Zwergammer

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Zwergammer

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Passeroidea
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterfamilie: Ammern (Emberizinae)
Tribus: Emberizini
Gattung: Emberiza
Art: Zwergammer
Wissenschaftlicher Name
Emberiza pusilla
Pallas, 1776

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Zwergammer (Emberiza pusilla) zählt innerhalb der Familie der Finken (Fringillidae) zur Gattung Emberiza.

Die Zwergammer ähnelt in Größe und Aussehen der Rohrammer (Emberiza schoeniclus), der Waldammer (Emberiza rustica) und der Spornammer (Calcarius lapponicus) und ist mit den genannten drei Arten leicht zu verwechseln.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Ähnlich einer kleinen Rohrammer (Emberiza schoeniclus) ist die Zwergammer ein Vogel des hohen Nordens. Die Zwergammer weist fast die gleiche Größe wie der Bluthänfling (Carduelis cannabina) auf. Sie erreicht eine Körperlänge von etwa 12 bis 13 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 18 bis 20 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 15 bis 18 Gramm. Das Männchen weist im Sommer einen rostroten Oberkopf und ein rostrotes Gesicht auf. Auf dem Oberkopf zeigen sich schwarze Seitenstreifen. Des weiteren ist ein heller Augenring zu erkennen. An den rostbraunen Wangen sind deutlich schwärzliche Ecken sichtbar. Am hinteren Teil der Wangen ist ein kleiner blasser Fleck zu sehen. Der Schnabel ist spitz und gerade zulaufend. Auf dem Rücken sind hellbraune, braune und schwarze Streifen zu erkennen, während die Unterseite weißlich erscheint und dunkle Streifen aufweist. Ebenso zeichnen sich auf der weißen Brust und an den weißlich gefärbten Flanken dunkle Streifen ab. Der Schwanz ist mit weißen Seiten gezeichnet. Im Flug sieht man deutlich die grauen Vorderflügel, während bei der Rohrammer (Emberiza schoeniclus) die Vorderflügel rostbraun getönt sind. Ebenfalls sind die Flügelbänder deutlicher zu sehen als bei der Rohrammer (Emberiza schoeniclus).

Die kleinen Flügeldecken weisen eine braungraue Tönung auf. Besonders im Frühling und im Sommer ist die rostbraune Färbung von Kopf und Gesicht bei dem Männchen sehr auffällig. Im Winter sind die Schultern bei dem Männchen mehr grau gefärbt und der Scheitelstreif wirkt etwas heller. Die Extremitäten sind hell rosa geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn.
Zwergammer
vergrößern
Zwergammer
Trotz einiger individueller Veränderungen sind die Geschlechter ähnlich, wie zum Beispiel das Gesicht der weiblichen Zwergammer, das ebenfalls eine rostfarbene Tönung aufweist. Der Flug ist bei der Zwergammer schnell, etwas flatternd mit gespreiztem Schwanz und kurzen Folgen von Flügelschlägen. Der Ruf klingt kurz und scharf wie ein "zick". Der Gesang ist reich an Nuancen. Er entspricht einer Melodie, die manchmal hoch mit kratzenden Lauten unterlegt ist.

Jede Melodie wird individuell wiederholt. Der Gesang erinnert eher an einem Ortolan (Emberiza hortulana). Die Rufe wiederum klingen ähnlich wie die Rufe des vertrauten Rotkehlchens (Erithacus rubecula). Die Zwergammer ist wie viele Ammern die meiste Zeit ein ausgesprochener Bodenvogel und huscht auch in Bodennähe herum, wenn sie gestört wird. Da sie gewöhnlich recht still und unauffällig ist, kann sie leicht übersehen werden.

Hin und wieder befindet sich die Zwergammer auf einer niedrigen Ansitzwarte und bewegt aktiv den Schwanz, rüttelt dabei die Flügel und ruft systematisch vor dem Abfliegen. Nach der Brutsaison sind die Zwergammern gerne gesellig und man sieht sie mit anderen Ammern zusammen. Die Zwergammern teilen sich auch die Schlafplätze mit den Rohrammern (Emberiza schoeniclus), die ihre Anwesenheit durch ihre Rufe mitteilen. Die Zwergammer kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa zwei bis drei Jahren erreichen.

Verbreitung

Taigazone
vergrößern
Taigazone

Die Zwergammer brütet im äußersten Nordosten Europas in der weiten Taigazone mit Mischwald aus Koniferen und Birken sowie an offenen Stellen des Nadelwaldes. Nur selten überwintern einzelne Zwergammern im westlichen Europa. Die Zwergammer ist ein Herbstdurchzügler und ist selten an den Küsten Nordwesteuropas und auf Inseln, noch seltener im Binnenland auf Flächen mit Wildkräutern anzutreffen.

Einzelne Populationen sind Langstreckenzieher. Die westliche Population zieht nach Osten und zweigt dann in Richtung Süden oder Südosten ab. Die östliche Population fliegt direkt in Richtung Süden, um ihre Winterquartiere in der Mongolei, im Südosten Russlands und im Nordosten Chinas aufzusuchen. Sie überwintern im Süden von Yangtsekiang, im Westen bis Yunnan (Provinz im Südwesten Chinas) und in der Südosthälfe von Sìchuān (auch Sezuan, Provinz in Zentralchina) sowie im Norden bis zum südlichen Teil von Shanxi (Provinz in Zentralchina). Die Zwergammern sind in Hong Kong ziemlich verbreitet. Spät verlassen die Zwergammern die Winterquartiere und kommen nur im Monat Mai in den Norden Europas zurück.

Ernährung

Hauptsächlich körnerfressend nimmt die Zwergammer auch Insekten (Insecta) zu sich. Insbesondere werden die Nestlinge zahlreich mit Insekten versorgt. Während der Migration sucht die Zwergammer meist auf den schon geernteten Feldern, auf dem Boden sowie an Wegrändern ihre Nahrung. In den Überwinterungsgebieten sucht sie ihre Nahrug in niedrigen Gräsern, in bewaldeten Regionen, in sumpfigen Landschaften, an Ufern von Flüssen, auf Strohdächern und in Reisfeldern.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit und die Brutsaison finden in den Monaten von Mai bis Juni statt. Während dieser Zeit kann es zu einer Jahresbrut, manchmal aber auch je nach Region zu zwei Jahresbruten kommen. Die Zwergammer baut ihr Nest in einer Höhlung am Boden unter einem Busch, oft aber unter Zweigen eines Strauches oder in Baumstämmen wie zum Beispiel Erle, Birke oder Weide oder gut versteckt in Grasbüscheln, die gleichzeitig als Material für den Nestbau dienen.
Zwergammer
vergrößern
Zwergammer
Des weiteren werden Trockengräser, Moose und Flechten benutzt. Das Innere des Nestes wird mit zarteren Pflanzen und mit Haaren, meist von Rentieren, ausgelegt. Die Reproduktionsperiode variiert nach Regionen. Das Weibchen legt von Anfang Juni bis Mitte Juli in Finnland und in Russland im Monat Juni. Man hat sogar im Monat August in einem Nest Eier entdeckt, was vermuten läßt, dass es bei einigen Paaren zu zwei Bruten pro Saison kommen kann.

Das Gelege umfaßt vier bis sechs Eier, die so klein sind, dass es unmöglich ist, sie mit jenen anderer Ammern zu verwechseln. Die Färbung der Eier ist sehr variabel. Sie können hellgrau bis grünlich sein oder eine graurötliche bis grüngraue Tönung aufweisen. Wie bei den meisten Ammern, so sind auch die Eier der Zwergammer mit zahlreichen kleinen schwarzen Flecken oder mit braunen bis rostroten geraden oder leicht wellenförmigen Linien versehen. Das Männchen und das Weibchen wechseln sich beim Wärmen der Eier ab. Die Brutdauer beträgt etwa elf bis zwölf Tage. Die Jungvögel verlassen das Nest im Alter von sechs bis acht Tagen, sind aber gänzlich unfähig zu fliegen. Während dieser Zeit werden die Nestlinge von dem Weibchen und von dem Männchen reichlich mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta) versorgt. Im allgemeinen können die jungen Ammern vier Tage später fliegen. Die Lebenserwartung der Zwergammer beträgt unter günstigen Umständen in der Natur etwa zwei bis drei Jahre. Der Bestand ist heute noch gesichert und die Zwergammer wird in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Literatur und Quellen

  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge