Weißohropossum

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Weißohropossum

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Ordnung: Beutelrattenartige (Didelphimorphia)
Familie: Beutelratten (Didelphidae)
Gattung: Opossums (Didelphis)
Art: Weißohropossum
Wissenschaftlicher Name
Didelphis albiventris
Lund, 1840

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Weißohropossum (Didelphis albiventris) zählt innerhalb der Familie der Beutelratten (Didelphidae) zur Gattung der Opossums (Didelphis). Im Englischen wird die Art White-eared Opossum genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Smith, 2007).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung, ähnliche Arten

Das Weißohropossum ist weit verbreitet und überall häufig anzutreffen. Die Art kann mit dem Großohropossum (Didelphis aurita) verwechselt werden, jedoch ist das Weißohropossum ein wenig größer und heller gefärbt. Das Großohropossum besiedelt zudem nur feuchte Lebensräume und eine Toleranz zu gestörten Lebensräumen oder gegenüber dem Menschen ist nicht gegeben (Smith, 2007).

Beschreibung

Aussehen, Maße

Das Weißohropossum ist ein großes, robust gebautes Beuteltier. Das Fell ist dicht und wirkt struppig. Das Rückenhaar ist dabei deutlich länger, die langen Schutzhaare weisen eine weißliche Färbung auf. Basal ist das Fell meist blasser und gräulicher. Auch ventral zeigt sich eine insgesamt blassere Färbung. Der Kopf ist leicht dreieckig, die Schnauze ist spitz zulaufend und die großen Ohren sind leicht gerundet. Der Kopf ist meist weiß und zentral durch einen spitz zulaufenden schwarzen Streifen markant gekennzeichnet. Medial zeigen sich schwarze Flecken um die Augen. Die nackte Nasenspitze ist rosa und die Augen sind braun gefärbt. Der kräftige Greifschwanz, der in etwa die Länge des Körpers erreicht, ist bis zur Schwanzspitze hin nackt. Nur am Schwanzansatz zeigt sich eine schwärzliche Färbung. Die nackten Teile des Schwanzes sind basal schwarz, distal weißlich gefärbt. Weibchen verfügen über einen Beutel, in dem sich auch die 13 Milchdrüsen befinden. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 70 cm, eine Schwanzlänge von 31,5 cm, eine Hinterfußlänge von 5,0 bis 5,1 cm, eine Ohrlänge von 5,5 bis 5,7 (5,6) cm, eine Schädellänge von 98,3 mm, eine Condylobasallänge von 88,3 mm, eine Jochbeinbreite von 54 mm, eine Hirnschädelbreite von 27,3 mm und ein Gewicht von etwa 1.000 g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 65,6 bis 70,5 (65,0) cm, eine Schwanzlänge von 30,5 bis 33,9 (32,2) cm, eine Hinterfußlänge von 4,5 bis 4,8 (4,65) cm, eine Ohrlänge von 5,2 bis 6,0 (5,6) cm, eine Schädellänge von 86,4 bis 95,5 (91,0) mm, eine Condylobasallänge von 80,4 bis 87,0 (83,7 mm, eine Jochbeinbreite von 45,5 bis 49,3 (47,4) mm, eine Hirnschädelbreite von 26,1 bis 27,6 (26,9) mm und ein Gewicht von etwa 995 bis 1.000 g. Der Schädel ist robust gebaut und endet in einer langen, breiten Schnauze. Der sagittale und lamboidale Kamm sind bei adulten Tieren gut entwickelt. Das Gebiss besteht aus 50 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i5/4, c1/1, p3/3, m4/4 (Smith, 2007).

Lebensweise

Weißohropossums leben überwiegend einzelgängerisch und sind allgemein nachtaktiv. Trotz der dünnen Beine sind die Tiere gute, agile und schnelle Läufer, beim Klettern dient der Schwanz als Greifinstrument. Weißohropossums sind daher in jeder Ebene des Waldes anzutreffen. Kurze Strecken können auch im Wasser durch Schwimmen überwunden werden. Weißohropossums sind nicht streng territorial und legen eine eher nomadische Lebensweise an den Tag. Ein Streifrevier weist eine Große von bis zu 5 ha auf. Je nach Lebensraumqualität sind Reviere in einer Größe von mehreren Tausend m² die Regel. Die Reviere mehrerer Individuen können sich überschneiden. Die Ruhephasen am Tage verbringen die Tiere meist in Hohlen Baumstämmen, tieferen Erdmulden oder an ähnlich geschützten Stellen. Die Aktivitäten beginnen mit Sonnenuntergang. Groomingverhalten ist insbesondere bei Jungtieren und subadulten Tieren zu beobachten (Smith, 2007).

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist in Südamerika östlich der Anden vom nördlichen Brasilien bis ins zentrale Argentinien verbreitet. Das Weißohropossum kommt im Einzelnen in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay vor. Die Tiere besiedeln als Generalisten eine Vielzahl an Lebensräumen wie Wiesenlandschaften, Buschland, Chaparrals, Regenwälder, Höhenlagen und Ebenen. Aber auch gestörte Lebensräume werden toleriert und landwirtschaftliche Flächen gerne besiedelt. In Höhenlagen ist die Art bis in Höhen von 1.900 m über NN nachgewiesen (Smith, 2007; IUCN, 2014).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden zählen vor allem Katzen (Felidae), Füchse (Vulpes), der Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus), Greifvögel (Falconiformes) wie Bussarde (Buteo) und Eulen (Strigiformes) wie die Schleiereule (Tyto alba). Aber auch Schlangen (Serpentes) wie die Gelbe Anakonda (Eunectes notaeus) und die Abgottschlange (Boa constrictor) stellen den Tieren nach. Lokal kommen auch zahlreiche Individuen im Straßenverkehr oder durch andere anthropogene Ursachen ums Leben. Dies können beispielsweise auch Stromstöße von Stromleitungen sein. Zu den nachgewiesenen Ektoparasiten zählen unter anderem Flöhe (Siphonaptera) und Milben (Acari, Acarida). Auch zahlreiche Endoparasiten wie Fadenwürmer (Nematoden) und Saugwürmer (Trematoda) sind nachgewiesen (Smith, 2007).

Ernährung

Weißohropossums sind opportunistische Allesfresser. Die Tiere greifen demnach auf eine breite Palette an Nahrungsquellen zu. Dazu gehören neben tierischer Kost wie wirbellose Tiere wie Insekten (Insecta), Vögel (Aves), Reptilien (Reptilia) und kleine Säugetiere (Mammalia) auch Früchte, Blätter, Gräser und Sämereien. Die Art der Nahrung variiert dabei je nach Jahreszeit. Beutetiere, insbesondere Insekten, werden hauptsächlich aus dem Laubstreu abgesammelt. In geringen Mengen werde auch Fische gefressen. An wirbellosen Beutetieren stehen besonders Käfer (Coleoptera), Weberknechte (Opiliones), Schaben (Blattodea), Doppelfüßer (Diplopoda), Lungenschnecken (Pulmonata), Hautflügler (Hymenoptera), Asseln (Isopoda), die Larven von Schmetterlingen (Lepidoptera), Zehnfußkrebse (Decapoda), Geradflügler (Orthoptera) und Schnabelkerfe (Hemiptera) auf der Speisekarte. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend in der Dunkelheit (Smith, 2007).

Fortpflanzung

In den meisten Regionen erstreckt sich die Paarungszeit von August bis in den Februar hinein. Dies entspricht in etwa der Regenzeit. nach einer kurzen Tragezeit von 12 bis 14 Tage bringt ein Weibchen 4 bis 13 Jungtiere zur Welt, die selbständig in den Beutel der Mutter kriechen. Bei der Geburt weisen die Jungen eine Länge von rund 15 mm auf. Ab dem 2. Lebensmonat halten sich die Jungen auf dem Rücken der Mutter auf. Die Entwöhnung erfolgt nach 3 bis 4 Monaten. Geschlechtsreife wird nach 7,5 bis 9 Monaten erreicht. Die Lebenserwartung liegt in freier Wildbahn bei kaum 2 Jahren (Smith, 2007).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Weißohropossum gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten und wird in der Roten Liste der IUCN daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt (IUCN, 2014). Die Art ist auch in gestörten Lebensräumen und in unmittelbarer Nähe zum Menschen anzutreffen. Selbst menschliche Behausungen werden nicht gemieden. Es ist davon auszugehen, dass die Art ihren Lebensraum und das Verbreitungsgebiet aufgrund menschlicher Aktivitäten ausweiten konnte. Von Menschen werden die Tiere auf landwirtschaftlichen Flächen und in Gärten als Schädling betrachtet. Sie töten Hühner, andere Vögel und stehlen deren Eier. Lokal werden Weißohropossums daher verfolgt. Indigene Völker, insbesondere in Argentinien, schätzen das weiße Fleisch der Weißohropossums. Auch heilende Eigenschaften werden dem Fleisch zugeschrieben. Das Fett der Tiere dient der vermeintlichen Heilung von Hämorrhoiden. Salbe aus dem Fett dient zur Behandlung von Arthritis (entzündliche Gelenk­erkrankungen), Arthrose (Gelenkverschleiß), Osteoporose (Knochenschwund), Rückenschmerzen, Rheuma und Verstauchungen. Lokal werden aus den Fellen der Tiere Mäntel gefertigt (Smith, 2007).

Weißohropossums gelten als Träger und Überträger zahlreicher Krankheiten, die auch auf den Menschen übertragen werden können. Dies sind die Chagas-Krankheit, die Leishmaniose, die Parakokzidioidomykose, das Rocky-Mountain-Fleckfieber und die Leptospirose. Der Erreger der Chagas-Krankheit, einer infektiösen Erkrankung und Parasitose, ist Trypanosoma cruzi, der durch Raubwanzen (Reduviidae) übertragen wird. Unbehandelt führt die Chagas-Krankheit in 10% der Fälle zum Tode. Eine Leishmaniose ist eine Infektionserkrankung, die durch Parasiten der Gattung Leishmania wird. Das Rocky-Mountain-Fleckfieber wird durch Bakterien der Gattung Rickettsia. Die Übertragung erfolgt durch parasitäre Schildzecken (Ixodidae) der Gattungen Amblyomma und Dermacentor. Auch diese Erkrankung verläuft ohne schnelle Behandlung häufig tödlich (Smith, 2007).

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge