Zwergkaninchen

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Zwergkaninchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Brachylagus
Art: Zwergkaninchen
Wissenschaftlicher Name
Brachylagus idahoensis
(Merriam, 1891)

IUCN-Status
Near Threatened (NT) - IUCN

Das Zwergkaninchen (Brachylagus idahoensis) zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung Brachylagus. Im Englischen wird die Art Pygmy Rabbit genannt. Ursprünglich wurde das Zergkaninchen in der Gattung der Echten Hasen (Lepus) als Lepus idahoensis geführt. Lyon (1904) platzierte das Zwergkaninchen in die monotypische Gattung Brachylagus. Die Revision ist bis heute gültig und wurde zwischendurch von Dawson (1967) bestätigt. Das Zwergkaninchen ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde eines Zwergkaninchens stammen aus der letzten auslaufenden Eiszeit aus dem frühen Holozän. Mittel der C14-Methode konnte ein Alter von 11.580 ± 250 Jahren nachgewiesen werden, ein weiterer Fund weist ein Alter von 10.370 ± 350 Jahren auf. <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Von allen nordamerikanischen Hasen (Leporidae) handelt es sich beim Zwergkaninchen um die kleinste Art. Die Hinterbeine sind sehr kurz und die Hinterfüße sind recht breit und behaart. Die Ohren sind kurz und weisen eine rundliche Form auf. Sie sind innen und außen mit Fell versehen. Die Tasthaare im Schnauzenbereich sind schwarz und weiß gefärbt. Der kleine Schwanz ist auf der Unterseite hellbraun gefärbt und die Oberseite ist graubraun getönt. Das dorsale, seidenweiche und lange Fell weist eine graubraune Grundfärbung auf, die Bauchseite und die Innenseite der Beine sind etwas heller gefärbt. Im Winter ist das Fell weiß gefärbt. Der jährliche Fellwechsel erfolgt zwischen dem mittleren bis späten Sommer. Die Schnauze ist ausgesprochen kurz. Der Schädel ist relativ schmal, die blasenartige Strukturen im Bereich des Schädels, die Bullae, sind kräftig und groß ausgebildet. Das Gebiss besteht aus 28 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c0/0, p3/2, m3/3. Ein Männchen des Zwergkaninchens erreicht eine Gesamtlänge von 25,2 bis 28,5 (27,2) Zentimeter, eine Schwanzlänge von 15 bis 20 (17,5) Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 6,7 bis 7,9 (7,0) Zentimeter, eine Ohrlänge von 5,9 bis 6,4 (6,1) Zentimeter sowie ein Gewicht von 373 bis 435 (409) Gramm. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 23,0 bis 29,5 (27,5) Zentimeter, eine Schwanzlänge von 15 bis 24 (18,7) Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 6,7 bis 7,5 (7,2) Zentimeter, eine Ohrlänge von 5,6 bis 6,1 (5,9) Zentimeter sowie ein Gewicht von 246 bis 458 (398) Gramm. Die Geschlechter weisen aufgrund dieser Daten in etwas die gleiche Größe und Gewicht auf. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über ventral über 5 Paar Milchdrüse (lat. Glandula mammaria). <2>

Lebensweise

Während der Ruhephasen halten sich Zwergkaninchen in ihren Erdbauten auf, die in der Regel selbst gegraben werden. Eher selten werden Baue von Silberdachsen (Taxidea taxus) oder Gelbbäuchigen Murmeltieren (Marmota flaviventris) übernommen. Die Baue haben mehrere, bis zu 10, Ein- und Ausgänge. Die Röhren weisen einen Durchmesser von 10 bis 12 Zentimeter auf und reichen nicht selten bis in Tiefen von 100 Zentimeter hinab. Zwergkaninchen sind zu jeder Tageszeit aktiv. Dennoch kann man sie als temporale Spezialisten bezeichnen, da sich ihre Hauptaktivitäten über den Tage erstrecken. Zwergkaninchen sind durchaus schnelle Läufer. Sie erreichen leicht eine Geschwindigkeit von 24 km/h. In aller Regel bewegen sie sich im Winter nur in einem Radius von etwa 30 Meter rund um den Bau, im Frühjahr durchaus in einem Radius von 2,5 Kilometer. In ihrem Lebensraum leben Zwergkaninchen je nach Verbreitungsgebiet in Lebensraum- und Nahrungskonkurrenz zu Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus) wie Berg-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus nuttallii) sowie Eselhasen (Lepus californicus) und Präriehasen (Lepus townsendii). <3>

Verbreitung

Das Zwergkaninchen ist im westlichen Teil der USA endemisch. Nach Angaben von Green und Flinders in Wilson & Reeder (1980, 2003) kommt die Art vom südwestlichen Oregon bis ins östliche Zentralkalifornien, im südwestlichen Utah sowie vom nördlichen bis südwestlichen Montana. Isolierte Populationen leben auch im westlichen bis zentralen Washington sowie in Teilen von Nevada. In Nevada leben die Tiere in Höhen von 1.370 bis 2.135 Metern, in Kalifornien in Höhenlagen von 1.520 bis 1.615 Metern über NN. Von den anderen Verbreitungsgebieten liegen keine Höhenangaben vor. Der Lebensraum, vor allem im Großen Becken (engl. Great Basin), ist durch eine charakteristische Vegetation gekennzeichnet. Hier sind insbesondere Wüsten-Beifuß (Artemisia tridentata), Tetradymia canecens, verschiedene Sperrkrautgewächse (Polemoniaceae), Quecken (Elymus), Seggen (Carex), Reitgräser (Calamagrostis) sowie reich verzweigte Sträucher wie Sarcobatus ssp. zu nennen. Die Populationsdichte liegt je nach Verbreitungsgebiet zwischen 0,7 bis 1,4 Tiere je Hektar. Bestimmte Populationszyklen sind nicht erkennbar. <4>

Prädatoren

Zu den natürlichen Fressfeinden der Zwergkaninchen zählen Marderartige (Mustelidae), Kojoten (Canis latrans), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Rotluchse (Lynx rufus), Uhus (Bubo) und Kornweihen (Circus cyaneus). Die meisten Jungtiere fallen Fressfeinden in den ersten 5 Wochen zum Opfer. Es wurden auch zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen. Zu den wichtigsten gehören unter anderem Fadenwürmer (Nematoda) wie Dermatoxys veligera und Nematodirus sp., Dasselfliegen (Oestridae) wie Cuterebra sp., Flöhe (Siphonaptera) wie Cediopsylla inaequalis, Milben (Acari) wie Zecken (Ixodida), insbesondere Dermacentor sp., Haemaphysalis sp. oder Vertreter der Gattung Ornithodoros. <5>

Ernährung

Zwergkaninchen ernähren sich rein pflanzlich. Zu den beliebtesten Futterpflanzen gehören Wüsten-Beifuß (Artemisia tridentata). Vor allem im Winter stellt Wüsten-Beifuß nahezu das gesamte Nahrungsaufkommen dar. Im späten Frühjahr und Sommer werden zu 30 bis 40% Quecken (Elymus) und Rispengräser (Poa) gefressen. Zu den weiteren Futterpflanzen zählt auch Purshia tridentata. <6>

Fortpflanzung

Die Produktion der Samen bei den Männchen beginnt je nach Verbreitungsgebiet bereits Mitte Dezember bis Mitte Januar. Die eigentliche Paarungszeit beginnt im Frühjahr. In einer Saison kommt es zu 1 bis 3 Würfen. Die Weibchen bringen nach einer Tragezeit von 27 bis 30 Tagen 4 bis 8 Jungtiere in ihrem Erdbau zur Welt. Sie kommen nackt und blind zur Welt, die Geburtslänge erstreckt sich über 7,2 Zentimeter. Die Säugezeit und die Lebenserwartung sind nicht bekannt. Die Mortalitätsrate liegt in den ersten Wochen bei mehr als 80%. <7>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Roten Liste der IUCN wird das Zwergkaninchen als gering gefährdet (NT, Near Threatened) geführt. Als Hauptgrund hierfür wird die Abhängigkeit im Winter von einer einzigen Futterpflanzen angegeben. Dies ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes der Wüsten-Beifuß (Artemisia tridentata). <8>

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

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