Zwergkoboldmaki

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Zwergkoboldmaki

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Koboldmakis (Haplorhini)
Familie: Koboldmakis (Tarsiidae)
Gattung: Koboldmakis (Tarsius)
Art: Zwergkoboldmaki
Wissenschaftlicher Name
Tarsius pumilus
Miller & Hollister, 1921

IUCN-Status
Data Deficient (DD)

Der Zwergkoboldmaki (Tarsius pumilus) zählt innerhalb der Familie der Koboldmakis (Tarsiidae) zur Gattung der Koboldmakis (Tarsius). Im Englischen wird der Zwergkoboldmaki Pygmy Tarsier, Lesser Spectral Tarsier, Mountain Tarsier oder Sulawesi Mountain Tarsier genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Zwergkoboldmaki erreicht eine Körperlänge von 95 bis 98 (96,5) mm, eine Schwanzlänge von 203 bis 205 mm, eine Schädellänge von 30,7 bis 31,1 (30,9) mm, eine Jochbeinbreite von 23,9 bis 24,5 (24,2) mm, eine Nasallänge von 4,6 bis 5,7 (5,2) mm sowie ein Gewicht von 80 bis 165 g. Das Fell ist hellbraun bis gräulich oder bräunlichrot gefärbt, ventral zeigt sich eine hellere Färbung. Das Fell ist relativ lang, dicht und wirkt seidig. Der lange Schwanz ist stark behaart und dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt. Die Unterseite des Schwanzes ist teilweise schuppig. Die Augen sind mit einem Durchmesser von etwa 16 mm sehr groß und nach vorne gerichtet. Die Vorderbeine sind kurz, die Hände sind klein. Die jeweils 5 Finger sind mit kräftigen Nägeln versehen. Die Ballen der Zehen und Finger sind reduziert. Offensichtlich haften die Tiere so besser auf modigen Untergrund (Musser und Dagosto, 1987; Nowak, 1999).

Lebensweise

Zwergkoboldmakis sind dämmerungs- und nachtaktiv. Die Tiere halten sich fast ausschließlich in Bäumen und anderer dichter Vegetation auf. Am Tage schlafen die Tiere in dichter Vegetation hoher Bäume. Die Schlafposition ist vertikal, der Schwanz stützt die Tiere dabei. Nester werden keine gebaut. Aufgrund der großen Augen und der Drehbarkeit des Kopfes ist dies möglich, da das Sichtfeld nahezu 360° groß ist. Zwergkoboldmakis sind gute Kletterer und Springer. Sprünge von bis zu einer Weite von 170 cm und einer Höhe von 60 cm sind möglich. Man geht davon aus, dass es sich bei den Zwergkoboldmakis um eine territoriale Art handelt. Die Reviergröße ist jedoch unbekannt. Die Reviermarkierung erfolgt mit Urin und einem Sekret aus speziellen Drüsen (Musser & Dagosto, 1987).

Verbreitung

Zwergkoboldmakis sind im südlichen und zentralen Hochland der Insel Sulawesi, Indonesien, endemisch. Nach einhelliger Meinung leben die Tiere in feuchten montanen Regenwäldern mit einer starken Vermoosung in Höhen von 1.800 bis 2.200 m über NN. Dies belegen die wenigen Funde und eine Untersuchung von lebenden Exempolaren im Jahre 2008. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei nahezu 100% (Musser und Dagosto, 1987).

Ernährung

Zwergkoboldmakis ernähren sich im Wesentlichen von Gliederfüßern (Arthropoda). Meist handelt es sich um Gliederfüßer mit einem kräftigen Exoskelett. Ob und wie Wasser aufgenommen wird, ist unbekannt (Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten der Art ist nur wenig bekannt. Die Paarungszeit liegt möglicherweise wie bei anderen Koboldmakis (Tarsius) in der Regenzeit. Während dieser Zeit ist das Aufkommen an Nahrung in Form von Insekten besonders groß. Geburten treten demnach im Mai sowie zwischen November bis Dezember auf. In einem Jahr kommt es bis zu 2 Geburten. Nach rund 175 bis 185 (178) Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Anders als bei den meisten anderen Primaten wird dazu kein Nest in den Bäumen oder am Boden gebaut. Das Jungtier klammert sich instinktiv am Bauch der Mutter fest. Es ist bereits weit entwickelt und kommt mit geöffneten Augen zur Welt. Mit bereits 6 Wochen werden Jungtiere von der Muttermilch entwöhnt und nehmen feste Nahrung in Form von Insekten zu sich. Die Lebenserwartung liegt bei 10 bis 13 Jahren (Musser und Dagosto, 1987; Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das rezente Vorkommen der Art ist weitestgehend unbekannt. Man geht von fragmentierten Populationen in isolierten Berggipfel aus. Die Lebensräume sind durch das Vordringen durch den Menschen stark bedroht. Vor allem im Süden und den zentralen Regionen von Sulawesi sind die Bergwälder weitestgehend zerstört. Die Populationsgröße ist unbekannt. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie DD, Data Deficient, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Art in Anhang II des Abkommens unter Schutz (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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