Wieselmakis

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Wieselmakis
Rotschwanz-Wieselmaki (Lepilemur ruficaudatus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Wieselmakis
Wissenschaftlicher Name
Lepilemuridae
Gray, 1870

Wieselmakis (Lepilemuridae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Primaten (Primates) und zur Unterordnung der Feuchtnasenaffen (Strepsirhini). In der Familie werden 24 Arten in einer Gattung geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Wieselmakis gehören zu den kleinen bis mittelgroßen Feuchtnasenaffen. Je nach Art erreichen sie eine Körperlänge von 19,6 Zentimeter beim Weißfuß-Wieselmaki (Lepilemur leucopus) bis 27,3 Zentimeter beim Lepilemur seali, eine Schwanzlänge von 23,7 Zentimeter beim Lepilemur petteri bis 30,2 Zentimeter beim Lepilemur fleuretae sowie ein Gewicht von 580 Gramm beim Nördliche Wieselmaki (Lepilemur septentrionalis) bis 1.190 Gramm beim Kleinzahn-Wieselmaki (Lepilemur microdon). Zwischen den Geschlechtern zeigt sich weder in der Größe noch in der Fellfärbung ein Dimorphismus. Bei einigen Arten sind jedoch die Eckzähne der Männchen etwas länger als bei den Weibchen. Das dichte und kurze Fell ist bei allen Arten gräulich, graubraun bis bräunlich gefärbt. Ventral zeigt sich eine gräuliche bis weißliche Färbung. Typisch für Wieselmakis ist die feuchte Schnauze, die großen runden Augen und die rundlich geformten und mittelgroßen Ohren, die seitlich am Kopf liegen. Die Schnauze ist bei allen Arten spitz zulaufend. Die Extremitäten sind mittellang und kräftig ausgeprägt. Wieselmakis ruhen in senkrechter Position und bewegen sich im Geäst der Bäume durch kurze Sprünge fort. Das Verdauungssystem ist optimal an die pflanzliche Kost angepasst. So ist der Darm sehr lang und der Blinddarm ist voluminös. Die Darmflora ist dazu in der Lage, die stark zellulosehaltige Nahrung aufzuschließen. Zusätzlich zur pflanzlichen Nahrung nehmen Wieselmakis hin und wieder auch Kot auf. Der Grund hierfür ist jedoch unbekannt.

Lebensweise

Alle Wieselmakis sind nachtaktiv und leben in der Regel einzelgängerisch. Die Tiere treten bei einigen Arten mitunter auch paarweise auf. Insgesamt hält sich der Kontakt zwischen den Indididuen jedoch in Grenzen. Die großen Augen sind hierfür ein Indiz. Während des Tages halten sich die Tiere in Baumhöhlen oder in dichter Vegetation verborgen. Nur selten sind die Tiere am Tage zu beobachten. Gesicherte Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass Wieselmakis am Tage regelmäßig sonnenbaden. Wieselmakis sind zwar nicht sehr territorial, sie beanspruchen jedoch ein Revier, dass eine durchschnittliche Größe von einem Hektar aufweist. Die Tiere leben ausschließlich in den Bäumen, auf den Boden steigen sie in der Regel nicht hinab. Insgesamt bewegen sich Wieselmakis nicht sehr viel. Sie gehen sparsam mit ihrer Energie um und legen selbst bei der Nahrungssuche und -aufnahme längere Ruhe- und Verdauungspausen ein. Man geht bei den Wieselmakis von einem Grundumsatz aus, der um 50 Prozent niedriger liegt als bei anderen Säugern ähnlicher Größe. Die Aktivität erstreckt sich über das ganze Jahr, eine Winterruhe wird demnach nicht abgehalten.

Verbreitung

Wieselmakis sind auf Madagaskar endemisch. Hier bewohnen sie über die ganze Insel verteilt unterschiedliche Waldtypen wie Regenwälder und Feuchtwälder. Im Westen Madagaskar wird auch Trockenwald, im Süden auch Dornenwald besiedelt. In den meisten Regionen überschneiden sich die Verbreitungsgebiete der einzelnen Arten, so dass man davon ausgehen kann, dass es zu hybriden Zonen kommen kann. In den Wäldern sind Wieselmakis in den mittleren bis oberen Waldschichten anzutreffen. Während der Ruhephasen halten sich die Tiere vorzugsweise in Baumhöhlen oder an ähnlich geschützten Stellen auf.

Prädatoren

Prädator: die Fossa (Cryptoprocta ferox)
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Prädator: die Fossa (Cryptoprocta ferox)

Zu den Fleischfressern der Wieselmakis zählen insbesondere die Fossa (Cryptoprocta ferox) sowie die Madagaskar-Waldohreule (Asio madagascariensis) und die Höhlenweihe (Polyboroides radiatus). Aber auch unter den Schlangen (Serpentes) sind einige Fleischfresser zu finden. Hier sind insbesondere die Madagaskar-Hundskopfboa (Sanzinia madagascariensis), die Madagaskar-Boa (Acrantophis madagascariensis) und die Südliche Madagaskarboa (Acrantophis dumerili) zu nennen.

Ernährung

Wieselmakis ernähren sich ausschließlich von pflanzlicher Nahrung. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören vor allem Blätter, Früchte, Rinde, Blüten und Knospen. Auf ihren nächtlichen Fresswanderungen legen sie meist nur wenige Hundert Meter in ihrem Revier zurück. Interessanterweise fressen sie auch ihren eigenen Kot. Durch die Zweitverwertung der Nahrung nutzen sie auch die letzten Nährstoffe ihrer Nahrung voll aus. Sie sind also der Koprophagie fähig und werden auch als Autokoprophagen bezeichnet.

Fortpflanzung

Wieselmakis erreichen die Geschlechtsreife mit gut 18 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich auf Madagaskar von September bis in Dezember hinein. Das Paarungsverhalten ist bislang nur wenig erforscht. Daher sind keine Detailinformationen bekannt. Einige Arten scheinen eine monogame Ehe zu führen, die in der Regel eine Saison hält. Andere Arten zeichnen sich durch eine polygame Lebensweise aus. Nach einer Tragezeit von 130 bis 136 Tagen bringt das Weibchen in ihrem Nest ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind eher selten zu beobachten. Die Nester sind meist in hohlen Baumstämmen oder an ähnlich geschützten Stellen zu finden. Muss ein Jungtier an einen anderen Ort verbracht werden, so tragen die Mütter den Nachwuchs im Maul. Ist das Junge zu groß, so wird es auf dem Rücken getragen. Jungtiere werden von der Mutter über einen Zeitraum von gut 120 Tagen gesäugt. Die Selbständigkeit erreicht das Junge mit einem Jahr. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt es bei der Mutter. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit wahrscheinlich bei etwa 5 bis 8 Jahren. In Gefangenschaft ist ein Alter von 12 Jahren erreichbar.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Nicht alle Wieselmakis sind in der Roten Liste der IUCN gelistet. Dies liegt daran, dass 16 Arten erst seit kurzem bekannt sind. 7 Arten werden in der Roten Liste der IUCN geführt. Davon gelten zwei als bedroht (VU, vulnerable). Dies sind der Graurücken-Wieselmaki (Lepilemur dorsalis) und der Nördliche Wieselmaki (Lepilemur septentrionalis). Dennoch sind Wieselmakis in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes noch häufig anzutreffen. Vor allem in intakten Lebensräumen treten sie in einer hohen Siedlungsdichte in Erscheinung. Hauptgrund für die Gefährdung ist die Vernichtung der natürlichen Lebensräume. Wieselmakis gelten als anpassungsfähig und sind daher auch in Sekundärwäldern und sogar in Plantagen anzutreffen. Ein weiterer Grund für die Gefährdung ist die Bejagung durch die indigene Bevölkerung. Wieselmakis sind leicht zu erbeuten, da sie nicht fliehen, sondern sich in ihrem Versteck verbergen.

Systematik der Wieselmakis

Gewöhnlicher Wieselmaki (Lepilemur mustelinus)
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Gewöhnlicher Wieselmaki (Lepilemur mustelinus)
Rotschulter-Wieselmaki (Lepilemur aeeclis)
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Rotschulter-Wieselmaki (Lepilemur aeeclis)

Bislang führte man in der Gattung der Wieselmakis lediglich 8 Arten. Zwischen 2006 und 2007 kamen insgesamt 16 Arten hinzu. Zu diesem Ergebnis kam in diesem Zeitraum mehrere Forscherteams aufgrund molekularer und morphologischer Untersuchung. <1> <2>

Familie: Wieselmakis (Lepilemuridae)

Gattung: Wieselmakis (Lepilemur)
Art: Graurücken-Wieselmaki (Lepilemur dorsalis)
Art: Edwards-Wieselmaki (Lepilemur edwardsi)
Art: Weißfuß-Wieselmaki (Lepilemur leucopus)
Art: Kleinzahn-Wieselmaki (Lepilemur microdon)
Art: Gewöhnlicher Wieselmaki (Lepilemur mustelinus)
Art: Rotschwanz-Wieselmaki (Lepilemur ruficaudatus)
Art: Nördlicher Wieselmaki (Lepilemur septentrionalis)
Art: Ankarana-Wieselmaki (Lepilemur ankaranensis)
Art: Rotschulter-Wieselmaki (Lepilemur aeeclis)
Art: Randrianasolo-Wieselmaki (Lepilemur randrianasoli)
Art: Sahamalaza-Wieselmaki (Lepilemur sahamalazensis)
Art: Lepilemur ahmansoni
Art: Lepilemur betsileo
Art: Lepilemur fleuretae
Art: Lepilemur grewcocki
Art: Lepilemur hubbardi
Art: Lepilemur jamesi
Art: Lepilemur milanoii
Art: Lepilemur petteri
Art: Lepilemur seali
Art: Lepilemur tymerlachsoni
Art: Lepilemur wrighti
Art: Lepilemur manasamody
Art: Lepilemur otto

Anhang

Literatur und Quellen

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