Wisent

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Wisent
Jungtier

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Rinder (Bovinae)
Gattung: Bisons (Bison)
Art: Wisent
Wissenschaftlicher Name
Bison bonasus
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Wisent (Bison bonasus), auch unter der Bezeichnung Europäischer Bison bekannt, zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Bisons (Bison). Er ist eng mit dem Amerikanischen Bison (Bison bison) verwandt, mit dem er eine Gattung bildet. In Europa ist der Wisent das größte Landsäugetier. Im Englischen wird der Wisent european wood bison genannt.

Der Wisent wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) in Kooperation mit dem Naturschutzbund (NABU) zum Wildtier des Jahres 2008 und zum zweiten Mal zum Wildtier des Jahres 2014 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Wisent erreicht eine Körperlänge von 330 bis 350 cm, eine Schulterhöhe von bis zu 200 cm sowie ein Gewicht von 500 bis 1.000 kg. Kühe bleiben deutlich kleiner und leichter als Bullen. Das dichte Fell weist eine dunkelbraune Färbung auf und ist an Vorderkörper, Kopf und Hals dichter und länger. Besonders die Hals-, Nacken und Schultermähne sind deutlich länger als das übrige Fell. Der Schwanz weist eine Länge von bis zu 75 cm auf. Der Rücken fällt nach hinten hin gut sichtbar ab. Der Kopf, der von der Stirn weg nach unten flach abfällt, wird unterhalb der Schulterhöhe gesenkt gehalten. Die Hörner sind gebogen und weisen nach innen. Es ist auch eine leichte Neigung der Hörner nach vorne zu erkennen.

Lebensweise

Die Tiere leben in kleinen Gruppen von bis zu zwanzig Tieren, die aus Kühen und deren Nachwuchs bestehen. Der Nachwuchs stammt üblicherweise aus Würfen mehrerer Jahre. Männliche Tiere leben einzelgängerisch oder in Junggesellengruppen. Starke, erwachsene Männchen stoßen nur zur Brunftzeit zu den Weibchen. Im Winter schließen sich oft mehrere kleine Herden zu einer größeren zusammen.

Unterarten

Verbreitung

Wisent
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Wisent

Bis vor wenigen Jahrzehnten galt der Wisent in Freiheit als ausgestorben. In den 20ger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden in Polen die letzten freilebenden Wisente getötet. Es überlebten lediglich um die 60 Tiere in Tierparks und Wildgehegen. Nach dem zweiten Weltkrieg begannen Forscher kleinere Herden aus den vorhandenen Tieren zu züchten und auszuwildern. Heute gibt es in Polen, dem Kaukasus und in Weißrußland wieder kleinere Herden von einigen hundert Tieren. Auch in Deutschland findet derzeit im Siegerland (Rothaargebirge) ein Auswilderungsprojekt statt. Die momentan noch wenigen Tiere in einem Auswilderungsgehege kommen frühestens im Winter 2009/2010 auf freien Boden. Wisente bevorzugen lichten Wald mit Lichtungen und Wassernähe als Lebensraum. Dabei scheinen sie Laubwälder den Nadel- oder Mischwäldern vorzuziehen. Früher lebten Wisente europaweit. Das Verbreitungsgebiet erstreckte sich von Spanien über Mitteleuropa bis nach Sibirien und bewohnten auch offenes Land oder lichte Waldgebiete.

Ernährung

Neben Gräsern, Kräutern, jungen Trieben und Knospen, Moosen und Flechten fressen sie im Winter auch Rinde von Laubbäumen. Größere Populationen könnten am Baumbestand durchaus erstzunehmenden Schaden anrichten. Zum Trinken suchen sie Wasserlöcher in ihrem Lebensraum auf.

Fortpflanzung

Wisente erreichen die Geschlechtsreife etwa mit vier Jahren. Männchen kommen allerdings nicht vor dem achten oder neunten Jahr zur Paarung, da sie ausgewachsenen Bullen nicht gewachsen sind. Die Paarungszeit beginnt üblicherweise im August oder September. Zwischen konkurrierenden Bullen kommt es regelmäßig zu Kämpfen, die teilweise mit schweren Verletzungen enden. Sie setzen bei dem Brunftkämpfen ihre scharfen und spitzen Hörner ein. Oft ist es aber so, dass beim Aufeinandertreffen der Männchen, der augenscheinlich unterlegene freiwillig das Feld räumt. Ein Bulle versammelt bis zu acht Weibchen um sich, die ein Harem bilden.

Nach einer Tragezeit von gut 250 Tagen bringt das Weibchen an einer abgelegenen Stelle ein Jungtier zu Welt. Das Kalb weist bei der Geburt ein Gewicht von etwa 30 bis 35 kg auf, das Fell ist rotbraun gefärbt. Nach einigen Tagen ist das Kalb in der Lage, sich mit der Mutter der Herde anzuschließen. Es wird für ungefähr ein Jahr gesäugt. Mit rund acht bis neun Jahren sind die Tiere voll ausgewachsen. In Freiheit können sie ein Alter von bis zu 25 Jahren erreichen. In Gefangenschaft bis zu 30 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Wisent - Jungtier
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Wisent - Jungtier

Die globale Population von frei lebenden Tieren betrug im Jahre 2006 etwa 1.800. Da aber einige von ihnen kaum die Geschlechtsreife erreichen und Polygynie vorherrschend ist, verringert sich dadurch die effektive Populationsgröße. Die Gesamtzahl der geschlechtsreifen Tiere beträgt weniger als 1.000. Zwischen den Jahren 1990 und 2000 ist die Population zurückgegangen, aktuell ist eine Populationszunahme zu beobachten. Jedoch wird die Art unter dem Kriterium D1 als gefährdet qualifiziert.

Beurteilung der beiden Zuchtlinien :

Bison bonasus (Tiefland-Linie): Gefährdet D1

  • Im Jahr 2000 betrug die globale Population 931 Individuen, nicht alle davon sind geschlechtsreif. Obwohl die Population zwischen den frühen 1990er Jahren und 2000 zurückgegangen ist, nimmt sie jedoch derzeit zu.

Bison bonasus (Tiefland-Kaukasus-Linie): Gefährdet C1 +2 a (i)

  • Im Jahr 2000 betrug die globale Population 714 Individuen, nicht alle davon sind geschlechtsreif. Die Population verringerte sich um > 20% zwischen 1990 und 2000 und seit 2000 nimmt sie jedoch ab. Alle Populationsgruppen haben weniger als 250 Individuen.

Das Schicksal des Europäischen Bison ist ein Beispiel für die Art und Weise, in der eine Spezies an den Rand des Aussterbens in einer sehr kurzen Zeit gebracht und dann nur durch große Anstrengungen gerettet wurde. Die Rettung des Bisons war zweifellos ein Erfolg, aber weitere Maßnahmen sind erforderlich, um diese Art vor dem Aussterben zu bewahren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

Weitere Weblinks

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