt. Aufgrund dessen blieb die Systematik bis vor kurzem eher verwirrend und man platzierte die Arten aus der Gattung Ancylometes zur Familie der Raubspinnen (Pisauridae). Allerdings ordnete Lehtinen, 1967 bereits die Gattung Ancylometes der Familie der Kammspinnen (Ctenidae) zu. Diese Zuordnung wurde von Schiapelli & Gerschman, 1970 abgelehnt, aber wieder von Silva, 2003 auf der Grundlage einer Kladistik (Methode der biologischen Systematik innerhalb der Evolutionsbiologie) mit sparsamer Gewichtung analysiert und insbesondere bei dieser Art angewendet.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Wasserjagdspinne ist eine große ecribellate (verfügt über kein Cribellum und Calamistrum) nachtaktive Jagdspinne. Sie erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 21,0 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 26,0 Millimeter. Allerdings können einige Exemplare aus der Gattung Ancylometes auch eine Körperlänge von etwa 4 Zentimeter und eine Beinspannweite von etwa 20 Zentimeter erreichen. Die Wasserspinne weist ein klares ctenides Augenmuster (2-4-2) auf. Der Okular-Bereich ist ziemlich schmal. Die distalen Teile der Beine (Tarsi und Tibiae) sind mit weißlichen Härchen besetzt, während die Femora nur leicht mit weißlichen Härchen betupft sind. Die dritte tarsale Klaue ist etwas reduziert. Bei beiden Geschlechtern sind Tarsi II und IV mit 1 bis 16 kurzen Stacheln besetzt. Insgesamt sind die Beine sehr lang und die Beinformel lautet: 4123. Der Trochanter ist leicht gekerbt. Der Bereich des Kopfes ist nicht erhöht. Das Sternum ist subcircular und das Labium weist keine basale Kerbe auf und ist etwa 1,5 mal länger als breit.

Männchen: Das Prosoma weist eine braune Färbung auf und ist mit breiten seitlichen weißen Streifen besetzt. Die Augenregion ist von weißen Härchen umgeben und die langen Cheliceren sind mit weißen Härchen in der Nähe der Basis bedeckt. Das Opisthosoma und die Beine weisen eine gelblich-braune Tönung auf. Die Tibia zeigt sich mit einer gebogenen ventralen und schwarzen seitlichen Apophysis. Der Embolus ist an der Basis breit und mit abgerundeten rechteckigen membranösen Läppchen versehen. Auf den Läppchen befinden sich kleine Noppen. Der Embolus bildet einen Halbkreis und endet unterhalb in eine filiforme Spitze des Cymbium (Begattungsorgan), der mediane Teil ist im Konduktor eingebettet. Im Gegensatz zum Konduktor befindet sich an der medianen Apophysis eine interne Ausbuchtung. Die Cheliceren sind mit 3 promarginalen und 4 (3) retromarginalen Zähnchen versehen, dritte, falls vorhanden, sehr klein. Generell ist das Männchen etwas hellbrauner gefärbt als das Weibchen. Das Prosoma weist breite seitliche gelbe Streifen auf.

Weibchen: Der gesamte Körper ist gleichmäßig hellbraun getönt, die Femora sind lückenhaft bräunlich gefärbt. Die Cheliceren sind mit 3 promarginalen und 4 retromarginalen Zähnchen versehen, dritte sehr klein. Die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan (Kopulationsorgan) bei entelegynen Echten Webspinnen (Araneomorphae)) besteht aus einer medianen dreieckigen Platte und weist eine schmale prominente Verdickung auf. Die epigynale Öffnung befindet sich vorderhalb. Die Kanäle des Geschlechtsorgans sind breit und gerade und erreichen die Spermathek ventral. Die Spermathek liegt weit auseinander. Das Prosoma weist eine dunkel rotbraune Färbung auf. Dorsal gesehen ist das Prosoma oval birnenförmig und ist etwa 1,2 mal 1,4 länger als breit. In der Regel ist das Opisthosoma hellbraun getönt. Clypeus und Cheliceren sind unterhalb mit weißen Härchen bedeckt.

Lebensweise

Die Wasserjagdspinne kann etwa 30 Minuten unter Wasser bleiben. Beim Tauchen bildet sie eine glänzende Lufthülle und bleibt dabei trocken. Die glitzernde Lufthülle um den Körper ermöglicht es der Wasserjagdspinne, bei Gefahr oder bei Störung in das Wasser zu eilen und mehr als 30 Minuten untergetaucht zu bleiben. Lange war unklar, warum die Spinne unter Wasser trocken bleibt. Aufgrund dessen untersuchte eine Arbeitsgruppe von Zdenek Cerman, an der Bonner Universität die Oberflächenstruktur der Wasserjagdspinne und stellten dabei fest, dass die Haarstruktur schräg angeordnet ist und die Haare in dieselbe Richtung ragen, ferner befinden sich winzige Höcker auf den Haaren. Insgesamt entdeckten die Forscher fünf Geheimnisse des Trockenbleibens der Wasserjagdspinne:

  1. Die langen Haare der Wasserjagdspinne bilden eine recht ausladende Struktur.
  2. Die Haare sind elastisch und können so dem Druck des Wassers ausweichen.
  3. Die Haare sind so ausgerichtet, dass sich unter ihnen große Hohlräume bilden, selbst dort wo anscheinend Kontakt zum Wasser besteht, befindet sich noch immer ein dünner Schutzfilm aus Luft.
  4. Die Oberfläche jedes Haares besitzt eine noch feinere Struktur.
  5. Ganz wichtig sind die chemischen Eigenschaften des Materials selbst, es ist wasserabweisend.

Überraschend für die Forscher war es, dass sogar eine Komplexität auf der Oberfläche gefunden wurde. Bislang kannten die Forscher von den unbenetzbaren Oberflächen nur zwei Strukturebenen, manchmal auch nur eine Strukturebene, hier waren es aber gleich fünf Prinzipien.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Wasserjagdspinne befindet sich in Nicaragua, Bolivien, im Norden von El Salvador und nördlich von Honduras. Die Wasserjagdspinne ist neotropical und hält sich vorwiegend in feuchter Umgebung von Regenwäldern im Amazonasgebiet auf. So ist sie zum Beispiel in der Nähe von Teichen, kleinen Bächen oder an größeren Flußläufen zu finden. Die Wasserjagdspinne kann sich aber auch weit entfernt vom Wasser aufhalten.

Ernährung

Die Wasserjagdspinne ist eine nachtaktive Jagdspinne, d. h., sie baut kein Netz für den Beutefang. Zum Nahrungsspektrum der Wasserjagdspinne zählen unter anderem Fische (Pisces), Frösche (Ranidae), Kaulquappen und Heuschrecken wie zum Beispiel Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera). Um einen Tauchgang bei der Jagd nach Beutetieren zu vermeiden, bewegt sich die Wasserjagdspinne sehr leicht und schnell über die Wasseroberfläche. Sie kann aber auch mehr als 30 Minuten unter Wasser verweilen.

Fortpflanzung

Das Weibchen trägt den großen kugelförmigen braunen Eikokon bis kurz vor dem Schlupf der Spiderlinge in den Cheliceren. Kurz vor dem Schlupf der Spiderlinge webt das Weibchen ein kleines Wohngespinst (Kinderzimmer) für die Spiderlinge, fixiert diesen auf dem Substrat und verläßt danach den Ort. Die geschlüpften Spiderlinge halten sich bis zur ersten Häutung in diesem Wohngespinst auf. Das Wohngespinst der Spiderlinge dient gleichzeitig auch als Schutz vor den natürlichen Fressfeinden.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 18. Mai 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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