Wildziege

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Wildziege
Bezoarziege (Capra aegagrus cretica)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Gattung: Ziegen (Capra)
Art: Hausziege (Capra hircus)
Unterart: Wildziege
Wissenschaftlicher Name
Capra hircus aegagrus
Erxleben, 1777

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Wildziege (Capra hircus aegagrus, veraltet: Capra aegagrus) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Ziegen (Capra). Die Wildziege wird heute nicht mehr als eigene Art geführt. Siehe Wilson & Reeder, 2003. Sie zählt heute als Unterart der Hausziege (Capra hircus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Wildziege erreicht eine Körperlänge von 70 bis 130 Zentimeter, ein Stockmaß von 60 bis 80 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 80 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner als Männchen. Im Gegensatz zu den Weibchen verfügt der Bock über einen Bart im Kinnbereich. Die Grundfärbung ist meist rötlichbraun bis gelblichbraun. Jedoch sind auch gräuliche, schwarze und weiße Farbvariationen möglich. Männchen bekommen im Winter ein silbergraues Fell. Ein dunkler Aalstrich zieht sich vom Nacken bis zum Schwanzansatz. Die Unterseite ist dunkelbraun. Auch die Läufe sind stellenweise dunkelbraun gefärbt. Das Fell ist ungewöhnlich dicht und verfügt über eine Unterwolle, die die Tiere vor Kälte und Nässe schützt. Beide Geschlechter verfügen über Hörner, die nicht abgeworfen werden und ein Leben lang wachsen. Die Hörner der Männchen erreichen eine Länge von 70 bis 100 Zentimeter und sind säbelförmig nach hinten gebogen. Die Hörner der Weibchen erreichen lediglich eine Länge von 20 bis 30 Zentimeter und sind nur schwach gebogen. Entlang der Hörner sind Verdickungen sichtbar, anhand derer man das Alter der Tiere ermitteln kann. Die Wildziege verfügt über zweigeteilte Hufe, mit denen sie sich im Gelände und an felsigen Hängen außerordentlich gut bewegen kann.

Verhalten

Die Wildziege ist überwiegend tagaktiv, zieht sich während der heißen Mittagszeit allerdings an schattige Plätze zurück. Weibchen und deren Nachwuchs leben in Herden von bis zu 25, gelegentlich auch bis zu 50 Tieren. Männchen leben in der Regel einzelgängerisch oder in Junggesellenherden und stoßen nur zur Paarungszeit zu den Weibchen. Während dieser Zeit kommt es unter den Männchen zu Kommentkämpfen um das Recht auf Paarung mit den Weibchen. Wildziegen wurden bereits vor 6.000 bis 8.000 Jahren vom Menschen domestiziert und als Haus- und Nutztier gehalten. Genutzt wurde vor allem die Milch, das Fleisch sowie die Felle. Die domestizierte Form ist die Hausziege.

Unterarten

Die nachstehende Aufstellung der Unterarten hat heute keine Gültigkeit mehr. Sie entspricht dem altem Artstatus, nicht jedoch dem neuen Status als Unterart der Hausziege.

Trivialname Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Bezoarziege Capra aegagrus aegagrus Erxleben, 1777 VU Afghanistan, Armenien, Azerbaijan, Georgien,
Iran, Rußland, Türkei
Sind-Wildziege Capra aegagrus blythi Hume, 1875 VU Irak, Iran, Pakistan, Turkmenistan
Chiltan-Ziege Capra aegagrus chialtanensis Lydekker, 1913 CR Pakistan
Agrimi Capra aegagrus cretica Schinz, 1838 VU Griechenland
Turkmenische Wildziege Capra aegagrus turcmenica Zalkin, 1950 VU Iran, Turkmenistan

Verbreitung

Die Wildziege ist in weiten Teilen von Ost- und Südosteuropa sowie im Nahen und Mittleren Osten verbreitet. Sie ist insbesondere in Afghanistan, Armenien, Azerbaijan, Georgien, im Iran, in Rußland, in der Türkei, im Irak und Iran, in Pakistan, Turkmenistan und Griechenland anzutreffen. Die Tiere leben sowohl in der Ebene als auch in Mittelgebirgen bis in Höhen von 2.400 Metern Höhe über NN. Grasige und karge Berghänge sind dabei die beliebtesten Habitate.

Gefährdung, Schutz

Die Wildziegen sind heute je nach Unterart stark bis kritisch gefährdet. Um die Chiltan-Ziege (Capra aegagrus chialtanensis) aus Pakistan steht es dabei besonders schlecht, sie ist kritisch gefährdet und steht somit kurz vor der Ausrottung. Alle anderen Unterarten sind stark gefährdet. Als solche werden die einzelnen Unterarten auch in der Roten Liste der IUCN geführt. Die starke Bejagung, die in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete bis heute anhält, und die weitflächige Zerstörung der Lebensräume stellen die größte Bedrohung dar. Aber auch die Verdrängung durch Hausziegen ist in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete zu beobachten, zu denen die Wildziege in Nahrungskonkurrenz steht.

Prädatoren

Wildziegen stehen vor allem auf der Speisekarte größerer Raubtiere wie Braunbären (Ursus arctos), Wölfe (Canis lupus) und Eurasische Luchse (Lynx lynx). Steinadler (Aquila chrysaetos) reißen gelegentlich junge oder kranke Wildziegen. Selbst in den Steilhängen sind sie nicht vor allen Räubern sicher. Der größte Feind ist und bleibt allerdings der Mensch.

Ernährung

Wildziegen sind wie alle Hornträger reine Vegetarier und ernähren sich hauptsächlich von Gräsern und Kräutern, jungen Trieben von Sträuchern und Bäumen. In Mangelzeiten fressen sie auch zarte Rinde, Moose und Flechten. Zudem suchen sie sogenannte Salzlecken auf, um an notwendige Mineralien zu gelangen.

Fortpflanzung

Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit zwei Jahren, pflanzen sich in Freiheit aber meist erst nach drei Jahren erstmals fort. Männchen kommen erst mit rund fünf Jahren zu ihrer ersten Paarung, da sie zu diesem Zeitpunkt ausgewachsen sind und in Kämpfen um ein Harem bestehen zu könnnen. Die Paarungszeit beginnt im späten Herbst. Während dieser Zeit kommt es unter den Männchen zum Teil zu heftigen Gefechten, die aber selten in schweren Verletzungen enden. Das Weibchen bringt meist im Mai nach einer Tragezeit von 160 Tagen ein oder zwei Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt an einer geschützten und unzugänglichen Stelle. Hier bleibt das Jungtier für einige Tage, bis es der Mutter folgen kann. Die Säugezeit beträgt rund fünf bis sechs Monate. Meist bleiben die Juntiere bis zur nächsten Brunft bei der Mutter. In Freiheit erreicht die Wildziege ein Alter von bis zu zwölf Jahren. In Gefangenschaft liegt das erreichbare Alter deutlich darüber.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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