Wiesenotter

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Wiesenotter
Vipera ursinii macrops

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Überfamilie: Colubroidea
Familie: Vipern (Viperidae)
Unterfamilie: Echte Vipern (Viperinae)
Gattung: Echte Ottern (Vipera)
Art: Wiesenotter
Wissenschaftlicher Name
Vipera ursinii
Bonaparte, 1835

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Die Wiesenotter (Vipera ursinii), auch bekannt als Spitzkopfotter und Karstotter, zählt innerhalb der Familie der Vipern (Viperidae) zur Gattung der Echte Ottern (Vipera). Im Englischen wird die Wiesenotter Meadow Viper oder Orsini's Viper genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

In Europa erreicht die Wiesenotter eine Länge zwischen 25 und 50 Zentimeter. In Mittelasien wurden schon Männchen mit mehr als 70 Zentimeter Körperlänge gefunden. Flüchtig betrachtet, kann die Wiesenotter für eine schwarze Kreuzotter (Vipera berus) gehalten werden. Die Wiesenotter weist eine schlanke Körperform auf. Der Kopf ist mehr oval und nur wenig vom Rumpf abgesetzt. Die Schnauze ist weniger stark aufgeworfen als bei der Aspisviper (Vipera aspis), außerdem schmaler und zugespitzter als bei der Kreuzotter (Vipera berus). Die Augen weisen eine senkrechte Pupille auf. Die mit stark gekielten Schuppen bedeckte und daher rauh wirkende Oberseite ist hellgrau bis blaugrau oder gelbgrau. Bei frisch gehäuteten Exemplaren fällt eine bandartige helle Rückenzone auf, die von einem dunklen, im Zentrum aufgehellten Zickzack- oder Wellenlinienband durchlaufen wird. Die etwas dunkleren Flanken zeigen eine düstere Fleckung. Die Bauchschilder sind oft blauschwarz oder dunkelgrau, manchmal mit hellen Punkten durchsetzt. Die Männchen sind immer kontrastreicher gefärbt. Die Kopfoberseite besitzt vielfach eine zum Körper geöffnete V-Zeichnung. Über die Kopfseiten führt meist ein breites Schläfenband zum Auge. Färbung und Zeichnung variieren nur wenig, im Gegensatz zu den anderen europäischen Vipernarten.

Lebensweise

Die Wiesenotter ist vorwiegend tagaktiv. Bei grellem Sonnenschein und starker Hitze verkriecht sich die Wiesenotter in Feldgrillenbauten, Mäuselöchern oder in Erdspalten. Im Hochsommer wird die Wiesenotter nur noch morgens bzw. abends beobachtet. In sommerheißen Gebieten hält sie eine Trockenruhe. Die Wiesenotter ist wenig abwehrbereit. Sie vertraut in erster Linie auf ihre gestaltauflösende Schutzfärbung. Wird sie ergriffen, setzt sich die Wiesenotter durch einen Giftbiß zur Wehr. Die Wirkung des Giftes ist schwach, trotzdem ist Vorsicht geboten.

Unterarten

Die sieben Unterarten und die Nominatform lassen sich ohne Kenntnis ihrer Herkunft mitunter nur sehr schwer erkennen. Sie teilen sich aber klar in das große Artareal:

Verbreitung

Die Wiesenotter findet ihre Verbreitung im Südwesten von Frankreich, in Mittelitalien, Ungarn, Rumänien, Serbien, Montenegro, Ukraine, Transkaukasus, Rußland bis nach Mittelasien. In Europa gibt es nur noch inselartige Vorkommen. Im deutschsprachigen Raum ist die Art lediglich in Niederösterreich und dem Burgenland bekannt. Sie gilt dort heute aber als ausgestorben. Als Lebensraum bevorzugt die Wiesenotter offene Graslandschaften. In ihrem östlichen Verbreitungsgebiet steigt sie dabei in die höheren Gebirgsregionen zum Beispiel im Hochland von Armenien (bis zu 3.000 Meter NN). In Österreich jedoch bewohnte die Wiesenotter die Ebene. Relativ häufig war sie dort in der Nähe von Feuchtstellen zu finden. Unterschlupf, zum Beispiel bei zu starker Sonneneinstrahlung, sucht die Wiesenotter in Bodenhöhlen und Mäusegängen.

Ernährung

Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten (Insecta): Langfühlerschrecken (Ensifera) sowie Kurzfühlerschrecken (Caelifera), Grillen (Gryllidae) sowie bodenlebenden Käfern(Coleoptera). Gelegentlich werden auch junge Eidechsen (Lacertidae) wie zum Beispiel die Jungen der Östlichen Smaragdeidechse (Lacerta viridis), junge Feldmäuse (Microtus) und frisch geschlüpfte Bodenbrüternestlinge erbeutet. Ihr Giftbiß macht diese Beutetiere meist nur kampfunfähig. Auch für den Menschen ist der Giftbiß relativ ungefährlich. Trotzdem ist Vorsicht ratsam.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Wiesenotter gehören unter anderem Greifvögel (Falconiformes), Rabenvögel (Corvidae), Störche (Ciconiidae), Igel (Erinaceidae) sowie Zornnattern (Coluber), die vor allem den Jungschlangen der Wiesenotter nachstellen.

Fortpflanzung

Je nach Witterung paaren sich die Wiesenottern im März oder April. Im August bzw. im September bringen die Weibchen bis zu 12 Jungschlangen ovovivipar (lebendgebärend) zur Welt. Die Jungschlangen jagen dann gleich selbständig Beutetiere.

Gefährdung und Schutz

Die Wiesenotter ist durch direkte Verfolgung und Lebensraumzerstörung stark gefährdet. In Niederösterreich und im Burgenland gilt die Wiesenotter dort heute als ausgestorben. Des Weiteren sind die Populationen in Ungarn, Bulgarien und in Frankreich kurz vor dem Aussterben. In vielen Ländern steht die Wiesenotter unter Naturschutz. Der Handel mit dieser Spezies ist unter dem internationalen CITES-Abkommen verboten. In der Roten Liste der IUCN wird die Wiesenotter als stark gefährdet (endangered) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Claus-Peter Hutter: Schützt die Reptilien. Das Standardwerk zum Schutz der Schlangen, Eidechsen und anderer Reptilien. Weitbrecht-Verlag in K. Thienemanns Verlag, Stuttgart und Wien, 1994 ISBN 3522304608
  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther, Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas (Beobachten und Bestimmen). Neumann Verlag GmbH, Radebeul, 1993 ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab, Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten. Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich, 1996 ISBN 3-405-14936-3
  • Ralf Blauscheck: Amphibien und Reptilien Deutschlands. Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1985 ISBN 3784203175
  • Das Tierreich nach Brehm. Buch und Bildverlag

Links

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