Webspinnen

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Webspinnen
Avicularia versicolor

Systematik
Abteilung: Gewebetiere (Eumetazoa)
Unterabteilung: Bilateria
Stammgruppe: Urmünder (Protostomia)
Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Unterklasse: Micrura
Ordnung: Webspinnen
Wissenschaftlicher Name
Araneae
Clerck, 1757

Die Webspinnen (Araneae) sind Gliederfüßer (Arthropoda) und bilden eine Ordnung der Spinnentiere (Arachnida). Erstmals beschrieben hat die Webspinnen Carl Alexander Clerck im Jahre 1757.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Körper ist in zwei Hauptteile gegliedert: Die harte aus Chitin bestehende Kopfbrust und der weiche Hinterleib. Die Gliederspinnen (Mesothelae) weisen noch eine urtümliche Gliederung des Hinterleibs in einzelne Segmente auf. Alle Webspinnen besitzen acht Laufbeine, zwei Kieferntaster (Palpus) und zwei Giftklauen (Chelizeren). Die meisten verfügen über acht Augen, nur wenige, zum Beispiel die Sechsaugenspinnen (Dysteridae), verfügen über sechs Augen. Die Giftklauen greifen bei fast allen Spinnen von links nach rechts zu, bei den Vogelspinnenverwandten greifen sie von oben nach unten. Bei vielen Spinnen sind die Spinnwarzen deutlich am Ende des Hinterleibs zu sehen. Die Laufbeine sind in der Regel siebengliedrig. Jedes Glied hat eine eigene Bezeichnung, vom Körper weg werden sie Coxa, Trochanter, Femur, Patella, Tibia, Metatarsus und Tarsus genannt. Auf den Beinen befinden sich feine Haare, an dessen Ende empfindliche Nervenzellen sitzen. Sie nehmen mit diesen Haaren selbst feinste Erschütterungen wahr.

Die meisten Spinnen messen wenige Millimeter bis zwei Zentimeter bei maximal wenigen Milligramm. Unsere heimischen Springspinnen (Salticidae) werden nicht mal 10 mm groß, zumeist um die 5 mm. Die größte Spinne Deutschlands ist die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus), sie erreicht bis zu 25 mm Körperlänge. Weltweit sind die größten Spinnen die Vogelspinnen (Theraphosidae). Einige von ihnen können Körperlängen von über 9 cm und ein Gewicht von bis knapp über 100 Gramm erreichen. Die Beinspannweite beträgt dann bis zu 30 cm! Die meisten Vogelspinnen werden bei einer Beinspannweite von knapp 12 cm um die 4 bis 6 cm lang. Weitere sehr große Spinnen sind die Laotische Riesenkrabbenspinne (Heteropoda maxima), sowie einige Seidenspinnen (Nephila).

Systematik

Es gibt weltweit rund 40.000 Webspinnenarten, über 1.000 davon kommen auch in Mitteleuropa vor.

Ordnung: Webspinnen (Araneae)

Unterordnung: Ecribellatae
Unterordnung: Labidognatha
Unterordnung: Mesothelae
Unterordnung: Neocribellatae
Unterordnung: Opisthothelae
Unterordnung: Orthognata

Verhalten und Fortpflanzung

Die meisten Webspinnen sind nachtaktive Boden- oder Mauerbewohner. Sie verbergen sich tags in Ritzen und Ecken von Mauern und Häusern und unter Steinen. Die Geschlechter sind oft an der Größe des Körpers, der Länge der Beine und den männlichen Bulben zu unterscheiden. Männchen besitzen ein Paar Hodenschläuche im Inneren des Hinterleibes, aber keinen Penis im eigentlichen Sinne. Zur Paarung webt das Männchen ein Sack oder eine Lache aus Seide und legt dort ein Spermienpaket ab. Von dort nimmt er die Spermien dann mit den Bulben auf, welche zur Besamung in die weibliche Geschlechtsöffnung (Epigyne) eingeführt werden müssen. Die Bulben sind das letzte Glied der Kieferntaster und sind bei Männchen dicker als bei Weibchen. Da bei Spinnen mit größeren Größenunterschieden zwischen den Geschlechtern die Weibchen oft versuchen die Männchen zu fressen, gibt es bei vielen Arten Rituale zur Besänftigung des Weibchens, wie zum Beispiel das so genannte Brautgeschenk, ein Beutetier, was dem Weibchen "geschenkt" wird, um es zu sättigen und abzulenken.

Trichternetz
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Trichternetz

Nach einer gewissen Entwicklungszeit im Muttertier werden die Eier zumeist in einen Kokon aus Spinnenseide abgelegt. Dort sind sie vor den meisten Feinden in Sicherheit und vor Pilze und Feuchtigkeit geschützt. Dieser Kokon wird oft in der Vegetation oder an einer Wand oder an einem Ast im Versteck aufgehängt. Einige Arten, wie die Wolfsspinnen (Lycosidae), tragen den Eikokon mit sich herum und beschützen diesen oder betreiben gar richtige Brutpflege, indem sie den Nachwuchs mit hervorgewürgtem ernähren. Einige Spinnenweibchen lassen sich vom Nachwuchs auffressen. Wie alle Gliederfüßer müssen sich auch die Webspinnen in regelmäßigen Abständen häuten, da die Haut nicht mit dem Körper wächst. Die Häutung ist ein hormongesteuerter Vorgang, bei dem eine Spinne im wahrsten Sinne des Wortes aus der Haut fährt. Unter der alten bildet sich eine neue Haut, ist diese reif platzt die alte Haut auf der Kopfbrust auf und die Spinne schlüpft heraus.

Verbreitung

Webspinnen finden sich auf allen Erdteilen. Sie besiedeln die unterschiedlichsten Lebensräume. Tausende Arten findet man in tropischen und subtropischen Regenwäldern. Auch in Mitteleuropa leben sehr viele, zumeist kleine Webspinnen. Sie kommen in Gärten, Mauern, Häusern, Feldern, Heiden, unter der Erde und unter Falllaub, in Wäldern, auf Bäumen und in Büschen vor. Selbst im Hochgebirge, in der Wüste und unter Wasser trifft man auf Spinnen. Einige haben sogar den Himmel erobert, sie lassen sich mittels Gleitschirm aus Seide Hunderte Meter in die Luft heben, um an andere Orte zu gelangen. Dabei schaffen es angeblich immer wieder Tiere über den atlantischen Ozean. Lediglich die polaren Klimazonen sind frei von jeglichen Spinnen.

Körperbau einer Spinne
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Körperbau einer Spinne

Beute und Beuteerwerb

Alle Webspinnen sind Räuber, sie ernähren sich also von tierischer Nahrung. Zumeist ist die Beute ein Insekt (Insecta) wie beispielsweise ein Käfer (Coleoptera). Einige große Spinnen, viele Vogelspinnen zum Beispiel erlegen auch Kleinsäuger, kleine Echsen oder Frösche. Allerdings ist die Bezeichnung "Vogel"-Spinne nicht unbedingt zutreffend, die wenigsten Vogelspinnen fangen kleine Vögel wie Kolibris und auch dass nur, in sehr wenigen Ausnahmefällen.

Um an die Beute heranzukommen, haben Spinnen die unterschiedlichsten Methoden entwickelt. Am häufigsten werden einfache Netze oder Radnetze aus Spinnenseide gesponnen. Auch Trichternetze sind sehr weit verbreitet unter den Webspinnen. Bei den Radnetzen wird in der Regel erst ein einzelner Seidenfaden von einer Anhöhe aus wegschweben gelassen, bis dieser irgendwo anders anstößt und kleben bleibt. Dann zieht sich die Spinne an die andere Seite und befestigt den Faden stärker, bevor an einer günstigen Stelle das eigentliche Radnetz gesponnen wird. Am äußeren Rand eines Radnetzes sind die Fäden angebracht, welche das Netz festhalten. Weiter zur Mitte hin werden die Abstände zwischen den Quer- und Längsfäden kleiner, so dass ein enges Netz entsteht. In der Mitte ist oft noch ein sehr dichter Kern. Geflügelte Insekten, die in das Radnetz hineingeraten, bleiben an den Seidenfäden hängen. Die Spinne holt es sich dann. Das Versteck von Radnetzspinnen liegt neben oder an dem Radnetz. Spinnen, die ein Trichternetz bauen, legen ein dicht versponnenes Geflecht aus vielen Seidenfäden vor einer Wohnhöhle an, in der Wohnhöhle selbst ist entweder eine gesponnene Röhre, eine Art Labyrinth mit mehreren Ausgängen oder die gesamte Wohnhöhle ist ausgesponnen. Eine der vielen Trichternetzspinnen ist die Große Winkelspinne (Tegenaria domestica). Eine weitere verbreitete Art der Spinnennetze sind die Röhren. Hierzu sucht oder gräbt eine röhrenbewohnende Spinne ein röhrenartiges Loch im Boden. Das Loch, die Wohnröhre, wird komplett mit Seide ausgesponnen. Rund um die Wohnröhre herum werden Warnfäden gesponnen, allerdings nicht so dicht, wie bei den Trichternetz spinnenden Arten. Zu den Röhrenbewohnern zählen unter anderen die Rote Röhrenspinne (Eresus cinnaberinus) und einige Vogelspinnen wie die Brachipelma boehmei. Des weiteren gibt es die Baldachinnetze der Baldachinspinnen (Linyphidae), welche wie ein Baldachin gebaut sind und die haubenähnlichen Haubennetze. Diese werden unter anderen von den Haubennetzspinnen (Theridiidae) gebaut. Die größten Netze spinnen die Seidenspinnen (Nephilidae). Ihre riesigen Radnetze messen je nach Art bis über 5 Meter. In diesen Netzen verfangen sich sogar kleinere Vögel, welche aber nicht von den Seidenspinnen gefressen werden. Viele Spinnen gehen auch aktiv auf Jagd. Die Kammspinnen (Phoneutria) zum Beispiel streifen aktiv durch den Regenwald und such ihre Nahrung. Ist sie nah genug an einem Insekt, springt sie nach vorne und packt das Insekt. Die in mehreren Gattungen vorkommenden Bola-Spinnen schleudern klebrige Seidenfäden nach ihrer Beute, welche an diesem kleben bleiben und herangezogen werden.

Die Fäden dienen hauptsächlich dazu, die Spinne zu informieren, wenn ein Beutetier auf das Netz tritt. Die Bewegung der Beute wird durch ein Zittern des Spinnenetzes an die Beine der Spinne übertragen, welche diese durch feine Sinneshärchen an den Gliedmaßen wahrnimmt. Die Spinne springt oder rennt blitzschnell aus ihrem Versteck heraus und fängt die Beute ein. Das Beutetier wird mit den Giftklauen (Chelizeren) festgehalten, gleichzeitig pumpt die Spinne das für die Beute tödlich Gift in das Opfer. Das Gift bewirkt eine innere Verflüssigung der Beute. Webspinnen müssen ihre Nahrung, auf Grund des zu engen Munds, flüssig zu sich nehmen, sie trinken die Beute, von welcher am Ende nur noch die Haut oder der Chitinpanzer übrig bleibt. Über 99 Prozent aller Spinnen produzieren Gift, lediglich die Arten einer Gattung, die Kräuselradnetzspinnen (Uloboridae), erlegen ihre Beute nur mit der Kraft der Klauen.

Prädatoren und Parasiten

Webspinnen haben habe eine Vielzahl von natürlichen Prädatoren. Besonders viele Echsen, Vögel, Frösche und einige insekten- und spinnenfressende Säugetiere fressen gerne Spinnen. Auch Weg- und Grabwespen fangen Spinnen für ihren Nchwuchs.

Zu den Parasiten, welche auch Webspinnen befallen, zählen vor allem einige Schlupfwespen (Ichneumonidae). Sie fangen die Spinnen, betäuben sie und legen ihre Eier in die Spinne. Diese erhohlen sich dann wider und tragen das Ei der Schlupfwespe in sich. Das Ei entwickelt sich, bis die Larve bereit zum Schlupf ist. Die Spinne dient dann als erste Nahrung. Sonstige Paasiten der Webspinnen sind unter anderen verschiedene Würmer (Fadenwürmer), Pilze und Milben (Acari).

Seide

Spinnen verwenden ihre Seidenfäden zu unterschiedlichsten Zwecken. Dazu gehören die Eikokons, Netze, Haltungs- und Sicherungsfäden und Flugfäden. Auch für das Fesseln der Beute werden die Fäden verwendet. So unterschiedlich die Einsätze der Fäden sind, so unterschiedlich ist die Seide. Je nach Verwendungszweck unterscheidet sich die Seide nach Fadendicke, Struktur und chemischer Zusammensetzung.

Gebildet wird die Seide in den Spinndrüsen am Ende des Hinterleibes. Diese Drüsen sind in Form von kleinen Hügelchen zu erkennen. Auf jedem Hügelchen befinden sich Zehntausende Spulen, aus denen der Spinnstoff herausgepresst wird. Es gibt unter den Webspinnen je nach Art und Geschlecht bis zu sieben verschiedene Typen von Spinndrüsen für die unterschiedlichen Fadentypen. Eine Kreuzspinne (Araneus) hat zum Beispiel sechs Drüsenpaare, allein drei Fadentypen werden für das Fangnetz gebraucht. Diese drei sind für Rahmen, Speichen und Klebfähigkeit des Netzes. Die anderen drei Drüsenpaare produzieren Seide für Eikokon und Sicherheitsfäden. Spinnenseide ist über zehn mal dünner als ein menschliches Haar.

Prädator: Waldeidechse
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Prädator: Waldeidechse

Generell kann man die Webspinnen unabhängig von der Systematik in zwei Gruppen einteilen: Die Ersten stellen glatte, einfarbige Klebfäden her, die Zweiten benutzen feinst wollige Kräuselfäden, welche auch farbig sein können. Im Allgemeinen besteht die Seide aus Eiweiß, das im Körper der Spinne noch flüssig ist. An der Luft erstart das Eiweiß zu feinen und dehnbaren Fäden. Spinnenseide hat erstaunliche Fähigkeiten. Sie ist elastischer als Gummi oder Nylon und reißfester als ein gleichstarker Stahlfaden. Ein 1 bis 2 Zentimeter dicker Spinnenseidefaden könnte ein vollbesetztes Passagierflugzeug in Höchstgeschwindigkeit stoppen. Der Seidenfaden einer Kreuzspinne könnte 80 Kilometer lang werden, bevor er unter seinem Eigengewicht reißen würde.

Spinnen und der Mensch

Bedrohungen

Die Hauptbedrohungen der Webspinnen sind fast immer menschlicher Herkunft. Besonders Pestizide fügen ihnen großen Schaden zu. Auch wurden einige Spinnenarten so stark dezimiert, weil sie angeblich vielen Menschen das Leben gekostet hätten, dass sie heutzutage kurz vor dem Aussterben stehen. Für viele große Spinnen, besonders für Vogelspinnen, stellt die Terraristik eine große Bedrohung dar - sie werden gefangen und der Natur entnommen, um sie in einen kleinen Glaskasten zu setzen.

"Gefährliche" Spinnen

Als gefährliche Giftspinnen werden oft Spinnen bezeichnet, dessen Gift Menschen töten könnte. Ob Spinnen als gefährlich einzustufen sind, hängt auch von der Verbreitung und der Lebensweise ab. So ist eine hochgiftige Spinne die im tiefsten Regenwald lebt wesentlich weniger gefährlich, als eine Schwarze Witwe (Ladrodectus mactans), welche auch in Gärten und Häusern vorkommt. Auch können nur vergleichsweise wenige Spinnen die menschliche Haut durchbohren. Der Begriff "gefährlich" ist in Bezug auf die Toxizität von Spinne also als relativ zu betrachten. Zu den Webspinnen mit den stärksten Giften zählen Schwarze Witwen, ihr Gift ist 15 mal stärker als das einer Klapperschlange, die Brasilianische Wanderspinne (Phoneutria nigriventer), sie ist die giftigste Spinne Südamerikas, und die wahrscheinlich giftigste Spinne der Welt ist die Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus). Bei der Atrax robustus ist das Männchen bis zu fünf mal giftiger, als das Weibchen, was für Spinnen sehr ungewöhnlich ist. Die gefährlichste Spinne Deutschlands ist der Ammen-Dornfinger (Chairacanthinum punktorium). Weibliche Ammen-Dornfinger sind, besonders in der Paarungs- und Brutzeit, sehr aggressiv und man sollte Wiesen, auf denen sie leben, in dieser Zeit nicht mehr betreten. Es ist aus Deutschland bis jetzt noch kein Todesfall bekannt worden. Die Gefährlichkeit des Dornfingers wird zunehmen, wenn sich die Spinnen weiter so ausbreiten wie bisher. Ein Biss von ihr verursacht schwere Schmerzen und kann zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen, welche auf jeden Fall behandelt werden muss. Die Schmerzen können mehrere Tage anhalten.

Anhang

Siehe auch

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

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