Weißbartpekari

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Weißbartpekari

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Nichtwiederkäuer (Nonruminantia)
Familie: Nabelschweine (Tayassuidae)
Gattung: Tayassu
Art: Weißbartpekari
Wissenschaftlicher Name
Tayassu pecari
Link, 1795

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Weißbartpekari (Tayassu pecari) zählt innerhalb der Familie der Nabelschweine (Tayassuidae) zur Gattung der Tayassu. Im Englischen wird der Weißbartpekari White-lipped Peccary genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde, Entwicklung

Die ältesten fossile Funde der Gattung Tayassu stammen aus dem späten Pleistozän und wurden in Südamerika gefunden. In Mittel- und Nordamerika sind Vertreter dieser Gattung erst ab dem Holozän nachgewiesen. Die Familie der Nabelschweine hat ihren Ursprung im Oligozön, einer Serie im auslaufenden Paläogen. Aufgrund der weltweiten Funde aus der Familie der Nabelschweine kann davon ausgegangen werden, dass die Entwicklung in der neuen Welt begann. <10>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der mittelgroße Weißbartpekari erreicht je nach Unterart eine Körperlänge von 90,5 bis 139 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 1 bis 6,5 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 16,5 bis 25 Zentimeter, eine Ohrlänge von 6,4 bis 9 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 40 bis 53 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 40 Kilogramm. Das struppige Fell weist eine dunkelbraune bis schwarzbraune Färbung auf. Im Schädelbereich zeigt sich ventrolateral und an den Lippen eine weißliche Färbung. Die Haare weisen eine Länge von 2,8 bis 11,5 Zentimeter auf. Im ersten Lebensjahr ist das Fell deutlich dunkler gefärbt. Das kräftige Gebiss verfügt über 38 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet 2/3, 1/1, 3/3, 3/3. Die Eckzähne der Männchen sind deutlich länger als bei den Weibchen. Wie bei allen Schweinen ist das Rostrum rüsselartig verlängert. Die kleinen Ohren sitzen weit hinten am Schädel und reichen nur wenig aus dem grobborstigen Fell heraus. Die Nasenspitze endet in einer typischen Rüsselscheibe, die zwei Nasenlöcher aufweist. Der Kopf ist massig und setzt sich nicht vom Körper ab. Im Gegensatz zum massigen Körper wirken die kurzen und dünnen Beine geradezu filigran. Die Füße enden in jeweils vier Zehen, wobei zwei Zehen deutlich größer sind. Die beiden kleineren Zehen weisen nur einen rudimentären Charakter auf. <1>

Lebensweise

Weißbartpekaris sind sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv. Die Hauptaktivität entfalten sie jedoch während der Dunkelheit. Sie sind durchaus gesellig und sind daher immer in kleinen Rotten zu beobachten. Sie sind nur wenig territorial und wandern nomadisch umher. Pro Tag können sie bis zu 10 Kilometer zurücklegen. Das Streifrevier einer Gruppe kann durchaus eine Größe von bis zu 200 Quadratkilometern aufweisen. Die Gruppen weisen eine gemischtgeschlechtliche Zusammensetzung auf. In der Regel umfasst eine Herde einige Dutzend, meist 50 bis 100 Individuen. Es sind jedoch auch Gruppenstärken von einigen Hundert Tieren bekannt. Bei der Orientierung im Lebensraum der Weißbartpekaris spielt der olfaktorische Sinn eine große Rolle. Er dient zum einen der Suche nach Nahrung aber auch der Erkennung der Gruppenmitglieder. Rivalisierende Gruppen begegnen sich nur selten. Die durchschnittliche Siedlungsdichte liegt in den meisten Regionen des großen Verbreitungsgebietes bei 1,6 Tieren je Quadratkilometer. <2>

Eine Rotte wird in der Regel von älteren Tieren, meist Männchen, angeführt. Ihnen folgen die Weibchen und der Nachwuchs. Am Ende der Rotte folgen dann die jüngeren Männchen. Der Zusammenhalt und die Erkennung innerhalb der Gruppe erfolgt über gegenseitiges Markieren mit einem Sekret aus Körperdrüsen. Diese Drüsen liegen im Bereich des Rückens. Sie stehen beim Markieren nahe beieinander und reiben ihre Köpfe an der Kruppe des Nachbarn. <11>

Unterarten

Verbreitung

Weißbartpekaris kommen in weiten Teilen Mittel- und Südamerikas vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Norden bis in die mexikanischen Bundesstaaten Veracruz und Oxaca, im Süden reicht es bis ins südliche Brasilien und dem nördlichen Paraguay. In El Salvador gelten die Populationen als nahezu ausgerottet. Eingeführt wurden Weißbartpekaris auf Kuba. Es werden sowohl tropische als auch subtropische Regionen besiedelt. Daher werden auch eine Vielzahl an höchst unterschiedlichen Lebensräumen besiedelt. Beliebte Lebensräume sind lichte und geschlossene Wälder, tropische Regenwälder, Buschland, Grünland und auch die Ränder von Wüsten und Savannen. In der Nähe zum Menschen sind Weißbartpekaris nicht selten auf landwirtschaftlichen Flächen zu beobachten, wo sie zum Teil erheblichen Schaden anrichten können. In den Anden kommen Weißbartpekaris in den Bergwäldern bis in Höhen von gut 1.900 Metern über NN vor. <3>

Prädatoren

Prädator: Jaguar (Panthera onca)
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Prädator: Jaguar (Panthera onca)

Zu den natürlichen Fleischfressern der Weißbartpekaris gehören der Puma (Puma concolor) und der Jaguar (Panthera onca). Ältere und geschwächte Tiere sowie Jungtiere fallen nicht selten auch einer Großen Anakonda (Eunectes murinus) zum Opfer. Das Leben in Gruppen schützt die Tiere meist vor Fleischfressern. Aber auch sonst sind Weißbartpekaris durchaus wehrhafte Tiere. Ausgewachsene Weißbartpekaris können in Gruppen selbst einem Jaguar trotzen. <4>

Ernährung

Weißbartpekaris sind Allesfresser, die sich von pflanzlicher und tierischer Kost ernähren. Zum ihrem breit gefächerten Nahrungsspektrum gehören Waldfrüchte, Knollen, Wurzeln, Sämereien, Pilze, Blätter und Früchte. An tierischer Nahrung stehen die Eier von Vögeln (Aves) und Reptilien (Reptilia) auf der Speisekarte. Ansonsten werden auch Schnecken (Gastropoda), Würmer (Lumbricidae) und zahlreiche Wirbeltiere (Vertebrata) wie Lurche (Amphibia), Eidechsen (Lacertidae), Insekten (Insecta) und Schlangen (Serpentes) gefressen. Selbst Aas wird keineswegs verschmäht. In der Nähe des Menschen sind Getreidefelder und andere Pflanzungen vor den Tieren nicht sicher. Süßkartoffeln (Ipomoea batatas), Mais (Zea mays), Bananen (Musa), Zuckerrohr (Saccharum officinarum) und Maniokpflanzen (Manihot sp.) werden dabei bevorzugt gefressen. <5>

Fortpflanzung

Weißbartpekaris erreichen die Geschlechtsreife mit knapp einem Jahr. Die Paarungszeit beginnt je nach Vorkommen zu unterschiedlichen Zeit. Bei den meisten Populationen beginnt die Paarungszeit wahrscheinlich im Frühjahr und kann sich bis in den Sommer erstrecken. In tropischen Regionen können sich die Tiere auch ganzjährig fortpflanzen. Innerhalb einer Gruppe paart sich ein Männchen mit mehreren Weibchen. Das Paarungsverhalten kann demnach als polygam bezeichnet werden. Ein Weibchen bringt nach einer durchschnittlichen Tragezeit von 156 bis 162 (158) Tagen 1 bis 4 (2) Jungtiere zur Welt. Sie weisen ein Geburtsgewicht von rund 700 Gramm auf. Kurz vor der Geburt sondert sich das Weibchen von der Gruppe ab, um den Nachwuchs im Schutze dichter Vegetation zu gebären. Die Jungtiere sind recht weit entwickelt und können der Mutter etwa einen Tag nach der Geburt folgen. Der Nachwuchs wird durchschnittlich für zwei bis drei Monate gesäugt und ist danach selbständig. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei bis zu 15 Jahren, in Gefangenschaft bis 21 Jahre. <8> <9>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Nähe des Menschen sind Weißbartpekaris keine gern gesehenen Gäste. Sie richten in weiten Teilen auf Plantagen und anderen landwirtschaftlichen Flächen große Schäden an. Sie fressen Süßkartoffeln, Bananen und andere Erzeugnisse. Die Pflanzungen werden dabei regelrecht verwüstet. Weißbartpekaris gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Nur in wenigen Regionen sind sie mittlerweile selten geworden oder völlig verschwunden. Letzteres ist beispielsweise in El Salvador der Fall. Hier scheinen Weißbartpekaris ausgestorben zu sein. Auch wenn Weißbartpekaris unter dem Verlust ihrer natürlichen Lebensräume zu leiden haben, so sind sie in der Wahl ihrer Lebensräume sehr anpassungsfähig und können jederzeit ausweichen. Ein weiteres Problem stellt die Bejagung dar. Der Mensch jagt die Tiere vor allem als Schädling und wegen des Fleisches. In Lateinamerika zählen die Tiere zu den wichtigsten Beutetieren der Indianer. <6> Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Tiere in Anhang II unter Schutz, in der Roten Liste der IUCN wird der Weißbartpekari als nicht gefährdet geführt. <7>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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