Weißbartstummelaffe

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Weißbartstummelaffe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Schlank- und Stummelaffen (Colobinae)
Gattung: Schwarz-weiße Stummelaffen (Colobus)
Art: Weißbartstummelaffe
Wissenschaftlicher Name
Colobus polykomos
Zimmermann, 1780

IUCN-Status
Least Concern (VU)

Der Weißbartstummelaffe (Colobus polykomos), oder auch Bärenstummelaffe, zählt innerhalb der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zu Gattung der Schwarz-weißen Stummelaffen (Colobus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Weißbartstummelaffe erreicht eine Körperlänge von 45 bis 70 Zentimeter. Hinzu kommt noch der sehr lange Schwanz, der je nach Geschlecht eine Länge von 60 bis 100 Zentimeter erreichen kann. Das Gewicht beträgt zwischen sieben und elf Kilogramm. Der Körperbau ist durchaus als schlank zu bezeichnen. Insgesamt bleiben Weibchen deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das Fell weist eine schwarze Grundfärbung auf, die bei Lichteinstrahlung glänzend wirkt. Das Gesicht des Weißbartstummelaffen ist weiß umrandet. Der Oberkopf sowie das lange Nacken- und Schulterfell ist gräulich bis fast weißlich gefärbt. Der lange Schwanz weist eine weiße Färbung auf und ist mit nur kurzem Fell behaart.

Die Affen leben hauptsächlich auf Bäumen, sind sehr gute Kletterer und springen in zum Teil weiten Sätzen (bis zu zehn Metern) zwischen den Bäumen umher. Bei ihren Sprüngen breiten sie Arme und Beine aus. Der Schwanz dient ihnen dabei als Steuerelement. Die Tiere leben in kleineren Gruppen, die durchaus zehn bis fünfzehn Individuen beinhalten können. Eine Gruppe besteht aus ein bis drei Männchen sowie mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Unter den Männchen herrscht eine deutliche Herrschafthierarchie. Die Weißbartstummelaffen durchstreifen Reviere, die eine Größe von zehn bis zwanzig Hektar haben können. Vor allem gegenüber anderen Gruppen wird ein Revier energisch von den Männchen verteidigt. Zu den Hauptfeinden gehören Greifvögel, große Schlangen und der Leopard. Die Bestände der Weißbartstummelaffen sind in freier Natur heute nicht akut gefährdet. In früherer Zeit wurden sie insbesondere wegen ihres Felles bejagt. In der Roten Liste des IUCN wird die Art als gering gefährdet geführt (LR, lower risk), das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Art in Anhang II unter weltweitem Schutz.

Verbreitung

Der Weißbartstummelaffe lebt in West- und Zentralafrika. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die tropischen Regenwälder von Benin, Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Liberia, Nigeria, Senegal, Sierra Leone und Togo. Streckenweise leben sie auch in Sekundär- und Galeriewäldern. Nur selten sind sie auch in reinen Savannengebieten anzutreffen. Die meiste Zeit leben sie in den Baumkronen hoher Bäume.

Nahrung

Die Weißbartstummelaffen ernähren sich überwiegend von Blüten, Blättern und jungen Trieben. Ihre Nahrung finden sie in den Baumkronen ihrer Verbreitungsgebiete. Dabei streifen sie gewöhnlich pro Tag 500 Meter umher, um ihre Nahrung zu finden. Den Erdboden betreten sie für die Nahrungssuche so gut wie nie.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife der Männchen wird mit rund vier Jahren erreicht. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife bereits mit dem zweiten Lebensjahr. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Weißbartstummelaffen über das ganze Jahr. Männchen paaren sich für gewöhnlich mit mehreren Weibchen, wobei nur das dominante Männchen einer Gruppe paarungsberechtigt ist. Nach einer Tragezeit von rund 160 bis 175 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Das Geburtsgewicht beträgt etwa 500 Gramm. Das Fell des Jungtieres ist hellgrau bis fast weißlich. Erst nach drei Monaten beginnt allmählich die Umfärbung.

Die ersten Wochen klammert sich das Junge am Bauch der Mutter. Dabei hält es sich auch an dem weißen Schultermantel fest. Ab der fünften bis sechsten Woche unternimmer das Jungtier erste kleinere Ausflüge in die nähere Umgebung. Um die Versorgung des Nachwuchses kümmern sich fast ausschließlich die Weibchen. Männchen beteilen sich kaum an der Aufzucht und die Betreuung. Die Entwöhnung beginnt ab dem zwölften Lebensmonat und endet spätestens im fünfzehnten Lebensmonat. Weißbartstummelaffen können ein Alter von 20 bis 23 Jahren erreichen. In freier Natur wird dieses Alter allerdings selten erreicht. Hier liegt es meist zwischen zwölf und fünfzehn Jahren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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