Weißwedelhirsch

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Weißwedelhirsch

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Trughirsche (Odocoileinae)
Gattung: Odocoileus
Art: Weißwedelhirsch
Wissenschaftlicher Name
Odocoileus virginianus
Zimmermann, 1780

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Weißwedelhirsch (Odocoileus virginianus) zählt innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae) zur Gattung Odocoileus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Weißwedelhirsch erreicht eine Körperlänge von 160 bis 200 Zentimeter. Eine Schulterhöhe von 80 bis 100 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 15 bis 30 Zentimeter sowie ein Gewicht von 60 bis 130 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Auch die einzelnen Unterarten unterscheiden sich in Gewicht und Größe. Das Fell weist regional und saisonal deutliche Farbvariationen auf. Das Fell weist eine graue, graubraune bis rötlich-braune Grundfärbung auf. Im Winter ist das Fell etwas heller gefärbt. Der obere Bereich des Halses, die Kehle sowie die Innenseiten der Ohren sowie der Bereich um Augen und Nase sind weißlich gefärbt. Auch oberhalb der Hufe zeigt sich an den Extremitäten eine weiße Färbung. Die weißen Stellen ziehen sich im Bereich der Innenseiten der Beine bis zum Bauchbereich. Ebenfalls weiß gefärbt ist der Spiegel im Schwanzbereich. An den Hinterbeinen hat der Weißwedelhirsch eine Geruchsdrüse, deren Sekret der Geruchskommunikation und der Reviermarkierung dienen. Männchen verfügen über saisonale Geweihe, die nach der Paarungszeit abgeworfen werden. Weibchen weisen keine Geweihe auf. Weißwedelhirsche sind sehr wachsame und scheue Tiere, da verwundert es nicht, dass insbesondere der Seh- und Gehörsinn außerordentlich gut entwickelt ist.

Verhalten

Ihren Namen haben Weißwedelhirsche aufgrund der charakteristischen Bewegung ihrer Schwänze bekommen. Die Tiere gelten als sehr scheu und wedeln aufgrund dessen unabläßlich mit ihren Schwänzen. In offenem Gelände können sie eine erstaunliche Fluchtgeschwindigkeit von über 45 Kilometer pro Stunde erreichen. Auch wenn Weißwedelhirsche im Grunde genommen terrestrisch leben, so gelten sie als sehr gute Schwimmer. Sie überqueren ohne Probleme größere Seen oder auch schnell fließende Ströme. Weißwedelhirsche gelten als sesshafte Hirsche, die nur wenig umherwandern. Auch in den nördlichen Verbreitungsgebieten verbleiben sie im Winter in ihren angestammten Revieren. Der Weißwedelhirsch lebt einzelgängerisch. Nur die Weibchen leben mit ihrem Nachwuchs in kleinen Gruppen. Im Winter schließen sich nicht selten mehrere Tiere in größeren Gruppen zusammen. Die Geschlechter treffen sich nur zur Paarungszeit, jedoch verlassen die Männchen die Weibchen wieder. Zudem begattet ein Männchen in der Regel mehrere Weibchen.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Odocoileus virginianus leucurus Douglas, 1929 LR USA
Odocoileus virginianus clavium Barbour & G.M. Allan, 1922 EN USA
Odocoileus virginianus virginianus Zimmermann, 1780 LR Nord-, Mittel- und Südamerika

Verbreitung

Weißwedelhirsche sind in Nord-, Mittel- und Teilen von Südamerika weit verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Kanada bis ins nördliche Brasilien. In Kanada kommt die Art in den Provinzen Alberta, British Columbia, Manitoba, New Brunswick, Neufundland und Labrador sowie Nova Scotia und Ontario vor. In Québec, Saskatchewan wurde die Art eingeführt. In Mittel- und Südamerika gilt die Art in Belize, im nördlichen Brasilien, in Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Peru, Surinam und Venezuela als nachgewiesen. Die USA wird weitflächig besiedelt.

Die Art lebt sowohl in gemäßigten als auch in subtropischen bis tropischen Regionen. Die Tiere gelten als ausgesprochen anpassungsfähig. Lichte Wälder, dessen Ränder, landwirtschaftliche Flächen, Sumpfgebiete und Baum- und Buschsteppen gehören zu ihren natürlichen Lebensräumen. In Mittel- und Südamerika werden auch tropische und subtropische Regenwälder besiedelt.

Gefährdung, Schutz

Die Art an sich ist heute noch nicht bedroht. Demnach wird die Nominalform des Weißwedelhirsches in der Roten Liste der IUCN nur als gering gefährdet geführt. Allerdings gilt dies nicht für alle Unterarten. Vor allem die in den USA verbreitete Unterart Odocoileus virginianus clavium ist bedroht und wird als gefährdet geführt (EN, endangered). Insgesamt ist die Art jedoch überall noch sehr häufig anzutreffen. Die Bestände werden auf einige Millionen Tiere geschätzt.

Prädatoren

In Nord- und Mittelamerika haben die Weißwedelhirsche eine Reihe von potentiellen Fressfeinden. Zu den wichtigsten gehören zweifellos Wölfe (Canis lupus), Kojoten (Canis latrans) und Pumas (Puma concolor). In Mittelamerika steht der Weißwedelhirsch auch auf der Speisekarte des Jaguar (Panthera onca). Gelegentlich reißen auch größere Bären ein Kalb oder geschwächte Tiere. Weißwedelhirsche sind sehr wachsame Tiere, die über einen sehr guten Geruchssinn verfügen. Droht Gefahr, so ergreifen sie frühzeitig die Flucht oder verstecken sich im dichten Unterholz.

Ernährung

Weißwedelhirsche ernähren sich als Wiederkäuer von Laub, jungen Trieben und Knospen. Laubbäume wie Ahorn, Birke, Pappel und Espe werden dabei bevorzugt. Aber auch das Laub und Zweige von Sträuchern werden vor allem in trockenen Lebensräumen gefressen. Auf Nahrungssuche gehen Weißwedelhirsche in der Regel in der Dämmerung, meist in den frühen Morgen- und Abendstunden. Sie sind dabei oft in kleinen Gruppen zu beobachten.

Fortpflanzung

Jungtier
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Jungtier

Der Weißwedelhirsch erreicht die Geschlechtsreife mit rund zwei Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich über den späten Herbst und kann sich bis in den Winter hinein erstrecken (Oktober bis Dezember). Die Geschlechter leben in einer polygamen Beziehung. Ein Männchen paart sich meist mit allen Weibchen einer Herde. Während der Paarungszeit kommt es unter den Hirschen zu Kommentkämpfen, bei denen die Geweihe als Waffe eingesetzt werden. Nur das siegreiche Männchen hat ein Recht auf Paarung mit den Weibchen. Nach einer Tragezeit von 195 bis 200 Tagen bringt eine Kuh im Frühjahr an einer geschützten Stelle ein, gelegentlich auch zwei Kälber zur Welt. Bereits kurz nach der Geburt sind die Kälber in der Lage der Mutter zu folgen. Männchen haben mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Die Mutter ist äußerst wachsam und lässt ihren Nachwuchs bei Gefahr im hohen Gras zurück und lockt einen potentiellen Fressfeind vom Nachwuchs weg. Die Jungen bleiben dabei regungslos im Gras liegen, bis die Mutter zurückkehrt. Die Säugezeit erstreckt sich in der Regel über zwei bis drei Monate. Männlicher Nachwuchs verlässt die Mutter meist im Alter von einem Jahr. Weibchen bleiben deutlich länger bei der Mutter. Die Lebenserwartung der Weißwedelhirsche liegt bei bis zu zehn Jahren in Freiheit. In Gefangenschaft können die Tiere durchaus ein Alter von 15 bis 20 Jahren erreichen.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Hirsche (Cervidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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