Weißschwanzgnu

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Weißschwanzgnu

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia
Familie: Hornträger (Bovidae)
Gattung: Gnus (Connochaetes)
Art: Weißschwanzgnu
Wissenschaftlicher Name
Connochaetes gnou
Zimmermann, 1780

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Weißschwanzgnu (Connochaetes gnou) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Kuhstärlinge der Gnus (Connochaetes).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Weißschwanzgnu erreicht eine Körperlänge von 170 bis 215 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 90 bis 120 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 80 bis 100 Zentimeter sowie ein Gewicht von 120 bis 180 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das dichte Fell der Weißschwanzgnus ist überwiegend dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Der lange Schwanz, der fast bis zum Boden reicht, weist eine weißliche Färbung auf. Männchen sind meist etwas dunkler gefärbt. Saisonal kann die Fellfärbung variieren. In den Sommermonaten ist das Fell grundsätzlich etwas heller. Im Nackenbereich zeigt sich eine Mähne, die eine stehende Form aufweist, im Kinnbereich hat das Weißschwanzgnu einen langen schwarzen Bart. Die Mähne fällt beim Männchen etwas kräftiger aus. Im Bereich zwischen den Vorderbeinen ist das Fell stark verlängert. Anders als das Streifengnu, verfügen die Weißschwanzgnus über deutlich verlängerte und stehende Haare auf dem Nasenrücken. Die Männchen verfügen über ausladende und nach hinten geschwungene Hörner, die eine Länge von 70 bis 80 Zentimeter erreichen können. Auch die Weibchen verfügen über Hörner, jedoch fallen sie deutlich kleiner aus.

Verhalten

Weißschwanzgnus leben in Herden, die in den Reservaten und Nationalparks zumeist eine Stärke von 10 bis 30 Individuen aufweisen. Eine Herde setzt sich aus Weibchen und deren Nachwuchs zusammen. Angeführt wird eine Herde von einer dominanten Leitkuh. Geschlechtsreife Jungböcke leben in sogenannten Junggesellengruppen. Ältere Böcke leben einzelgängerisch und sind ausgesprochen territorial. Während der Paarungszeit durchstreifen die Weibchen mit ihren Herden die Territorien der Männchen. Hier kommt es dann zu den Paarungen.

Verbreitung

Weißschwanzgnus waren in der Vergangenheit in weiten Teilen Südafrikas heimisch. Heute leben sie nur noch in einem kleinen Bereich. Weite Steppen und Buschsavannen bilden den natürlichen Lebensraum. Auch die Ränder von lichten Wäldern werden durchaus gerne aufgesucht. Während der Regenzeit kommt es regelmäßig zu großen Wanderungen mit zum Teil tausenden Tieren.

Ernährung

Weißschwanzgnus sind reine Vegetarier und ernähren sich hauptsächlich Laub und junge Triebe von Büschen und Bäumen. Gelegentlich wird auch Rinde gefressen. Sie sind auf Trinkwasser angewiesen, können allerdings mehrere Tage ohne Wasser auskommen. Auf Nahrungssuche gehen Gnus meist in den frühen Morgen- und Abendstunden. In Notzeiten fressen sie auch die Blätter von Büschen und Bäumen.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Weißschwanzgnus erreichen die Geschlechtsreife mit 24 bis 30 Monaten. Männchen benötigen in der Regel rund 36 Monate. Während einer Saison kommt es bei den Tieren nur zu einem Wurf. Die Paarungszeit erstreckt sich zumeist über die Regenzeit, die sich von Februar oder März bis in den April erstrecken kann. Die Geschlechter treffen nur während dieser Zeit aufeinander. Dabei kommt es zwischen rivalisierenden Männchen zu teils heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen einer Gruppe. Nur das stärkste Männchen erhält Zugang zu den Weibchen. Während der Paarungszeit bewacht ein Männchen seine Herde und fastet sogar, keine Sekunde lässt er seine Weibchen aus den Augen. Die Paarungsbereitschaft wird über Hormone signalisiert, die die Weibchen über den Urin abgeben. Ein weiteres Signal ist das Anheben des Schwanzes des Weibchens. Innerhalb einer Gruppe werden von einem Männchen alle geschlechtsreifen und paarungsbereiten Weibchen begattet. Die Tiere leben demzufolge in einer polygamen Beziehung. Mit der Aufzucht des Nachwuchses haben Männchen nichts zu tun, da sie die Herde mit Ende der Paarungszeit wieder verlassen.

Nach einer Tragezeit von 240 bis 260 Tagen bringt ein Weibchen, meist im Dezember, ein Jungtier zur Welt. Das Kalb ist wenige Minuten nach der Geburt in der Lage zu stehen und der Mutter zu folgen. Dies ist auch wichtig, da größere Raubtiere gerne ein Auge auf die Kälber werfen. Die Kälber wachsen im Schutze einer Herde auf und werden rund vier bis fünf Monate lang gesäugt. Ab dem dritten Lebensmonat nehmen sie meist schon ihre erste feste Nahrung zu sich. Geschlechtsreife Männchen verlassen die Geburtsherde und schließen sich sogenannten Junggesellenherden an. Weibchen bleiben in der Regel in der Gruppe, in der sie geboren wurden. Unter günstigen Umständen kann ein Weißschwanzgnu ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen.

Ökologie

Fressfein Nr. 1: Löwe (Panthera leo)
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Fressfein Nr. 1: Löwe (Panthera leo)

Weißschwanzgnus bilden die Nahrungsgrundlage für eine Reihe großer Räuber. Allen voran ist hier der Löwe (Panthera leo) zu nennen. Da fallen vor allem Kälber und jugendliche Tiere sowie kranke und schwache Gnus Räubern zum Opfer. In der Vergangenheit hat auch der Mensch den Weißschwanzgnus wegen des Fleisches nachgestellt. Auch die Nahrungskonkurrenz zu dem Vieh der Menschen hat den Tieren Probleme bereitet. Immer weiter wurde sie zurückgedrängt und leben heute hauptsächlich nur noch in Wildreservaten und Nationalparks.

Gefährdung und Schutz

Weißschwanzgnus gelten heute noch nicht in ihrer Art bedroht. Jedoch ist ihr Lebensraum in den letzten 100 Jahren dramatisch eingeengt worden. Die ursprünglichen Verbreitungsgebiete wurden weitflächig in Weide- und Agrarland umgewandelt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nur gering gefährdet geführt. Ohne die großen Nationalparks wie dem Krüger Nationalparks wäre die Art wahrscheinlich bereits an den Rand der Ausrottung gebracht worden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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