Westafrikanische Giraffe

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Westafrikanische Giraffe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Giraffenartige (Giraffidae)
Gattung: Giraffen (Giraffa)
Art: Giraffe (Giraffa camelopardalis)
Unterart: Westafrikanische Giraffe
Wissenschaftlicher Name
Giraffa camelopardalis peralta
Thomas, 1898

Die Westafrikanische Giraffe (Giraffa camelopardalis peralta) ist eine Unterart der Art Giraffe (Giraffa camelopardalis) und zählt innerhalb der Familie der Giraffenartigen (Giraffidae) zur Gattung Giraffen (Giraffa).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Westafrikanische Giraffe erreicht eine Körperhöhe von 4,8 bis 5,3 Metern. Allein der Hals weist eine Länge von über 150 Zentimeter auf. Das Weibchen wirkt dagegen etwas kleiner und leichter als das Männchen und erreicht eine Körperhöhe von 4,0 bis 4,3 Metern. Das Gewicht beträgt etwa 500 bis 1.200 Kilogramm. Der Schädel weist eine Länge von 70 bis 72 Zentimeter auf und kann bei einem erwachsenen Männchen durchaus 12 bis 13 Kilogramm wiegen. Das Fell der Westafrikanischen Giraffe weist große, unregelmäßig geformte und an den Kanten leicht zerrissen wirkende Flecken von kastanienbrauner Färbung auf. Des weiteren weist der Kopf eine deutlich weißliche bis cremefarbene Grundfärbung auf mit vereinzelten unregelmäßig hellen kastanienbraunen Flecken. Im Bereich der Augen ist eine eindeutige weißliche Färbung vorhanden. Die Ohren sind ebenfalls von weißlicher Farbe, zeigen jedoch keine Fellmusterung. Der Nasenrücken ist einheitlich braun gefärbt. Die Bauchseite ist heller und unbefleckt. Unterhalb der Hand- und Fußgelenke ist das Fell weißlich gefärbt und weist ebenfalls keine Musterung auf. Der Nacken ist durch eine lange, braun gefärbte Mähne gekennzeichnet, die eine Länge von zehn bis zwölf Zentimeter erreichen kann.

Wie bei allen Giraffenarten ist auch bei der Westafrikanischen Giraffe der Hals ausgesprochen lang ausgeprägt und weist wie bei allen Säugetieren dennoch nur sieben Halswirbel auf, die allerdings stark verlängert sind. Um Blut in ausreichenden Mengen bis ins Gehirn zu pumpen, weist das Herz mit zwölf Kilogramm gewaltige Ausmaße auf. Das Herz kann sechzig Liter Blut pro Minute durch den Körper pumpen. Auch der Blutdruck ist deutlich höher als bei Tieren vergleichbarer Größe. Auch die Lunge ist recht groß, mit einem Atemzug kann die Westafrikanische Giraffe vier Liter Luft aufnehmen. Im Ruhezustand kommt es pro Minute zu acht bis zehn Atemzügen. Die durchschnittliche Körpertemperatur liegt zwischen 37,7 und 39,1 Grad Celsius. Zum Säugen des Nachwuchses verfügt das Weibchen über vier Zitzen, von denen jedoch nur zwei in Funktion sind. Die Vorderbeine sind länger als die Hinterbeine, so dass die Rückenlinie nach hinten deutlich abfällt. Ebenso markant ist die extrem lange bläuliche Zunge, mit der sie ihre Nahrung von Ästen abstreifen. Sie kann durchaus eine Länge von über 40 Zentimetern aufweisen. Beide Geschlechter tragen am Kopf zwei bis fünf dunkelbräunliche bis schwärzliche Knochenzapfen. Das Männchen nutzt die Knochenzapfen bei Kämpfen mit Artgenossen. Das Gebiss verfügt über 32 Zähne. Die zahnmedizinische Formel lautet 0/3, 0/1, 3/3, 3/3.

Lebensweise

Trotz ihrer plump wirkenden Gestalt kann die Westafrikanische Giraffe im Galopp Geschwindigkeiten von deutlich bis zu 56 km/h erreichen. Die Westafrikanische Giraffe hat keine festen Reviere, sie durchstreift aber sogenannte Streifreviere, die eine durchschnittliche Größe von 100 Quadratkilometer und mehr haben können. In den verbliebenen Habitaten sind die Reviere meist deutlich kleiner. Die Westafrikanische Giraffe ist sowohl tagaktiv als auch nachtaktiv. Sie lebt in kleinen Herden mit loser Zusammensetzung. Die Gruppen können 20 bis 30 Tiere umfassen. Erwachsene Bullen leben oft auch einzelgängerisch und suchen Weibchen nur zur Paarungszeit auf. Westafrikanische Giraffen werden häufig von Zecken der Gattung Amblyomma und Rhipicephalus heimgesucht. Um diese loszuwerden bedienen sich Giraffen ausgezeichneter Helfer aus der Vogelwelt. Madenhacker (Buphagus) picken den Westafrikanischen Giraffen lästiges Ungeziefer aus dem Fell.

Verbreitung

Ursprünglich war die Westafrikanische Giraffe in weiten Teilen Westafrikas verbreitet. Heute kommt die Unterart nur noch lokal in kleinen, isolierten Habitaten vor. Eine Population lebt in einem schmalen Streifen an der südöstlichen Grenze von Mali, im westlichen Niger und im Norden von Burkina Faso. Eine zweite Population lebt im nördlichen Benin, die dritte Population im nördlichen Kamerun. Westafrikanische Giraffen leben in den weiten Baum- und Strauchsteppen. Aber auch reine Grassteppen werden durchaus häufig besiedelt.

Ernährung

Die Nahrung der Westafrikanischen Giraffe besteht vorwiegend aus jungen Trieben, Blättern und Knospen. Die Westafrikanische Giraffe äst nicht nur in den Baumkronen, sondern sie ernährt sich auch von den Blättern und Trieben der niedrig wachsenden Büsche. In der Regel wird die Nahrung jedoch nur oberhalb von 2,5 Metern abgegriffen. Dabei umgreift die Giraffe einen Zweig oder ähnliches mit der langen bläulichen Zunge und streift die Nahrung ab. Eine Westafrikanische Giraffe braucht, abhängig von der Größe, zwischen 50 und 60 Kilogramm Nahrung am Tag. Der Zeitaufwand für die Nahrungsaufnahme kann bis zu achtzehn Stunden am Tag betragen. Trinkwasser nimmt sie sehr selten zu sich, da sie den Wasserbedarf hauptsächlich über die Nahrung stillt. Um die stark zellulosehaltive Nahrung aufzuspalten, verfügen sie über ein ausgeklügeltes Verdauungssystem, das Därme in einer Länge von gut 80 Meter umfasst.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Westafrikanische Giraffe mit 3,5 bis 4,5 Jahren (in Gefangenschaft werden Weibchen bereits mit etwa 2,5 Jahren geschlechtsreif), wobei Bullen die Geschlechtsreife ein Jahr später als Weibchen erreichen. Eine Paarung kann ganzjährig erfolgen, jedoch erfolgt die Paarung zumeist im Herbst. Während der Werbung um ein Weibchen kann es zwischen den Bullen zu heftigen Kämpfen kommen. Dabei fügen sich die Bullen mit dem Kopf und mit den Hörnern Stöße zu. Nach einer Tragezeit von gut 15 Monaten bringt das Weibchen ein, sehr selten auch zwei Jungtiere zur Welt, wobei die Geburt im Stehen erfolgt. Zwillingsgeburten sind in freier Wildbahn bisher nicht dokumentiert worden. Das Jungtier fällt unsanft aus einer Höhe von gut zwei Metern auf den Boden. Es kann bis zu zwei oder mehr Stunden dauern, bis das Jungtier es schafft, aufzustehen. Das Jungtier weist ein Geburtsgewicht von 54 bis 60 Kilogramm sowie eine Höhe von rund 180 bis 195 Zentimetern auf. Erst etwa nach etwa drei Wochen führt die Mutter das Jungtier zur Herde. Die Entwöhnung findet nach gut 12 bis 13 Monaten statt, dennoch bleibt das Jungtier für bis zu 18 Monaten bei der Mutter. Mit rund sechs Jahren ist die Junggiraffe ausgewachsen. In der Wildnis kann die Westafrikanische Giraffe ein Alter von etwa 25 Jahren erreichen. In Gefangenschaft kann die Lebenserwartung über 30 Jahre liegen. Ein Weibchen kann bis zum 20. Lebensjahr Nachwuchs zur Welt bringen. Männchen sind in der Regel bis zu einem Alter von 24 Jahren fortpflanzungsfähig.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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