Zwergfledermaus

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Zwergfledermaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Glattnasenartige (Vespertilionoidea)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
Unterfamilie: Eigentliche Glattnasen (Vespertilioninae)
Gattung: Zwergfledermäuse (Pipistrellus)
Art: Zwergfledermaus
Wissenschaftlicher Name
Pipistrellus pipistrellus
(Schreber, 1774)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) zählt innerhalb der Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) zur Gattung der Zwergfledermäuse (Pipistrellus). Im Englischen wird die Art Common Pipistrelle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Zwergfledermaus ist die kleinste Fledermausart in Deutschland. Sie erreicht eine Körperlänge von 3,5 bis 5 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 2,5 bis 3 Zentimeter, eine Unterarmlänge von 3,0 bis 3,4 Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,2 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 17 bis 21 (20) Zentimeter sowie ein Gewicht von 3 bis 8 Gramm. Die Ohrdeckel sind in der oberen Hälfe nach oben verschmälert. Die Spitze der Ohren ist nach innen abgerundet. Am Grund des Außenrandes zeigt sich ein kleiner zahnartiger Höcker. Die Flügel sind schmal und das Patagium wirkt ledern. Das dichte Fell weist je nach Vorkommen und Unterart dorsal eine schwarzbraune, rostbraune oder gelblichbraune Färbung auf, ventral zeigt sich eine graubraune Färbung. Das Patagium (Flughaut), die Ohren und das Gesicht sind dunkelgrau bis fast schwarz gefärbt. Die Ruffrequenz bei der Echoortung liegt bei etwa 45 kHz.

Lebensweise

Zwergfledermäuse fliegen bereits sehr früh am Abend aus, nicht selten schon vor Sonnenuntergang. Zu dieser Zeit gehen die Tiere auch auf Nahrungssuche. Sie sind aufgrund der schmalen Flügel schnelle und ausdauernde Flieger. Ihr Flug reicht dabei bis in Höhen von 2 bis 6 Metern über dem Boden. Zwergfledermäuse sind ausgesprochen gesellig. Sie leben in zum Teil großen Kolonien mit bis zu 2.000 Individuen. Dies trifft vor allem auf die Winterquartiere zur. Die Wochenstuben sind für gewöhnlich 20 bis 50, selten bis 200 Individuen deutlich kleiner. Zwergfledermäuse sind relativ unempfindlich gegenüber Kälte. An warmen Wintertagen verlassen sie durchaus häufig das Quartier. Die Kernphase des Winterschlafes erstreckt sich über lediglich 2 bis 4 Wochen. In den Wochenstuben tauchen Zwergfledermäuse bereits im März auf, der Zug in die Winterquartiere erfolgt spätestens im November.

Unterarten

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Verbreitung und Lebensraum

Vorkommen

Zwergfledermäuse sind in weiten Teilen der westlichen Paläarktis verbreitet. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet vom südlichen Skandinavien, westlich über die Britischen Inseln südlich bis ins nördliche Afrika. Im Osten reichen die Vorkommen bis zum Kaukasus, im Südosten vom Nahen Osten bis ins zentrale China. Laut IUCN kommt die Zwergfledermaus in Afghanistan, Albanien, Algerien, Andorra, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Weißrussland, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Zypern, in der Tschechischen Republik, in Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Indien, im Iran, in Irland, Israel, Italien, Kasachstan, Lettland, Libanon, Libyen, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Malta, Monaco, Montenegro, Marokko, Myanmar, in den Niederlanden, in Norwegen, Pakistan, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, San Marino, Serbien, in der Slowakei, in Slowenien, Spanien, Schweden, in der Schweiz, in Taiwan, Tunesien, in der Türkei, in der Ukraine und in Großbritannien. Auch zahlreiche Inseln im Mittelmeer wie Sizilien, Korsika oder Kreta werden besiedelt. Zwergfledermäuse können in Höhenlagen bis in Höhen von gut 2.000 Metern über NN vorkommen.

Lebensraum

Die Wochenstuben sind in hohlen Baumstämmen, in alten Gebäuden (meist in geschützten Spalten), in Scheunen und ähnlichen Orten angesiedelt und werden regelmäßig gewechselt. In den Winterquartieren ziehen sich Zwergfledermäuse in Höhlen, Stollen, Minen und anderen unterirdischen Unterschlüpfen mit einer gleich bleibenden Temperatur und einer hohen Luftfeuchtigkeit. Die Winterquartiere liegen zum Teil über 1.000 Kilometer von den Wochenstuben entfernt. Die weiteste nachgewiesene Strecke betrug 1.123 Kilometer (Buresh, 1941 in Hutterer et al. 2005). In der Nähe des Menschen sind die Tiere auch in Dörfern und am Rand größerer Städte anzutreffen. Auch Parks, Alleen und Gartenlandschaften werden regelmäßig besiedelt.

Prädatoren

Prädator: der Turmfalke (Falco tinnunculus)
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Prädator: der Turmfalke (Falco tinnunculus)

Zu den natürlichen Fleischfressern der Zwergfledermäuse gehören neben Eulen (Strigiformes) und Turmfalken (Falco tinnunculus) vor allem Marderartige (Mustelidae) wie der Europäische Iltis (Mustela putorius).

Ernährung

Zwergfledermäuse ernähren sich als Insektenfresser hauptsächlich von Nachtfaltern (Noctuoidea), Schnaken (Tipulidae), Fliegen (Brachycera), Mücken (Nematocera) und andere Geflügelte Insekten (Pterygota). Zu den Nahrungsrevieren gehören unter anderem lichte Wälder, Waldränder, Buschwerk, aber auch Halbwüsten, landwirtschaftliche Flächen und Gärten. Die Jagdgebiete liegen in der Regel in einem Radius von etwa 2 Kilometer um das Quartier.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Zwergfledermäuse erstreckt sich von August bis in den September hinein und findet noch in den Wochenstuben statt. In den Wochenstuben halten sich zumeist bis zu 200 Weibchen auf. Die embryonale Entwicklung beginnt jedoch erst im Frühjahr. Die Weibchen bringen meist ab Mai 1 bis 2 (2) Jungtiere zur Welt. Ende Juni oder Anfang Juli erreichen sie ihre Flugfähigkeit. Bis zur Selbständigkeit begleiten die Jungen ihre Mutter bei der Insektenjagd.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In den meisten Regionen kommt die Zwergfledermaus noch recht häufig vor. Sie wird daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In Mitteleuropa gilt sie als eine der häufigsten Arten. In der Nähe des Menschen werden die Tiere mitunter verfolgt. Insbesondere stellt der Mensch ihnen in Gebäuden, Stellen und Scheunen nach. Ansonsten stellt die Vernichtung der natürlichen Lebensräume in den Wäldern und die Ausbringung von Pestiziden und Insektiziden die größte Gefahr dar. Ebenfall problematisch wirken sich die mittlerweile zahlreich in der Landschaft befindlichen Windenergieanlagen aus. Es kommt insbesondere zu Störungen durch Ultraschallemission, zu Kollisionen mit den Rotoren (Fledermausschlag) und zum Verlust des Jagdgebietes. Es kann auch zu einem Barriereeffekt kommen, dass heißt zu einem Verlust oder einer Verlagerung von Flugkorridoren.

Synonyme

Die Zwergfledermaus ist auch unter den folgenden Synonymen bekannt: almatensis (Severtzov, 1873), bactrianus (Satunin, 1905), brachyotos (Baillon, 1834), flavescens (Koch, 1865), fulvus (Korelov, 1947), genei (Bonaparte, 1845), griseus (Gray, 1842), kuzyakini (Korelov, 1947), lacteus (Temminck, 1840), limbatus (Koch, 1863), macropterus (Jeitteles, 1862), melanopterus (Schinz, 1840), minutissimus (Schinz, 1840), murinus (Gray, 1838), nigra (de Selys Longchamps, 1839), nigricans (Bonaparte, 1845), oxianus (Bogdanov, 1882), pipistrelle (Müller, 1776), pusillus (Schinz, 1840), rufescens (de Selys Longchamps, 1839), stenotus (Schinz, 1840) und typus (Bonaparte, 1845). Alle aufgeführten Synonyme sind ungültig. <1>

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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