Zitteraal

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Zitteraal

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Neuwelt-Messerfische (Gymnotiformes)
Unterordnung: Zitter- und Messeraale (Gymnotoidei)
Familie: Elektrische Aale (Electrophoridae)
Gattung: Electrophorus
Art: Zitteraal
Wissenschaftlicher Name
Electrophorus electricus
Linnæus, 1766

Der Zitteraal oder auch Südamerikanische Zitteraal (Electrophorus electricus) zählt innerhalb der Familie der Elektrischen Aale (Electrophoridae) zur Gattung Electrophorus. Der deutsche Name ist eigentlich irreführend, da der Zitteraal nicht zu den Aalartigen Fischen (Anguilliformes) gehört, sondern zu den Neuwelt-Messerfischen (Gymnotiformes). Im Englischen wird er Electric eel genannt. Er ist der einzige Vertreter seiner Gattung.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Zitteraal erreicht eine Körperlänge von 240 bis 270 cm sowie ein Gewicht von 17 bis 22 kg. Der Körper weist eine schlangenartige Form auf. Bauch-, Brust- und Schwanzflossen fehlen völlig. Nur die Afterflosse ist vorhanden und zieht sich über die gesamte Bauchfläche bis zum Schwanz. Die Afterflosse dient der Fortbewegung und der Steuerung. Die lebenswichtigen Organe liegen im vorderen Teil des Körpers. Im hinteren Teil des Körpers konzentrieren sich die elektrischen Organe des Zitteraals. Die kleinen Augen liegen weit vorne am Kopf, sie spielen jedoch nur eine untergeordnete Rolle, da der Sehsinn nur mäßig ausgeprägt ist.

Unmittelbar hinter dem Kopf befinden sich die Kiemen, die jedoch nicht alleine die Sauerstoffversorgung sicherstellen. Zitteraale müssen alle 10 bis 15 Minuten an die Wasseroberfläche, um hier Sauerstoff über die Mundöffnung aufzunehmen. Die Kiemen stellen nur 20 Prozent des benötigten Sauerstoffes zur Verfügung, der Rest wird eingeatmet. Die Haut ist von einer schützenden Schleimschicht umgeben und weist eine dunkelgraue, graubraune oder schwarzbraune Färbung auf. Ventral kann die Haut durchaus auch einen gelblichen Schimmer aufweisen. Die elektrischen Organe gehören zu den stärksten im Tierreich. Sie können eine Spannung von 650 bis 700 Volt erzeugen. Zum einen dienen die elektrischen Impulse, um sich Fressfeinde vom Leib zu halten, und zum anderen, um potentielle Beutetiere zu betäuben. Die Spannung wird im umgebildeten Muskelgewebe erzeugt.

Lebensweise

Zitteraale leben einzelgängerisch und sind ausgesprochen territorial, jedoch verhalten sie sich in der Regel relativ friedlich. Die Nähe zu Artgenossen wird strikt gemieden, die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Die elektrische Spannung wird hauptsächlich nur zur Feindabwehr eingesetzt - dies aber sehr effektiv. Zitteraale sind zumeist nur in der Nacht aktiv. Die Orientierung erfolgt über schwache elektrische Signale, die im Bereich von etwa 10 Volt liegen.

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Verbreitung

Zitteraale sind im Nordosten Südamerikas im Amazonasbecken weit verbreitet. Sie bewohnen insbesondere den Amazonas, den Orinoco sowie deren Nebenflüsse und Altarme. Die Tiere leben zumeist im schlammigen Schwarzwasser mit reichhaltiger Vegetation. Neben Flüssen und Strömen werden auch wasserreiche Sumpfgebiete besiedelt. Alle diese Gewässertypen zeichnen sich durch eine Sauerstoffarmut aus. Daher haben sie sich angepasst, indem sie Sauerstoff über das Maul an der Wasseroberfläche aufnehmen.

Ernährung

Während der Nahrungssuche orientiert sich der Zitteraal mit Hilfe einer schwachen elektrischen Spannung. Ein erspähtes Beutetier wird dann mit einer deutlich höheren Spannung betäubt. Die Hauptnahrung sind kleinere Fische. Beutetiere werden förmlich eingesaugt und im Ganzen verschlungen. Jungtiere ernähren sich zumeist von Larven und kleinen wirbellosen Tieren.

Fortpflanzung

Zitteraale paaren sich zumeist während der Trockenzeit. Dies entspricht in etwa den Zeitraum von September bis Dezember oder Januar. Das Männchen baut an geschützter Stelle auf dem Gewässergrund ein Nest, das einer flachen Mulde gleicht. Über schwache elektrische Impulse finden sich die Geschlechter. Das Weibchen legt in diese Nester einige Tausend Eier, die dann vom Männchen befruchtet werden. Mit der Eiablage ist das Brutgeschäft des Weibchens beendet. Im folgenden kümmert sich ausschließlich das Männchen um das Gelege. Er sorgt vor allem für Schutz. Die geschlüpften Larven haben eine Länge von rund 10 bis 15 mm. Die elektrischen Organe entwickeln sich jedoch erst ab einer Körperlänge von 35 bis 40 mm. Die Lebenserwartung liegt in Gefangenschaft bei 15 bis 20 Jahren. Das erreichbare Alter in Freiheit ist noch nicht bekannt.

Ökologie

Zitteraale können auch dem Menschen aufgrund der potentiell hohen elektrischen Spannung gefährlich werden. Verletzungen bleiben für Mensch und Tier bei einer unmittelbaren Begegnung nicht aus. Bei den Ureinwohnern stehen Zitteraale trotz der Bedrohung durch Stromschläge auf der Speisekarte. Ist ein Zitteraal gefangen, so lassen ihn die Ureinwohner einige Stunden liegen, bis keine Restspannung mehr vorhanden ist.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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