Weißschwanz-Antilopenziesel

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Weißschwanz-Antilopenziesel

Systematik
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Antilopenziesel (Ammospermophilus)
Art: Weißschwanz-Antilopenziesel
Wissenschaftlicher Name
Ammospermophilus leucurus
Merriam, 1889

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Weißschwanz-Antilopenziesel (Ammospermophilus leucurus) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Antilopenziesel (Ammospermophilus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Weißschwanz-Antilopenziesel erreicht eine Körperlänge von 18 bis 23 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 4 bis 9 Zentimeter sowie ein Gewicht von 100 bis 110 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Der Körper ist ausgesprochen schlank. Die Tatsache wird durch den ausgesprochen langen Hals noch unterstrichen. Der Schwanz ist buschig und weist eine deutlich dunklere Färbung als das restliche Fell auf. Die kleinen Ohren liegen weit hinten am Kopf und weisen eine rundliche Form auf. Die sehr großen Augen sind von einem weißlichen Augenring umrandet.

Das Fell weist jahreszeitlich eine unterschiedliche Färbung auf, im Sommer ist es überwiegend graubraun gefärbt und wirkt vor allem auf dem Rücken sehr grob. Es kann zudem bei Gefahr oder Erregung dorsal aufgestellt werden. In der Regel liegt es aber glatt an. Im Winter ist das Fell insgesamt etwas länger und weicher. Es ist im Winter deutlich grauer gefärbt. Das Fell der Bauchseite ist in jeder Jahreszeit deutlich heller und ist meist weißlich gefärbt. Markantes Merkmal sind zwei Längsstreifen auf dem Rücken, die eine weißliche Färbung aufweisen. Die Extremitäten sind gut entwickelt und ausgesprochen lang. Mit den Vorderfüßen kann der Weißschwanz-Antilopenziesel Nahrung greifen und zum Maul führen. Die langen Zehen enden in kräftige Krallen. Die Fußsohlen der Weißschwanz-Antilopenziesel sind mit Fell versehen. Dies stellt eine Anpassung an die wüstenartigen Lebensräume dar. Zum Säugen des Nachwuchses verfügt das Weibchen über zehn Zitzen.

Lebensweise

Weißschwanz-Antilopenziesel sind tagaktiv und leben einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Für das Überleben in der Sonora-Wüste oder ähnlichen Lebensräumen waren umfangreiche Anpassungen notwendig. Zum einen die bereits erwähnte Behaarung der Fußsohlen, und zum anderen regulieren die Weißschwanz-Antilopenziesel ihre Körpertemperatur über den Speichelfluss. Dies wirkt sich kühlend auf den Organismus aus. Mit diesen Anpassungen können sie selbst während der heißen Mittagszeit aktiv sein. Aufgrund der warmen Lebensräume wird keine Winterruhe abgehalten. Daher müssen sie sich auch keine Fettschicht anfressen. Weißschwanz-Antilopenziesel leben fast ausschließlich am Boden. Dennoch gelten sie als durchaus gute Kletterer.

Weißschwanz-Antilopenziesel leben in unterirdischen Bauten, die sie in der Regel selber graben, selten auch von anderen Tieren übernehmen. Die Reviere umfassen in der Regel eine Größe von zwei bis sechs, selten auch mehr Hektar. Die Reviere der Männchen und Weibchen überschneiden sich. Innerhalb eines Reviers werden zumeist mehrere Erdbauten unterhalten, sie entstehen in der Regel an geschützter Stelle unter Sträuchern oder unter Steinen. Nur selten graben sie ihre Bauten in offenem Gelände. Im Inneren einer Behausung befindet sich ein Wohnkessel, der in der Regel mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert ist. Zum Fellwechsel kommt es im Frühjahr und im Herbst. Dies ist eine Anpassung an kühlere Jahreszeiten.

vergrößern

Unterarten

Verbreitung

Der Weißschwanz-Antilopenziesel ist im Südwesten der USA, insbesondere in Arizona, Kalifornien, Utah, Nevada, Oregon und New Mexiko sowie in Baja California (Mexiko) verbreitet. Die Tiere bevorzugen ausgesprochen trockene Wüsten und wüstenartige Habitate. Steiniger und felsiger Untergrund in Verbindung mit einer sandigen Erdfläche bieten den Tieren ausreichend Schutz und Platz für ihre Erdbauten, die in lockerem Erdboden errichtet werden. Gelegentlich werden auch Erdbauten anderer Tiere übernommen. In Höhenlagen sind sie bis in Höhen von etwa mehr als 1.000 Metern anzutreffen. Auf Wasser sind Weißschwanz-Antilopenziesel so gut wie nicht angewiesen, sie stillen ihren Wasserbedarf über die Nahrung.

Prädatoren

Zu den zahlreichen natürlichen Fressfeinden der Weißschwanz-Antilopenziesel gehören insbesondere Falken (Falco), Eulen (Strigiformes), Wiesel (Mustela), Kitfüchse (Vulpes velox), Silberdachse (Taxidea taxus) , Rotluchse (Lynx rufus), Kojoten (Canis latrans) sowie verschiedenste Schlangen (Serpentes). Weißschwanz-Antilopenziesel haben einem Feind kaum etwas entgegenzusetzen. Daher suchen sie ihr Heil in der Flucht. Meist flüchten sie dabei in ihre Erdbauten.

Ernährung

Weißschwanz-Antilopenziesel gelten als Allesfresser und ernähren sich hauptsächlich von Sämereien, Gräsern und Kräutern, Wurzeln und Knollen und Früchten. Hier und da stehen auch Aas, wirbellose Tiere wie Insekten und deren Larven auf dem Speiseplan. Hauptnahrung ist allerdings pflanzliche Kost. Aas wird ebenfalls nicht verschmäht. Bei der Nahrungssuche wird nicht immer alles gleich gefressen, sondern in den ausladenden Backenbeuteln gespeichert und an geschützten Plätzen deponiert. Gefressen wird die Nahrung dann später. Saisonal kann sich die Nahrung unterschiedlich zusammensetzen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen die Weißschwanz-Antilopenziesel mit zehn bis zwölf Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Lebensräumen je nach Verbreitungsgebiet über das Frühjahr und den Frühsommer, meist von Februar bis Juni. Pro Saison kommt es in der Regel nur zu einem Wurf, allenfalls in südlichen Verbreitungsgebieten kann es zu einem zweiten Wurf kommen. Die Geschlechter trennen sich unmittelbar nach der Paarung. Die Aufzucht des Nachwuchses obliegt alleine dem Weibchen.

Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 30 bis 35 Tagen bringt das Weibchen zwischen fünf und zehn, selten auch mehr Jungtiere in ihrem Erdbau zur Welt. Der Wohnkessel wurde vorher mit weichen Pflanzenteilen und Tierhaaren ausgepolstert. Sie sind bei der Geburt noch nackt, taub und blind, das Geburtsgewicht liegt bei etwa vier Gramm. Ab der zweiten Lebenswoche beginnt das Fell zu wachsen. In der vierten oder fünften Woche öffnen sich ihre Augen und Ohren. Zu diesem Zeitpunkt ist auch das Fell voll entwickelt.
vergrößern
Die Schneidezähne brechen ab der fünften Lebenswoche durch. Die Säugezeit erstreckt sich über knapp zwei Monate. Im Alter von gut acht Monaten sind die Tiere ausgewachsen und kurz danach geschlechtsreif. Die Lebenserwartung in Freiheit dürfte aufgrund der zahlreichen Fressfeinde bei etwa vier Jahren liegen. In Gefangenschaft liegt die Lebenserwartung bei bis zu 10 Jahren.

Ökologie

Weißschwanz-Antilopenziesel spielen in ihrem Lebensraum als Samenverbreiter eine große Rolle. Durch ihre angelegten Nahrungsvorräte wird die Verbreitung von Sämereien sichergestellt. Auf der anderen Seite gelten die Tiere auf landwirtschaftlichen Flächen als Plage, da sie auf Feldern gelegentlich kleinere Schäden anrichten. Der entstandene Schaden ist allerdings selten und nur sehr gering. Der Weißschwanz-Antilopenziesel gilt in allen Verbreitungsgebieten als nur wenig gefährdet. Demzufolge wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge