Zoologisch-botanischer Garten "Wilhelma", Stuttgart

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Informationen
Vollständiger Name: Wilhelma Der zoologisch-botanische Garten Stuttgart
Gründung: 1949
Besonderheiten: Jungtieraufzuchthaus für Menschenaffenbabys aus ganz Europa

einziger zoologisch-botanischer Garten in Europa

Stadt: Stuttgart (BW)
Besucher: ca. 2,1 Mio. jährlich
Höhenlage: 200m über NN
Fläche: 28 Hektar
Tierbestand: ca. 9000 Tiere in über 1000 Arten
Anschrift: Wilhelma Stuttgart
Neckartalstraße
70342 Stuttgart - Bad Cannstatt
Telefon: ++49 / (0)711 / 5402-0
Telefax: ++49 / (0)711 / 5402-222
E-Mail-Adresse: mailto:info@wilhelma.de
Website: Offizielle Homepage des Zoos

Die Wilhelma ist ein zoologisch-botanischer Garten im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt, der in eine aus dem Jahr 1846 stammende, historische Schlossanlage im maurischen Stil integriert ist. In der Wilhelma sind auf rund 28 ha etwa 9.000 Tiere in über 1.000 Arten aus aller Welt zu sehen. Damit ist der Zoo nach dem Zoologischen Garten Berlin der zweitartenreichste Zoo Deutschlands und einer der artenreichsten Zoos der Welt. Außerdem präsentiert die Wilhelma rund 5000 Pflanzenarten aus allen Klimazonen der Erde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Zukunft der Wilhelma

  • 1949 - Wiedereröffnung des Parks nach dem zweiten Weltkrieg (erstmals wurden neben Pflanzen auch Tiere gezeigt)
  • 1950 - Vogelschau und unterschiedliche Wander-Tierausstellungen (die Tiere blieben hinterher alle in der Wilhelma)
  • 1956 - Fertigstellung des Beckens für Seeelefanten und Seelöwen
  • 1961 - Genehmigung zum Ausbau der Wilhelma
  • 1967 - Eröffnung des Aquariums/Terrariums
  • 1968 - Eröffnung des Raubtierhauses
  • 1968 - Eröffnung des Elefanten- und Nashornhauses
  • 1968 - Eröffnung des Flusspferdhauses
  • 1970 - Wilbert Neugebauer wird Zoodirektor
  • 1972 - Eröffnung des Menschenaffenhauses
  • 1974 - Restaurierung des Eingangspavillons
  • 1975 - Fertigstellung der Felsanlagen für Dscheladas, Mähnenschafe und Makaken
  • 1980 - Fertigstellung der Anlagen für afrikanische Huftiere
  • 1982 - Eröffnung des Jungtieraufzuchthauses
  • 1988 - Fertigstellung des Verwaltungsgebäudes
  • 1991 - Eröffnung der Bärenanlage
  • 1993 - Eröffnung der Vogelfreiflugvoliere
  • 1993 - Eröffnung des Schaubauernhofes
  • 2000 - Eröffnung des Amazonienhauses
  • 2002 - Eröffnung des Insektariums mit Schmetterlingshalle
  • 2004 - Renovierung der Krokodilhalle
  • 2006 - Eröffnung der neuen Krokodilhalle
  • 2007 - Fertigstellung der neuen Anlage für Zebramangusten
  • 2008 - Fertigstellung der neuen Anlage für Südafrikanische Blauhalsstrauße
  • 2009 - Umbau des Eingangsbereichs
  • 2012 - geplante Fertigstellung der neuen Anlage für afrikanische Menschenaffen (Baubeginn 2010)
  • 2018 - geplanter Abschluss der Renovierung des Elefantenhauses (geplanter Baubeginn 2015)

Die Wilhelma heute (Highlights)

Amazonienhaus

Amazonienhaus
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Amazonienhaus

Das Amazonienhaus wurde im Jahr 2000 eröffnet. Der Bau kostete damals rund 18 Millionen Deutsche Mark. Mit Hilfe von etwa 2000 Pflanzen wurde in der 1200 m² großen Halle ein Stück südamerikanischer Bergregenwald geschaffen, in dem ganzjährig Temperaturen von 24 bis 28°C und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 90% herrschen. In der Halle können Vögel wie Grauflügel-Trompetervögel (Psophia crepitans), Türkisnaschvögel (Cyanerpes cyaneus), Paradiestangaren (Tangara chilensis) und andere Vögel frei umherfliegen. Die Besucher können das Amazonienhaus auf einem sich durch den künstlichen Regenwald schlängelnden, mit Rindenmulch belegten, Weg erkunden. In zwei in die Landschaft integrierten Gehegen befinden sich Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya), Weißkopfsakis (Pithecia pithecia) sowie die stark bedrohten Goldkopflöwenäffchen (Leontopithecus chrysomelas). Die Rückzugsräume der Tiere sind für die Besucher fast unsichtbar in einer täuschend echt aussehenden Felswand, die zugleich als Klettermöglichkeit für die Affen dient, versteckt. Diese können sich über einen Gang wechselweise in ein dicht bewaldetes Außengehege begeben, das sich am Eingang des Hauses befindet. Die großen Felsen dienen aber nicht nur der Landschafts- und Gehegegesaltung, sie verdecken auch die aufwendige Technik, die zum Beispiel für die Einhaltung der tropischen Temperaturen und das Filtern des Wassers nötig ist. Die Hauptattraktion des Amazonienhauses stellt das 100 000 Liter fassende Amazonasbecken dar, das durch einen Wasserfall gespeist wird. In dem Becken leben Breitschnauzenkaimane (Caiman latirostris), Kinnfleckschmuckschildkröten und Heilrandige Krötenkopfschildkröten, Schwarze Pacus (Colossoma macropomum), Arowanas (Osteoglossum bicirrhosum) und andere Fische sowie Rotschulterenten (Callonetta leucophrys). Die Besucher können diese durch eine Unterwasserscheibe beobachten oder von oben auf die Tiere herabschauen. Des Weiteren leben Dottertukane (Ramphastos vittelinus), Grüne Leguane (Iguana iguana), Grünen Hundskopfschlinger (Corallus caninus), Regenbogenboas (Epicrates cenchria) und andere Reptilien, Amphibien und Vögel im Amazonienhaus. Am Ausgang befindet sich das Gehege der Südamerikanischen Nasenbären (Nasua nasua).

Aquarium

Aquarium

Das Aquarium wurde bereits 1967 eingeweiht und war damals das erste moderne Zoogebäude der Wilhelma. Nicht zuletzt wegen seiner großen Artenvielfalt ist das Aquarium heute weltberühmt. Es ist durch das Terrarium und die Krokodilhalle in ein Aquarium Nord und Aquarium Süd geteilt. Im Aquarium Nord sind Fische aus der gemäßigten Zone zu sehen. Darunter sind zum Beispiel Tiere wie der Krake (Octopus vulgaris) oder der Schwarzspitzen-Riffhai (Carcharhinus melanopterus) zu sehen. Ein ganz besonderes Aquarium stellt jenes, das von Japanische Tannenzapfenfische (Monocentris japonicus) und Perlboote (Nautilus pompilius) bewohnt wird, dar. Das Gemeine Perlboot (Nautilus pompilius) ist ein lebendes Fossil, da seine Verwandschaft schon vor Millionen von Jahren gelebt hat und heute nur noch wenige Arten existieren. Im Aquarium Nord sind Fische aus den tropischen Süßwassern, wie zum Beispiel der Zitteraal (Electrophorus electricus), der Steinfisch (Synanceia verrucosa), der Rote Piranha (Pygocentrus nattereri) oder der seltene Australische Lungenfisch (Neoceratodus forsteri) und Korallenfische wie der Zitronenkugelfisch (Arothron citrinellus), unterschiedliche Kaiserfische (Pomacanthidae), Kofferfische (Ostraciidae) und viele mehr, darunter auch die sehr giftigen Rotfeuerfische (Pterois) zu sehen. Insgesamt zeigt das Aquarium rund 7000 Tiere in 600 Arten von Fischen und Wirbellosen aus aller Welt. Hinter den Kulissen sorgen rund 30 Kilometer Stromkabel, sechs Kilometer Heizungs- und acht Kilometer Wasserrohre für die richtige Temperatur und Wassermenge in den jeweiligen Becken. Wöchentlich werden etwa 20.000 Liter künstlich hergestelltes Seewasser benötigt.

Terrarium

Terrarium
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Terrarium

Das Terrarium ist in drei Abschnitte gegliedert. Es zeigt Tiere aus trockenen Lebensräumen und Tiere aus feuchtwarmen Klimazonen. Die beiden Abschnitte werden durch die Krokodilhalle geteilt. Im Teil der Tiere aus trockenen Lebensräumen sind die gefährdeten Riesengürtelschweife (Cordylus giganteus) und der ebenfalls gefährdete Nashornleguan (Cyclura cornuta)zu sehen. Auch giftige und für den Menschen durchaus tödliche Tiere wie die in Österreich und Südtirol verbreitete Südtiroler Sandotter (Vipera ammodytes ruffoi) und die aus Nordafrika stammende Wüsten-Hornviper (Cerastes cerastes) sind hier vertreten. Mit der Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum) und der Skorpiongiftechse (Heloderma horridum) sind im Terrarium auch die einzigen giftigen Echsen vertreten. Aber auch ungiftige Tiere wie der Blaue Felsenleguan (Petrosaurus thalassinus), der Chuckwalla (Sauromalus obesus) oder das Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) gibt es im Terrarium zu bestaunen. Im Eingangsbereich der Krokodilhalle sind australische Reptilien wie die Australische Wasseragame (Physignatus lesueurii) und die Kragenechse (Chlamydosaurus kingii)zu sehen. In einigen kleinen Terrarien gibt es unterschiedliche Frösche (Ranoidea ) und Geckos (Gekkota) aber auch die Gewöhnliche Eierschlange (Dasypeltis scabra). Als Vertreter der Tiere aus feuchtwarmen Klimazonen folgen nun bis auf den Ritteranolis (Anolis equestris) als Vertreter der Leguane (Iguania) unterschiedliche Schlangen (Serpentes). Darunter die Basilisken-Klapperschlange (Crotalus basiliscus), die Mangroven-Nachtbaumnatter (Boiga dendrophila), die Monokelkobra (Naja kaouthia) und ein 4,65 Meter langer und 56 Kilogramm schwerer Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus). Besonders auffällig ist jedoch die leuchtend gelbe Greifschwanz-Lanzenotter (Bothriechis schlegelii), welche aber auch olivgrün bis rötlich gefärbt vorkommen kann.

Krokodilhalle

Krokodilhalle
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Krokodilhalle

Die Krokodilhalle wurde im Jahr 2006 nach einer 2 Jahre dauernden und rund 1,4 Millionen teuren Renovierung wieder eröffnet. Nachdem zuvor mehrer Krokodilarten (Crocodilia) und auch Galápagos-Riesenschildkröten (Geochelone nigra) in der Halle untergebracht waren, die Becken aber zu klein waren und nicht mehr den modernen Haltungsstandards genügten, ist heute nur noch eine Art, das bis zu sieben Meter groß werdende Leistenkrokodil (Crocodylus porosus), sowie Rotbauch-Spitzkopfschildkröten (Emydura subglobosa) und Riesen-Schlangenhalsschildkröten (Chelodina expansa) zu sehen. Da jedoch schon früher ein weißes Leistenkrokodil in der Wilhelma gelebt hatte, sollte diese Tradition fortgesetzt werden. Die neuen Krokodile sollten eigentlich direkt aus ihrer Heimat Australien in die Wilhelma gebracht werden. Da es aber zu Verzögerungen beim Bau der Halle kam, kam es auch hier zu größeren Problemen mit den dortigen Behörden. So änderte die Wilhelma ihre Pläne und schaute sich nach anderen Tieren um. Die Krokodile, die heute in der Krokodilhalle zu sehen sind, stammen aus einer Krokodilfarm in Thailand. Von anfangs zwei weißen Krokodilen ist heute allerdings nur noch eines zu sehen, da das andere schon nach kurzer Zeit verstarb. Die im Durchmesser 30 Meter große Halle besteht aus einem Wasserbecken, das durch einen kleinen Wasserfall gespeist wird und Sandbänken, auf denen sich die Krokodile auch außerhalb des Wassers aufhalten können. Das Gesamtbild der Halle ist einer australischen Flusslandschaft nachempfunden, dieser Eindruck wird durch die hohen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit noch verstärkt. Die Halle wurde mit Hilfe von vielen unterschiedlichen aus der Heimat der Tiere stammenden Pflanzen nicht nur zu einem zoologischen, sondern auch zu einem botanischen Highlight. Die Besucher können die Krokodile über einen Steg, der sich teilweise über dem Becken befindet, beobachten.

Insektarium

Schmetterlingshalle
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Schmetterlingshalle

Insektarium

Das Insektarium besteht aus zwei Häusern, die an den Eingang und den Ausgang der Schmetterlingshalle anschließen. Das Insektarium zeigt exotische Tiere wie Vogelspinnen (Theraphosidae), Gespenstschrecken (Phasmatodea), Skolopender (Scolopendridae) oder Skorpione (Scorpiones), aber auch einheimische wie die Europäische Honigbiene (Apis mellifera) oder den Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata). Eine kleine Besonderheit stellt der zur Verwandtschaft der Spinnentiere(Arachnida) gehörende Pfeilschwanzkrebs (Limulus polyphemus) dar.

Schmetterlingshalle

Der Bau der im Jahr 2002 eröffneten Schmetterlingshalle kostete rund 1,5 Millionen Euro. In der über 250 m² großen Halle herrschen ganzjährig Temperaturen von etwa 28°C und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 90%. Hier leben insgesamt 13 Schmetterlingsarten (Lepidoptera) wie Bananenfalter (Caligo eurilochus), Pssionsblumenfalter (Heliconius sp.) unterschiedliche Schwalbenschwänze (Papilio sp.), Filigranfalter (Cethosia sp.) oder Glasflügelfalter (Greta oto) zwischen rund 1200 Pflanzenarten. Diese wurden so ausgewählt, dass sie von den Raupen möglichst nicht gefressen werden. Damit der Bestand der Schmetterlinge in der Halle kontinuierlich bleibt, werden jede Woche neue Schmetterlingskokons in einem Schaukasten ausgehängt, wo die Besucher die Tiere beim Schlupf aus ihren Kokons beobachten können.

Eisbär Wilbär

Wilbär im Alter von 5 Monaten mit seiner Mutter Corinna
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Wilbär im Alter von 5 Monaten mit seiner Mutter Corinna

Nachdem in der 1991 eingeweihten Anlage für Bären und Klettertiere bis zum Jahr 2003 vier Eisbären (Ursus martimus) gelebt hatten, hatte es mit der Nachzucht nie geklappt. 2003 und 2007 wurden zwei Weibchen in andere Zoos abgegeben, da sich diese nicht mehr mit dem Männchen verstanden. Zudem wusste man seit einigen Jahren, dass die Zucht bei einer paarweisen Haltung meist erfolgreicher verläuft. So kam es, dass am 10. Dezember 2007 ein kleiner Eisbär in der Wilhelma geboren wurde. Allerdings wurde die Geburt, nach dem Medienrummel um den ein Jahr zuvor im Zoologischen Garten Berlin geborenen Eisbär Knut, der zudem mit der Flasche aufgezogen werden musste, vorerst geheim gehalten, da man Aufregung und somit auch die Gefahr, dass die Mutter ihr Jungtier doch nicht aufziehen würde aus dem Weg gehen wollte. Die Öffentlichkeit erfuhr erst Ende Februar 2008 von Wilbär, als die kritischste Phase bereits gut überstanden und Wilbär von seiner Mutter sicher angenommen war. Der Name Wilbär ist eine Mischung aus Wilbert, zu Ehren des einstigen Wilhelmadirektors Wilbert Neugebauer, und aus Bär. Am 16. April 2008 wurde der kleine Eisbär dann erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, nachdem er das Außengehege zuvor nur vor Öffnung des Parks erkunden durfte, um ungestört zu bleiben. Doch ein Ende ist bereits absehbar, da Eisbärenmütter ihre Jungtiere in der Natur nach spätestens 2 1/2 Jahren verstoßen, wird auch Wilbär dann in einen anderen Zoo abgegeben werden müssen.

Neben Eisbären sind hier aber auch Brillenbären (Tremarctos ornatus) und Syrische Braunbären (Ursus arctos syriacus) zu sehen. Die Gehege beider Bären (Ursidae) sind durch Wassergräben für die Besucher fast unsichtbar voneinander getrennt. So kommt es vor, dass sich die Bären mit den benachbarten Alpensteinböcken (Capra ibex) oder den Schneeziegen (Oreamnos americanus), welche ebenfalls nur durch ,für die Bären unüberwindbaren, Wassergräben getrennt leben, Auge in Auge gegenüber stehen. Durch die ausreichende Breite der Gräben besteht jedoch keine Gefahr für den Steinbock. In einer separaten Voliere, die sich eng an eine Felsenwand hinter dem Eisbärengehege anschmiegt sind die vom Aussterben bedrohten Waldrappen (Geronticus eremita) zu finden. Des weiteren sind die Gehege der Fischotter (Lutra lutra), Kanadische Biber (Castor canadensis) und Schraubenziege (Capra falconeri) in die Felslandschaft eingegliedert. In einem den Fischottern benachbarten Gehege leben die stark gefährdeten Schneeleoparden (Uncia uncia), welche hier regelmäßig Nachwuchs großziehen.

Schaubauernhof

Da viele in der Großstadt lebende Kinder heute nicht einmal mehr wissen, dass die Milch von der Kuh und nicht aus dem Tetrapack kommt, zeigt die Wilhelma auf dem Schaubauernhof auch Haustiere, wie sie auf jedem Bauernhof zu sehen sind. Vor allem aber werden auf dem Schaubauernhof gefährdete Haustierrassen, wie das Schwäbisch-Hällische Landschwein, das Limpurger Rind und das Hinterwälder-Rind gehalten. Aber auch Schafe, Ziegen und Hühner sind auf dem Schaubauernhof in vielen Arten vertreten. Auch gefährdete Wildtiere wie das Przewalski-Pferd (Equus caballus przewalskii), der Wisent (Bison bonasus), der Europäische Mufflon (Ovis orientalis musimon), der Mesopotamische Damhirsch (Dama mesopotamica), das Trampeltier (Camelus ferus) und die Kreta-Bezoarziege (Capra aegagrus aegagrus) werden hier erfolgreich nachgezüchtet. Außerdem gibt es eine Ausstellung zur Domestikation, also dem Züchten von Haustieren aus Wildtierarten und einen Streichelzoo mit Schafen, Ziegen und Hasen.

Titanenwurz

Die Titanenwurz (Amorphophallus titanum), aus blütenbiologischer Sicht die größte Blume der Welt, ist im Maurischen Landhaus der Wilhelma zu sehen. Die Knolle dieser nur auf Sumatra vorkommenden Pflanze kann ein Gewicht von über 80 Kilogramm erreichen. Im Jahr 2005 blühte die Titanenwurz in der Wilhelma zum ersten Mal und brach mit einer Höhe der Blüte, die einen verwesungsähnlichen Geruch abgibt um Insekten zur Bestäubung anzulocken, von 2,94 Metern und einem Durchmesser von 1,50 Metern auf Anhieb den bisherigen Weltrekord. Dabei wog die Knolle gerade einmal die Hälfte des Gewichts, dass sie erreichen kann. Nach wenigen Stunden war jedoch alles wieder vorbei, da die Blüte der Titanenwurz nur wenige Stunden blüht. Im Jahr 2008 blühte die sogenannte "La Diva" ein zweites Mal, blieb aber deutlich kleiner als bei der ersten Blüte. Jedoch kam nach der ersten Blüte noch eine Zweite hervor, welche sich aber nicht mehr öffnete.

Raubtierhaus

Junger Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae)
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Junger Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae)

Das Raubtierhaus zeigt neben Servalen (Leptailurus serval) und einer schwarzen Farbvariante des Jaguars (Panthera onca) auch sehr seltene Tierarten wie den Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae) eine vom Aussterben bedrohte Unterart des Tigers (Panthera tigris) und den stark gefährdeten Nordpersischen Leopard (Panthera pardus saxicolor). Bis zum Frühjahr 2008 waren hier auch die in freier Wildbahn bereits seit 1922 ausgestorbenen Berberlöwen (Panthera leo leo) zu sehen. Allerdings ist fraglich, ob es sich bei den Tieren um reine Berberlöwen und somit um die letzten ihrer Art handelte oder nur um Löwen mit einem hohen Berberlöwen-Anteil. Während das Männchen schon einige Jahre zuvor an Altersschwäche gestorben war, mussten zuletzt die beiden Weibchen, zwei aus dem Zoo Frankfurt stammende 1985 geborene Schwestern, binnen kurzer Zeit nacheinandner, auf Grund von altersbedingten Krankheiten, eingeschläfert werden. Um so erfreulicher sind jedoch die zuletzt regelmäßigen Nachzuchterfolge bei den Sumatra-Tigern und den Nordpersischen Leoparden. Da das Raubtierhaus bereits im Jahr 1968 eröffnet und damals in schlichter Sichtbeton-Bauweise erbaut wurde und die Gehege für heutige Verhältnisse zu klein sind, entspricht es heute nicht mehr den modernen Haltungsanforderungen. Aus diesem Grund werden vorerst keine neuen Löwen (Panthera leo) in das Haus einziehen, über einen eventuellen Neubau oder eine Renovierung des Raubtierhauses wird derzeit nachgedacht. Fest steht allerdings, dass, wenn wieder Löwen in der Wilhelma einziehen werden, es sich dann um Indische Löwen (Panthera leo goojratensis) handeln wird, da man sich auf die Haltung und Zucht asiatischer Raubkatzen konzentrieren will. Als einziges Raubtier aus der Familie der Hunde ist im Raubtierhaus der Waldhund (Speothos venaticus) vertreten.

Jungtierauftzuchthaus

Das Jungtieraufzuchthaus wurde bereits 1982 eröffnet. Es wurde damals eröffnet, da die Anzahl der Jungtiere, die von ihren Müttern nicht angenommen wurden, überhand nahm und die Tiere nicht mehr, wie damals üblich, von den Tierpflegern zu Hause aufgezogen werden konnten. Als die Affenmütter ihre Jungtiere mit der Zeit wieder selbst aufzogen, wurden die Räumlichkeiten des Jungtieraufzuchthauses und somit auch die Erfahrung in der Aufzucht für ander Zoos zur Verfügung gestellt. So kommen seit 1987 im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP) regelmäßig verwaiste Menschenaffenbabys (Hominidae) aus ganz Europa in die Wilhelma. Insgesamt wurden hier schon über 100 Jungtiere, überwiegend Gorillas, großgezogen. Ziel der Aufzucht ist es jedoch, dass die Jungtiere später wieder in eine Gruppe mit Artgenossen integriert werden können. Im Jungtieraufzuchthaus leben unter anderem auch verschiedene Arten von Krallenaffen (Callitrichidae) wie Kaiserschnurrbarttamarine (Saguinus imperator) oder Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea). Aber auch die vom Aussterben bedrohten Roten Varis (Varecia variegata ruber) und die stark gefährdeten Drills (Mandrillus leucophaeus) sind hier zu sehen.

Nachttierhaus

Das Nachttierhaus zeigt neben Fledertieren (Chiroptera) auch nachtaktive Kleinsäuger Wasserbewohner. In einer großen Voliere lebt, als Vertreter aus der Familie der Fledermäuse (Microchiroptera), die Brillenblattnase (Carollia perspicillata) zusammen mit dem Nilflughund (Rousettus aegyptiacus) und dem Flugfuchs (Pteropus giganteus), der eine Flügelspannweite von bis zu 1,45 Meter erreicht, aus der Familie der Flughunde (Pteropodidae). Da sich beide Tiere von Obst und Gemüse ernähren, welches auf im Gehege stehenden Ästen gereicht wird und diese Tiere nicht gerade reinlich sind, zehrt der Kleinkantschil (Tragulus javanicus) als Untermieter von dieser Wohngemeinschaft. Als nachtaktive im Wasser lebende Tiere ist der Japanische Riesensalamander (Andrias japonicus), die Zwergwabenkröte (Pipa parva) und der vom Aussterben bedrohte Axolotl (Ambystoma mexicanum) neben Blinden Höhlensalmlern (Astyanax mexicanus) und Laternenfischen (Photoblepharon palpebrazu). Aus Madagaskar stammen die Mausmakis (Microcebus), die zusammen mit den Afrikanischen Zwergschläfern (Graphiurus) und den australischen Kurzkopfgleitbeutlern (Petaurus breviceps) die Klasse der Säugetiere (Mammalia) vertreten .

Artenschutz

Vom Aussterben bedroht: Junger Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)
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Vom Aussterben bedroht: Junger Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)

EEP

Während die Zoos früher lediglich zur Unterhaltung der Zoobesucher da waren, so gehören heute vor allem der Artenschutz zu den Hauptaufgaben eines Zoos. Früher wurden die Tiere direkt der Natur entnommen, heute werden die Zootiere in menschlicher Obhut geboren und anschließend an andere Zoos weiter gegeben. Vor allem bedrohte Tierarten werden in Zoos gezüchtet, um ihren Bestand langfristig zu sichern und die Tiere nach Möglichkeit später wieder in geeigneten Lebensräumen anzusiedeln. Um einen stabilen und gesunden Bestand der Tierarten zu erhalten, werden in allen Zoos der Welt Zuchtbücher geführt, in denen Daten wie Geschlecht, Geburtsdatum und Verwandtschaftsverhältnisse gespeichert werden. Diese Daten geben Auskunft darüber, welche Tiere miteinander verpaart werden können, ohne dass es zu Inzuchten kommt. So wird dafür gesorgt, dass eine möglichst große genetische Vielfalt, trotz der begrenzten Tierzahl, erhalten bleibt. Dieses Zuchtbuch wird vom jeweiligen Artkoordinator geführt. Der Artkoordinator gibt unter anderem Zuchtempfehlungen und vermittelt Nachzuchten. So werden über 120 vom Aussterben bedrohte Tierarten durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) betreut. Mit Hilfe der Erhaltungszuchtprogramme können weitgehend stabile Bestände mit einer gesunden Altersstruktur gewährleistet werden.

In der Wilhelma werden 51 Tierarten durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm betreut. Darunter sind unter anderem Somaliwildesel (Equus asinus somalicus), Schneeleoparden (Uncia uncia), Westliche Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla), Hirscheber (Babyrousa babyrussa), Nordpersische Leoparden (Panthera pardus saxicolor), Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae), Drills (Mandrillus leucophaeus), Okapis (Okapia johnstoni), Mishmi-Takine (Budorcas taxicolor taxicolor), Flachlandanoas (Bubalus depressicornis) und Kongopfauen (Afropavo congensis).

EAZA-Kampagnen

Seit dem Jahr 2000 führt der Europäische Zooverband (EAZA) regelmäßig Artenschutz-Kampagnen in den Mitgliedszoos durch, mit deren Hilfe Tierschutzprojekte unterstützt werden. Die Ziele der Kampagnen sind vor allem auf die bedrohte Tierart aufmerksam zu machen, aber auch Geldspenden zu sammeln und Tierschutzprojekte finanziell unterstützen zu können. Die Wilhelma nahm bisher an der an drei EAZA-Kampagnen teil. Schon bei der ersten Kampagne, der EAZA-Bushmeat-Kampagne im Jahr 2000, bei der es vor allem um den Kampf gegen den illegalen Handel mit Wildtierfleisch ging, an der 150 Zoos aus 23 Ländern Europas teilnahmen, war die Wilhelma dabei. Insgesamt wurden damals 80.000 Euro Spenden und 1,9 Millionen Unterschriften gesammelt.

Stark gefärdet: Das Panzernashorn (Rhinoceros unicornis)
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Stark gefärdet: Das Panzernashorn (Rhinoceros unicornis)

Von 2002 bis 2004 nahm die Wilhelma an der EAZA-Tigerkampagne teil. Das Ziel der Kampagne, Spenden in Höhe 250.000 Euro zu sammeln, wurde mit einer Summe von insgesamt 750.000 Euro sogar deutlich übertroffen. Mit den Spenden der EAZA-Tigerkampagne wurden, auf vier Länder verteilt, Maßnahmen zur Bekämpfung der Wilderei, Einrichtung neuer Schutzgebiete, Umwelterziehung der Bevölkerung vor Ort, Ausbildung von Wildhütern und die Unterstützung der Behörden bei der Durchsetzung von Schutzgesetzen unterstützt.

Im Jahr 2005 wurde die EAZA-Nashornkampagne unter dem Motto "Save the Rhinos – Rettet die Nashörner" ins Leben gerufen. Mit den aus der Kampagne eingenommenen Spenden wird ein 92.000 Euro teures Umsiedlungsprojekt von Panzernashörnern (Rhinoceros unicornis) in Indien finanziert werden. Da sich der Großteil des Bestandes dort auf engem Raum konzentriert, werden einige Tiere in bisher unbesetzte Nationalparks umgesiedelt, um vor allem das Risiko der Ausbreitung von Seuchen zu minimieren. Insgesamt wurden allein in der Wilhelma 14.000 Euro für diese Kampagne gespendet.

Auswilderungsprojekte

Die Wilhelma beteiligt sich aktiv an einigen Auswilderungs- und Wiederansiedlungsprojekten. So werden zum Beispiel in der Wilhelma nachgezüchtete Steinböcke (Capra ibex) im Rauris-Tal in Österreich wieder ausgewildert. Aus der Wilhelma stammende Auerhühner (Tetrao urogallus) werden im Schwarzwald und Przewalski-Pferde (Equus caballus przewalskii) in der Mongolei ausgewildert. Dieser Beitrag zum Artenschutz macht aber nur dann Sinn, wenn sichergestellt ist, dass der Lebensraum, in dem die Tiere angesiedelt werden, genügend Nahrung und vor allem Schutz vor Wilderern bietet. Zu diesem Zweck werden in den jeweiligen Gebieten meist Schutzgebiete oder Naturreservate eingerichtet.

Galerie

Anhang

Literatur und Quellen

  • Wilbert Neugebauer: Die Wilhelma: Ein Paradies in der Stadt, Konrad Theiss Verlag, 1993, ISBN 3-8062-1037-3
  • Prof. Dr. Dieter Jauch: Wilhelma: Der zoologisch-botanische Garten in Stuttgart, G. Ad. Stehn's, ISBN 3-87779-063-1
  • Dirk Petzold und Silke Sorge: Abenteuer Zoo: Die 550 schönsten Tierparks, Aquarien und Reptilienhäuser. Der Zooführer für Deutschland, Schweiz und Österreich, Leopold Stocker Verlag, 2007, ISBN 370201151X
  • Wilhelma: Wilhelma Magazin

Links

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