Weißflankenhase

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Weißflankenhase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Echte Hasen (Lepus)
Art: Weißflankenhase
Wissenschaftlicher Name
Lepus callotis
Wagner, 1830

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Weißflankenhase (Lepus callotis) zählt innerhalb der Familie der Familie Hasen (Leporidae) zur Gattung der Echten Hasen (Lepus). Im Englischen wird die Art White-sided Jackrabbit genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die Gattung Lepus lässt sich in der gesamten Holarktis seit dem späten Pliozän bzw. dem frühen Pleistozän nachweisen. Seit den späten Pleistozän ist die Gattung auch auf dem Vormarsch in südliche Regionen. Heute sind die Vertreter der Echten Hasen bis in den Süden Afrikas verbreitet. Fossilen Funde des Weißflankenhasen stammen aus Burnet Cave in New Mexiko. Die Funde weisen hier ein Alter von 7.100 bis 7.700 Jahre auf. Ursprünglich ordnete man diese Funde dem Antilopenhasen (Lepus alleni) zu, was sich als Trugschluss herausstellte. Andere Fossilien wurde bislang nicht gefunden (Best & Henry, 1993).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Weißflankenhase erreicht je nach Unterart unterschiedliche Maße. Lepus callotis callotis erreicht eine Gesamtlänge von 493 bis 586 (550) mm, eine Schwanzlänge von 47 bis 90 (70) mm, eine Hinterfußlänge von 118 bis 141 (131) mm, eine Ohrlänge von 108 bis 149 (126) mm, eine Jochbeinbreite von 43,8 mm sowie eine Hirnschädelbreite von 28,4 bis 32,9 (29,9) mm. Lepus callotis gaillardi erreicht eine Gesamtlänge von 432 bis 598 (542) mm, eine Schwanzlänge von 51 bis 92 (72) mm, eine Hinterfußlänge von 121 bis 139 (130) mm, eine Ohrlänge von 109 bis 133 (120) mm, eine Jochbeinbreite von 40,1 bis 44,8 (43,1) mm sowie eine Hirnschädelbreite von 28,5 bis 31,5 (29,8) mm. Das durchschnittliche Gewicht schwankt je nach Unterart und Geschlecht zwischen 2.500 und 2.700 Gramm. Männchen bleiben insgesamt ein wenig leichter als Weibchen. Das Fell weist eine ockerfarbene bis zimtbraune Färbung auf, gemischt mit schwärzlichen Haaren. Die Schwanzoberseite ist schwarz, die Schwanzunterseite ist weißlich gefärbt. Im Nacken ist median ein dunkler Streifen erkennbar. Die Gliedmaßen sind innen weißlich, außen hellbraun gefärbt. Der Kopf ist überwiegend cremig hellbraun gemischt mit schwarz gefärbt. Rund um die Augen zeigt sich ein mehr oder weniger deutlicher weißer Augenring. Ventral ist das Fell weiß gefärbt. Die langen Ohren sind mit einem feinen und kurzen Fell versehen, das gelblichbraun gefärbt ist. Die Spitzen der Ohren sind weiß. Das Winterfell der Tiere ist deutlich dunkler und auch länger als das Sommerfell. Zum Fellwechsel kommt es im Frühjahr und Spätherbst. Das Gebiss weist 28 Zähne auf, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c0/0, p3/2, m3/3 (Best & Henry, 1993).

Lebensweise

Weißflankenhasen sind überwiegend nachtaktiv. Die Tiere entwickeln zwischen 22.00h abends und 5.00h morgens die höchste Aktivität. Während der Ruhephasen halten sich die Hasen in Mulden an geschützten Stellen, den sogenannten Sassen auf. Die Mulden weisen eine durchschnittliche Länge von 37 cm, eine Breite von 18,3 cm und eine Tiefe von 6,3 cm auf. Weißflankenhasen sind nur wenig territorial, sie besiedeln jedoch ein relativ großes Areal, dass außerhalb der Paarungszeit nicht strikt verteidigt wird. Ein durchschnittliches Revier weist eine Größe von mehreren Hundert Hektar auf. Die Siedlungssichte liegt bei einem Tier je 32 Hektar. Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen zu heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen (Best & Henry, 1993).

Unterarten

Nach Best & Henry, 1993 sowie Wilson & Reeder, 2005, werden 2 Unterarten unterschieden. Dies sind:

Verbreitung

Der Weißflankenhase ist vom südlichen Mexiko bis ins nördliche Oaxaca verbreitet. In den USA kommt die Art nur im äußersten Süden von New Mexiko und Arizona vor. In Mexiko kommt die Art im Einzelnen in den Bundesstaaten Aguascalientes, Chihuahua, Durango, Guanajuato, Guerrero, Hidalgo, Jalisco, Michoacán, Morelos, México State, Oaxaca, Puebla, Querétaro, San Luis Potosí, Sonora, Tlaxcala, Veracruz und Zacatecas vor. Weißflankenhasen leben hauptsächlich im Hochland in Höhen von 1.350 bis 2.100 Meter über NN vor. Im nördlichen Puebla konnte die Art sogar bis in Höhen von 2.550 Meter über NN nachgewiesen werden (Best & Henry, 1993). Weißflankenhasen leben hauptsächlich in der grasigen Prärie. In Chihuahua wird die Bergkette Sierra Madre Occidental besiedelt, im südlichen Mexiko die trockene Hochebene. Je nach Lebensraum, der durch unterschiedlichen Pflanzenwuchs geprägt ist, sind nachstehend aufgeführte Gräser, Büsche und Bäume anzutreffen: Präriegräser der Gattung Bouteloua wie Moskitogras (Bouteloua gracilis) und Bouteloua eriopoda, Muhlenbergia torreyi, Büffelgras (Buchloe dactyloides), Lycurus phleoides, Sitanion hystrix, Sphaeralcea, Gutierrezia sarothrae, Haplopappus, Zypergräser (Cyperus), Nachtschatten (Solanum), Honig-Mesquite (Prosopis glandulosa) und Seifen-Palmlilie (Yucca elata) (Best & Henry, 1993; Villa-Ramirez & Cervantes, 2003; Flux & Angermann 1990).

Biozönose

Sympatrie

In den natürlichen Lebensräumen leben Weißflankenhasen in Lebensraum- und Nahrungskonkurrenz mit zahlreichen anderen Tieren wie Eselhasen (Lepus californicus), Tehuantepec-Hasen (Lepus flavigularis), Mexikanische Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus cunicularius),
Nahrungskonkurrent: das Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii)
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Nahrungskonkurrent: das Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii)
Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii), Florida-Waldkaninchen (Sylvilagus floridanus), Gebirgs-Taschenratten (Thomomys bottae), Seiden-Taschenmäuse (Perognathus) wie Perognathus flavus, Ord-Kängururatten (Dipodomys ordii), Amerikanische Erntemäuse (Reithrodontomys) wie Reithrodontomys fulvescens und Reithrodontomys megalotis, Peromyscus boylii, Hirschmäuse (Peromyscus maniculatus), Pinyon-Hirschmaus (Peromyscus truei), Nördliche Zwergmäuse (Baiomys taylori), Sigmodon ochrognathus, Neotoma mexicana, Hausratten (Rattus rattus), Hausmäuse (Mus musculus), Felsenziesel (Spermophilus variegatus), Mexikanische Ziesel (Spermophilus mexicanus), Fleckenziesel (Spermophilus spilosoma), Wüstenspitzmäuse (Notiosorex) wie Notiosorex crawfordi, Schwarzschwanz-Präriehunde (Cynomys ludovicianus), Mexikanische Präriehunde (Cynomys mexicanus), Taschenratten (Geomyidae) wie Chaetodipus penicillatus, Chaetodipus hispidus, Fahnenschwanz-Kängururatten (Dipodomys spectabilis), Nelsons Kängururatten (Dipodomys nelsoni), Stacheltaschenmäuse (Liomys), Reithrodontomys montanus, Grashüpfermäuse (Onychomys) wie Onychomys leucogaster, Baumwollratten (Sigmodon hispidus), Amerikanische Buschratten (Neotoma) wie Neotoma micropus, Silberdachse (Taxidea taxus), Streifenskunks (Mephitis mephitis), Haubenskunks (Mephitis macroura), Westliche Ferkelskunks (Conepatus mesoleucus), Gabelböcke (Antilocapra americana), Amerikanische Bisons (Bison bison) und Dickhornschafe (Ovis canadensis) (Best & Henry, 1993).

Prädatoren

Prädator: der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis)
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Prädator: der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis)

Zu den natürlichen Feinden der Weißflankenhasen zählen vor allem Kojoten (Canis latrans), Großohr-Kitfüchse (Vulpes macrotis), Langschwanzwiesel (Mustela frenata), Rotluchse (Lynx rufus), Steinadler (Aquila chrysaetos), Kornweihen (Circus cyaneus), Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis), Präriebussarde (Buteo swainsoni) und Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Einziger Schutz vor natürlichen Feinden ist die schnelle Flucht und die Nachtaktivität der Weißflankenhasen (Best & Henry, 1993).

Krankheiten und Parasiten

Staphylokokken wie Staphylococcus aureus und Streptococcus pneumoniae, die zu den Bakterien (Bacteria) gehören, sind weit verbreitet und können zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Lungenentzündung und ähnlichem führen. Bakterien der Gattung Pseudomonas führen Infektion von Wunden, Erkrankungen der Atem- und Harnwegen sowie zur Lungenentzündung (Best & Henry, 1993). Darüber hinaus kommen bei den Weißflankenhasen zahlreiche Bandwürmer (Cestoda), Fadenwürmer (Nematoda), Milben (Acari, Acarida), Zecken (Ixodida) und Flöhe (Siphonaptera) vor, auf die jedoch nicht weiter eingegangen wird.

Ernährung

Weißflankenhasen ernähren sich als Pflanzenfresser fast ausschließlich von Gräsern, Raublattgewächsen (Boraginaceae), Wegeriche (Plantago) und ähnliche Gewächse. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt in der Dämmerung oder in der Nacht (Best & Henry, 1993).

Fortpflanzung

Weißflankenhasen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 7 bis 11 Monaten. Zur ersten Paarung kommt es mit Beginn des zweiten Lebensjahres. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten von Mitte April bis in den Mitte Oktober hinein. Mit beginnender Paarungszeit schwellen die Hoden (Testes) der Männchen an. Nach einer Tragezeit von 42 Tagen bringt ein Weibchen 1 bis 4 (2,2) Jungtiere zur Welt. Weißflankenhasen sind polyöstrische Tiere, das heißt, es treten mehrere Zyklen pro Jahr auf. In der Regel kommt es zu 2 bis 3 Würfen in einer Saison. Die Jungen sind bei der Geburt weit entwickelt und gelten als Nestflüchter. Das Fell ist voll entwickelt und die Augen und Ohren sind geöffnet. Gegen Ende der ersten Lebenswoche ist das Gebiss voll entwickelt. Die Säugezeit endet im Alter von etwa 3 Wochen (Best & Henry, 1993).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In den meisten Regionen kommen Weißflankenhase mehr oder weniger häufig vor. Dennoch steht die Art mittlerweile auf der Vorwarnliste. In der Roten Liste der IUCN wird der Weißflankenhase in der Kategorie NT, Near Threatened, geführt. In einigen Regionen, insbesondere in Chihuahua, werden die Tiere vom Menschen wegen des Fleisches gejagt. Die Hauptgefahren gehen jedoch von der Vernichtung und Zersiedelung der natürlichen Lebensräume aus. Die Nahrungskonkurrenz zu anderen Tieren wie dem Eselhasen (Lepus californicus) kann lokal eine große Rolle spielen (Best & Henry, 1993).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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